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Somalia : Amerikanisches Schiff entkommt Piraten

  • Aktualisiert am

Undatiertes Bild der „Liberty Sun” Bild: REUTERS

Schon wieder haben Seeräuber versucht, vor der Küste Somalias ein Schiff zu entführen. Der amerikanische Frachter „Liberty Sun“ wurde beschädigt, konnte aber entkommen. Unterdessen klagen andere Piraten gegen die Bundesregierung.

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          Bewaffnete Piraten haben nach Angaben des amerikanischen Militärs abermals versucht, vor der Küste Somalias ein Schiff zu kapern. Die Piraten hätten die „Liberty Sun“ mit automatischen Waffen und Raketen angegriffen, teilte das Militär mit. Der unter amerikanischer Flagge fahrende Frachter sei beschädigt worden, aber entkommen. Die Mannschaft sei unverletzt geblieben. Die „Liberty Sun“ hatte Hilfsgüter aus Vereinigten Staaten geladen und war auf dem Weg von Houston, Texas, nach Kenia.

          Der Besatzung gelang es, den Seeräubern durch Ausweichmanöver zu entkommen, teilte ein Sprecher der Marine mit. Als der um Hilfe gebetenen amerikanische Zerstörer „USS Bainbridge“ dem Frachter wenige Stunden später zu Hilfe eilte, waren die Piraten bereits verschwunden. An der „Liberty Sun“ war durch den Raketenbeschuss Sachschaden entstanden, das Schiff blieb aber fahrtüchtig. Ein kleines Feuer konnte die Besatzung löschen. Die „Bainbridge“ geleitete den Frachter dann zu ihrem Bestimmungshafen in Mombasa.

          Piraten klagen in Deutschland

          Unterdessen leiteten zwei somalische Piraten wegen ihrer Überstellung nach Kenia rechtliche Schritte gegen die Bundesregierung ein. Die in Mombasa inhaftierten Männer verlangen unter anderem konsularische Hilfe sowie die Übernahme der Kosten des Rechtsstreits. Das Landgericht Berlin sowie das Verwaltungsgericht Berlin bestätigten am Mittwoch, dass eine Klage und ein Eilantrag der somalischen Staatsbürger bei ihnen eingegangen seien. Vertreten werden die Männer durch Anwälte aus Berlin und Frankfurt.

          Die von der Bundeswehr am Horn von Afrika festgesetzten neun Piraten waren Mitte März an Kenia überstellt worden. Grundlage war ein Abkommen der EU mit Kenia, laut dem es Mindeststandards für ein solches Verfahren geben sollte. Darin verpflichtet sich Kenia, jeden übergebenen Piraten unverzüglich einem Richter vorzuführen, die Gefangenen human zu behandeln und „weder Folter noch grausamer, unmenschlicher oder entwürdigender Behandlung oder Bestrafung“ auszusetzen.

          In der Klage vor dem Berliner Landgericht, aus der die Nachrichtenagentur ddp zitiert, fordert einer der Männer mehrere Bundesministerien dazu auf, die Kosten des Rechtsstreits zu tragen. Wegen der „unrechtmäßigen Überstellung“ nach Kenia verlangt der Kläger zudem Schadenersatz. Hervorgehoben wird, dass rechtliche Mindeststandards - wie zwischen der EU und Kenia vereinbart - nicht eingehalten würden. So vertrete nur ein Rechtsanwalt alle neun Inhaftierten, die zudem nicht medizinisch versorgt würden. Wegen der schlechten hygienischen Zustände müsse der Kläger befürchten, an einer Hautinfektion oder Tuberkulose zu erkranken.

          Ein zweiter der inhaftierten Somalier verlangt in einem Eilantrag diplomatischen und konsularischen Schutz. Das Auswärtige Amt wird zudem dazu aufgefordert, seinen Verteidiger zu bezahlen. Laut Verwaltungsgericht sollte das Schreiben noch am Mittwoch dem Auswärtigen Amt zugestellt werden.

          Geheimdienste: Al Qaida unterstützt Piraten

          Nach jüngsten Erkenntnissen westlicher Geheimdienste werden die Piraten im Indischen Ozean von der islamistischen Terrororganisation Al Qaida unterstützt. Die Hinweise darauf häuften sich, sagten Angehörige der amerikanischen CIA und des französischen Auslandsgeheimdienstes DGSE in Djibouti. Die Seeräuber erhielten ihre Waffen und Ausrüstungen für das von Tag zu Tag heftigere Vorgehen gegen die Zivilschifffahrt über Kanäle Al Qaidas.

          Somalia ist seit 1991 ein zerrüttetes Land, das von islamistischen Clans beherrscht wird. Washington hatte in der Vergangenheit schon oft auf die Existenz von Al-Qaida-Gruppen in Somalia hingewiesen. Somalische Banken stehen im Verdacht, die Geldtransfers für Bin Ladin vorzunehmen. Mehrere radikalislamische Gruppierungen in Somalia haben die jüngsten spektakulären Überfälle der Seeräuber als „gelungenen Kampf gegen den Westen“ gefeiert.

          Die Konfliktforschungsorganisation „International Crisis Group“ in Brüssel wies darauf hin, dass das Horn von Afrika bereits als „nächste Front“ im Kampf gegen den islamistischen Terror angesehen wird. Analysten westlicher Geheimdienste sprechen angesichts der sich steigernden Aktivitäten der Freibeuter mit Hilfe der Islamisten von einer „vierten Terrorfront“ gegen den Westen. Nach Irak, Afghanistan und Pakistan gingen die islamistischen Terrorgruppen jetzt auch „an einer entscheidenden Seefront gegen die westlichen Staaten vor“, sagte ein CIA-Mitarbeiter.

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