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Nach Anschlägen in Sri Lanka : Solidarität mit verfolgten Christen

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Christen haben es in asiatischen Ländern immer schwerer. Nach der Tat in Sri Lanka wird der Glaube verstärkt bedroht. Bild: AFP

In Sri Lanka wurden Christen Opfer, weil sie Christen waren. Diese Realität müssen wir auch aussprechen. Ein Gastbeitrag.

          Die Täter in Sri Lanka nahmen gezielt Christen ins Visier, die gerade die Osternacht feierten. In das Fest, dessen Kernbotschaft Hoffnung ist, trugen sie Tod und Terror hinein. Dass Christen Opfer gezielter Gewalt sind, ist kein neues Phänomen. Christen bilden global betrachtet die am meisten verfolgte Religionsgemeinschaft. Die Situation christlicher und anderer religiöser Minderheiten in Asien hat sich in den letzten Jahren immer weiter verschärft.

          In Indonesien verändert der Einfluss des wahhabitischen Islams und mit ihm die Scharia das Land zunehmend. Besonders besorgniserregend ist die Lage in der Provinz Aceh, deren Regierung nicht nur ein auf der Scharia basierendes Strafrecht implementiert, sondern auch mehrere Kirchen geschlossen hat. In Malaysia garantiert die Verfassung zwar in der Theorie die freie Religionsausübung, allerdings schließt dies die Freiheit der Konversion nicht mit ein. Die Forderungen der Islamischen Partei Malaysias, das Scharia-Strafrecht einzuführen, verschärft das religionspolitische Klima.

          In China wird die Religionsfreiheit durch den totalitären Kontrollanspruch des Staates immer weiter beschnitten, in den mehrheitlich buddhistischen Staaten Bhutan, Sri Lanka und Burma wurden Angehörige der christlichen und muslimischen Minderheiten immer wieder Opfer von gewalttätigen Übergriffen. In Indien warten Christen noch immer auf eine angemessene juristische Aufarbeitung und den Erhalt zugesagter Entschädigungszahlungen im Zuge der brutalen Ausschreitungen in Odisha im Jahr 2008, die etwa 100 Tote und Tausende Binnenflüchtlinge forderten.

          Eine weitere Eskalation erfuhr die bedrängte Lage der Christen in Indien durch die polarisierende, hindunationalistische Rhetorik diverser politischer Akteure im Zuge der diesjährigen Parlamentswahlen. Die in der indischen Verfassung zugesicherte Religionsfreiheit wird zudem strukturell durch zahlreiche Anti-Konversions-Gesetze abgeschwächt.

          Volker Kauder gehört der CDU/CSU-Bundestagsfraktion an, deren Vorsitzender er bis September 2018 war.

          Im Hinblick auf die jüngsten Gewalttaten in Sri Lanka hat Religion eine doppelte Relevanz: Die Täter – nach derzeitigem Kenntnisstand islamistische Terroristen mit Verbindungen zum „Islamischen Staat“ – führen für ihre Verbrechen eine religiöse Legitimation an. Die Opfer hingegen wurden dezidiert aufgrund ihrer religiösen Zugehörigkeit zum Ziel der brutalen Anschläge. Anders formuliert: Christen wurden Opfer, weil sie Christen waren. Diese Realität müssen wir auch aussprechen.

          Die Kernpflicht eines Staates ist es, ausnahmslos jeden seiner Bürger vor Gewalt zu schützen. Sri Lankas Regierung ist nun in der Pflicht, alles daranzusetzen, die Täter ausfindig zu machen und sie strafrechtlich zur Verantwortung zu ziehen. Zum einen schuldet sie es den in der Osternacht Ermordeten und ihren Angehörigen. Zugleich sind aber Aufklärung und juristische Aufarbeitung einschließlich der Bestrafung der Täter zentral für die Stabilität und das gesellschaftliche Gleichgewicht Sri Lankas. Es muss nun aufgeklärt werden, wie diese unfassbaren Taten trotz der vorausgehenden Warnungen geplant und ausgeführt werden konnten.

          Christen und andere religiöse Minderheiten haben in Sri Lanka nur dann eine echte Zukunftsperspektive, wenn sie darauf vertrauen können, dass es dem Staat gelingt, sie nicht nur vor Terror zu schützen, sondern ihnen auch Freiheitsräume für die Ausübung ihres Glaubens zu garantieren. Christen leben – wie Angehörige aller Religionsgemeinschaften – nur dort gut, wo sie auch ihren Glauben leben können. Sri Lankas Behörden müssen nun alles tun, um glaubwürdig das Vertrauen insbesondere der Christen im Land wiederzugewinnen.

          In der Verantwortung ist aber auch die internationale Gemeinschaft und mit ihr auch wir in Deutschland. Konkret können wir dieser Verantwortung gerecht werden, wenn wir etwa Sri Lankas Behörden bei der Aufklärung unterstützen. Perspektivisch müssen wir für uns zunächst konkretisieren, was eine wertegeleitete Außen- und Sicherheitspolitik in diesem Zusammenhang bedeutet. Zum einen müssen wir Terror als solchen benennen und ihm überall mit angemessener Härte und wirksamen Mitteln entgegentreten.

          Der Einsatz für Religionsfreiheit sowie der Schutz religiöser Minderheiten und entsprechende Wege der Umsetzung müssen nicht nur auf nationaler, sondern auch auf internationaler Ebene auf die politische Agenda gebracht werden. Den Opfern müssen wir unsere Solidarität, die nicht nur ein bloßes Lippenbekenntnis sein darf, deutlich signalisieren. Diejenigen, die andere aufgrund ihrer Religion verfolgen und ermorden, müssen als Täter benannt werden und wissen, dass wir ihrer ideologischen Brutalität niemals tatenlos gegenüberstehen werden.

          Das Herzstück des Osterfestes ist, dass Unrecht, Tod und Unterdrückung nicht das letzte Wort haben, dass Hoffnung wider alle Hoffnung in ein besseres Morgen trägt, dass es eine Zukunft auch dort gibt, wo alles verloren scheint. Dass die Mörder von Sri Lanka ausgerechnet die Osternacht als Zeitpunkt für ihre Verbrechen wählten, stellt diese Hoffnung radikal in Frage und offenbart zugleich ihre Notwendigkeit. In Trauer um die Ermordeten und tiefer Verbundenheit mit ihren Angehörigen dürfen wir nicht nur ein besseres Morgen erhoffen. Wir sind auch in der Verantwortung, es Realität werden zu lassen.

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