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Solidarität mit Ägypten : Proteste in Iran, Bahrein und Jemen

  • Aktualisiert am

In Jemens Hauptstadt Sanaa demonstrierten am Montag mehr als tausend Regierungsgegner Bild: dapd

In Bahrein ist am Montag bei Protesten von Regierungsgegnern ein Demonstrant getötet worden, viele weitere wurden verletzt. Auch in Teheran versammelten sich am Montag Regimekritiker in kleineren Gruppen - allerdings ohne die Polizei mit Sprechchören oder Transparenten herauszufordern.

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          Bei Zusammenstößen zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften ist am Montag im Golfstaat Bahrein ein Mensch getötet worden, mindestens 20 wurden verletzt. Nach den Unruhen in mehreren arabischen Ländern hatten Oppositionelle über das Internet zu einem „Tag des Zorns“ aufgerufen, worauf es in mehreren Orten Proteste gegen die Staatsführung gab. Korrespondenten zufolge starb ein junger Mann bei Auseinandersetzungen in einem Vorort der Hauptstadt Manama an schweren Schusswunden.

          Auch einige der Verletzten seien von Schüssen getroffen worden, andere wiesen Knochenbrüche oder Verletzungen durch Tränengas auf. Bereits am Sonntag waren bei Zusammenstößen mehrere Menschen verletzt worden. Um weitere Proteste im Keim zu ersticken, ließ die Führung des Golfstaates an wichtigen Punkten massiv Sicherheitskräfte auffahren. Das arabische Königreich wird von einer sunnitischen Herrscherfamilie regiert, obwohl schiitische Muslime die Bevölkerungsmehrheit stellen. Mehrere politische Gruppierungen der Schiiten unterstützten den Protestaufruf, den Unbekannte im Internet verbreitet hatten.

          Trotz des ausdrücklichen Verbots durch die Behörden haben auch Angehörige der iranischen Opposition am Montag ihre Solidarität mit den Demokratiebewegungen in Ägypten und Tunesien öffentlich demonstriert. Nach Berichten auf Internetseiten Oppositioneller versammelten sich Regimekritiker in kleineren Gruppen in Teheran, ohne die Polizei mit Sprechchören oder Transparenten herauszufordern. Die Anhänger der Opposition wollten sich auf dem Azadi-Platz (Platz der Freiheit) zu ähnlichen Protesten wie die Ägypter auf dem Tahrir-Platz in Kairo versammeln. Die Behörden hatten zuvor die Demonstrations-Anträge der „Grünen Welle“, wie sich die vom früheren Regierungschef Mir Hussein Mussawi angeführte Opposition nennt, abgelehnt und mit Polizeieinsätzen gedroht.

          Abseits der Proteste: Irans Präsident Mahmud Ahmadineschad begrüßt seinen türkischen Kollegen Abdullah Gul am Montag in Teheran. Fotos von den Protesten lagen nicht vor.

          Mussawi unter Hausarrest?

          Nach unbestätigten Berichten wurden sowohl Mussawi als auch der frühere Parlamentspräsident Mahdi Karrubi unter Hausarrest gestellt. Mussawis Haus sei von Polizeikräften umstellt und seine Telefonleitung gekappt worden. In ganz Teheran war am Montag ein starkes Polizeiaufgebot zu sehen. Zudem wurde in einigen Stadtteilen das Mobilfunknetz abgeschaltet, um die Kommunikation möglicher Demonstranten zu verhindern. Iran hatte erst am vergangenen Freitag den 32. Jahrestag der Islamischen Revolution gefeiert, durch die der Schah vertrieben worden war. Während der Feier hatte die iranische Führung versucht, eine Verknüpfung zwischen der Revolution vor über drei Jahrzehnten und der Demokratiebewegung in Ägypten und Tunesien herzustellen.

          Demonstrationen auch im Jemen

          Im Jemen gibt es weiter Proteste gegen die Regierung. Am Montag demonstrierten in der Hauptstadt Sanaa mehr als tausend Regierungsgegner. Ihnen standen nach Angaben von Augenzeugen mehrere hundert Gegendemonstranten gegenüber. Diese hielten zunächst Bilder von Präsident Salih in die Höhe, später gingen sie mit Messern und Stöcken auf die Regierungsgegner los. Der Nachrichtensender Al Arabija meldete auch aus der Stadt Tais Proteste gegen die Regierung sowie Zusammenstöße zwischen Demonstranten und der Polizei. Schon am Sonntag waren nach schweren Zusammenstößen in Sanaa mehrere Demonstranten und Journalisten vorübergehend festgenommen worden.

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