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Bewegung in Italien : Sardinen wollen es mit Salvini aufnehmen

Massenproteste gegen Rechtspopulismus: die Sardinen-Bewegung am Samstag in Rom Bild: EPA

Eine Großkundgebung in Rom ist der vorläufige Höhepunkt der Sardinen-Bewegung. Die italienischen Linken wollen den öffentlichen Raum und politischen Diskurs zurück. Lega-Chef Salvini hat die Herausforderung angenommen.

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          Das Wochenendwetter meinte es gut mit den Sardinen von Rom. Noch am Freitag war ein wüster Wintersturm über die Hauptstadt gezogen. Am Samstag lachte dann aber die Sonne vom wolkenlosen Himmel, obschon bei kühlen Temperaturen. Genau einen Monat zuvor, am 14. November, hatte die Bewegung der Sardinen als Flashmob auf der Piazza Maggiore in Bologna das Licht der politischen Welt Italiens erblickt. Die Großdemonstration vom Samstag auf der Piazza San Giovanni in Rom war zugleich Höhepunkt und Zwischenstation für ein politisch-soziales Phänomen, über dessen Bedeutung und Zukunftsaussichten Uneinigkeit besteht.

          Matthias Rüb

          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          So wie zum Beispiel schon über die Zahl der Teilnehmer an der Kundgebung vom Samstag. Waren es gut 100.000, wie die Veranstalter gezählt haben wollten? Oder doch eher 35.000, wie das Polizeipräsidium von Rom wissen ließ? Oder irgendein Wert dazwischen? In jedem Fall war es ein Erfolg für die Sardinen-Bewegung, die große Piazza vor der Papstbasilika San Giovanni mit einer stattlichen Menschenmenge zu füllen. An gleicher Stelle hatten die rechten Parteien unter Führung von Matteo Salvinis Lega am 19. Oktober demonstriert und dafür aus allen Landesteilen Zehntausende mit Bussen in die Hauptstadt bringen lassen. Eine Woche später triumphierte das Rechtsbündnis unter Führung der Lega dann bei der Regionalwahl in Umbrien, wo die Linke zuvor seit Jahrzehnten regiert hatte.

          Ein „Volksschrei“ gegen Intoleranz

          Mit der Kundgebung der Sardinen vom Samstag hat die italienische Linke „ihre“ Piazza San Giovanni in Rom, wo seit Jahr und Tag Kommunisten, Sozialisten und Gewerkschafter zu demonstrieren pflegen, von der Rechten gleichsam zurückerobert. Denn darum geht es der Bewegung der Sardinen: der Rechten unter Lega-Führer Salvini die Hoheit über den öffentlichen Raum und den politischen Diskurs in ganz Italien zu entreißen sowie vorab einen weiteren Wahlsieg in der Region Emilia-Romagna im Nordosten des Landes zu verhindern.

          Dieser Antrieb war die Geburtsstunde der Sardinen-Bewegung vom 14. November, die sich als „Volksschrei“ gegen Intoleranz und Fremdenfeindlichkeit versteht. Für denselben Tag hatte Salvini seine Anhänger zum Wahlkampfauftakt in der traditionell „roten“ Emilia-Romagna, wo am 26. Januar der Präsident und das Parlament der Region neu bestimmt werden, in eine Sportarena mit knapp 5600 Sitzplätzen in der Hauptstadt Bologna eingeladen. Vier junge Leute Anfang Dreißig überlegten, was sie der Lega-Welle entgegensetzen könnten, und riefen über eine Facebook-Seite zur Gegenkundgebung auf der Piazza Maggiore auf.

          Der Erfolg überraschte nicht nur die vier Bewegungsgründer Mattia Santori, Andrea Garreffa, Giulia Trappoloni und Roberto Morotti, die sich aus gemeinsamen Studientagen kennen, sondern buchstäblich das ganze Land. Gut und gerne doppelt so viele Salvini-Gegner kamen unter freiem Himmel unter dem Zeichen der Sardine zusammen, wie der Lega-Chef Anhänger in der Sportarena PalaDozza versammeln konnte. Den bescheidenen Fisch als Symbol der Kundgebung hatten die vier Initiatoren gewählt, weil sie eng wie Sardinen gemeinsam gegen Salvini zusammenstehen wollten. Auch der Umstand, dass ein Schwarm kleiner Sardinen einen viel größeren Raubfisch – sprich: den Polit-Hai Salvini – narren kann, hatte gewiss eine Rolle gespielt.

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