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360.000 Katholiken ausgetreten : Austritte aus der katholischen Kirche erreichen Rekordniveau

Gläubigenschwund: Leere Bänke in einer Kirche in Heilbronn Bild: dpa

Noch nie haben so viele Katholiken ihrer Kirche den Rücken gekehrt wie im vergangenen Jahr. 360.000 Katholiken erklärten ihren Austritt. Ihre Entscheidung hat oft mehrere Gründe.

          5 Min.

          Die Deutsche Bischofskonferenz hat einen eigenwilligen Sinn für Dramaturgie, von dem sie sich durch nichts abbringen lässt: So begann auch die Pressemitteilung zur kirchlichen Statistik am Montag wie jedes Jahr mit einer Information für Statistiker, der Zahl der Pfarreien: Im Jahr 2021 gab es in Deutschland 9790 davon. Das sind 68 weniger als im Vorjahr. Dann erfährt der Leser, wie viele Priester, Pastoralreferenten und Diakone es in der katholischen Kirche in Deutschland gibt und wie viele Menschen sich kirchlich trauen oder bestatten ließen. Erst ganz zum Schluss – nicht ohne vorher noch mitzuteilen, dass 1465 Menschen in die Kirche eingetreten sind und 4116 wieder aufgenommen wurden – nennt die Bischofskonferenz dann die eine Zahl, die alle anderen in den Schatten stellt: 359.338 Menschen haben die katholische Kirche im Jahr 2021 verlassen. So viele wie nie zuvor - und ein Drittel mehr als im bisherigen Rekordjahr 2019. Bei einer Gesamtzahl von 21,6 Millionen Katholiken sind das rund 1,7 Prozent. 

          Thomas Jansen
          Redakteur in der Politik.

          Im Jahr 2019 waren knapp 273.000 Menschen ausgetreten. 2020 verließen dagegen nur 221.390 Menschen die katholische Kirche. Diese Angabe ist jedoch aufgrund der coronabedingt eingeschränkten Öffnungszeiten der Amtsgerichte und Standesämter, welche die Austrittserklärungen entgegennehmen, nicht aussagekräftig. Überraschend kam die neue Zahl nun nicht. Nach den Berichten über Schlangen von Austrittswilligen in den Amtsgerichten und den Alarmmeldungen aus den Pfarreien in den vergangenen Monaten mussten die Bischöfe aufs Schlimmste gefasst sein.

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