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Kim Jong-un nach dem Gipfel : So sieht ein Sieger aus

Hat gut lachen: Kim Jong-un Bild: AFP

Kim Jong-un nutzt das Gipfeltreffen für seine Zwecke, Donald Trump geht weitgehend leer aus. Nordkoreas Machthaber hat jahrelang auf diesen Moment hingearbeitet – und damit mehr erreicht als seine Vorgänger.

          Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un ist bereits weg vom Ort des Gipfeltreffens, als sein derzeit prominentester Fürsprecher auf die Bühne steigt und den Job für ihn macht: Donald Trump. Bei der Pressekonferenz nach dem historischen Händedruck der beiden Staatslenker zeigt sich der amerikanische Präsident in bester Plauderlaune. Der mächtigste Politiker der Welt beantwortet viele Fragen der Journalisten – und er lobt den Diktator des vergleichsweise kleinen und unbedeutenden Nordkorea. Und das nicht zu knapp: Kim Jong-un sei ein „sehr talentierter Mann“, eine „große Persönlichkeit“, ein „sehr geschickter Verhandler“, ein „sehr mächtiger Mann“, einer, der zudem „sein Land sehr liebt“, flötet der Präsident.

          Es ist nicht überliefert, wie Kim die Lobeskaskade aufgenommen hat, ob er sich die Pressekonferenz angeschaut hat. Aber es ist anzunehmen, dass er das mit Genugtuung tat. Er, der „little rocket man“, wie Trump ihn einst schimpfte, hat es mit dem Treffen in Singapur geschafft, egal was weitere Verhandlungen bringen oder zurechtstutzen. Selbst der Todfeind a. D. aus Amerika erkennt die Größe Kims an, sicherlich eine Steilvorlage für die staatstreuen nordkoreanischen Medien, die zur Stunde noch Ruhe halten und nur die Bilder Kims bei seiner Sightseeing-Tour in Singapur zeigen. In westlichen Medien ist nach dem Gipfel häufig von „Augenhöhe“ der beiden Staatsführer die Rede – in Wahrheit geht Kim Jong-un aber als Sieger vom Platz.

          Mittel zur Machtsicherung

          Kim Jong-un ist nicht nur ein gewiefter Kurzzeit-Taktiker, er ist ein gewiefter Stratege mit langem Atem. Das Treffen mit Trump, die Choreografie mit Händeschütteln und schönen Fotos vor den gleichrangig drapierten Flaggen Amerikas und Nordkoreas, die Bilder seiner lockeren Sightseeing-Tour durchs abendliche Singapur – all das ist der vorläufige Höhepunkt einer Strategie, die der junge Diktator seit einigen Jahren verfolgt. Sein Ziel: die internationale Anerkennung für sein Land, die Sicherung des Familienanspruchs auf die Macht in Pjöngjang, wirtschaftliche Erholung, um das politische System zu erhalten und die Eliten aus Militär und Partei zufriedenzustellen, und letztlich Stabilität und Ressourcen für eine Modernisierung Nordkoreas.

          Inszenierung vor sorgsam drapierten Fahnen: Kim Jong-un und Donald Trump

          Das funktioniert nur, weiß Kim, wenn der Sanktionsring, der der Wirtschaft des Landes die Luft abwürgt, gelockert wird – und zwar bald. Und wenn sich der Staatsführer wirksam vor einem „regime change“ schützt. Letzteres ist ihm gelungen, indem er den Nachweis für funktionierende Atomwaffen liefern konnte, das war Phase zwei in seiner Amtszeit. Jetzt geht es ihm darum, der Wirtschaft auf die Beine zu helfen. Phase drei.

          Vorbereitung im Schnelldurchlauf

          Von all dem war im Dezember 2011 nicht viel zu sehen, ja nicht einmal zu ahnen. Damals lief der unscheinbare junge Mann neben dem Leichenwagen mit dem Sarg seines kurz vorher verstorbenen Vaters Kim Jong-il her. Zwar war Kim Jong-un schon vorher auf Fotos aufgetaucht, meist in der Entourage seines Vaters. Aber im Gegensatz zu Kim Jong-il, der über viele Jahre zum Nachfolger seines Vaters, des Staatsgründers Kim Il-sung, aufgebaut worden war, musste der Dritte im Familienbunde in Windeseile auf seine künftige Aufgabe vorbereitet werden, nachdem Kim Jong-il einen Schlaganfall erlitten und sich nur mühsam und unvollständig erholt hatte.

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