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Kim Jong-un nach dem Gipfel : So sieht ein Sieger aus

Innerhalb von zwei Jahren wurde Kim Jong-ils dritter und jüngster Sohn beim Militär nach oben durchgereicht, in 2012 gar zum Marschall befördert. Man kann da nur spekulieren, aber in der patriarchalen Gesellschaftsordnung Nordkoreas, die zudem geprägt ist durch einen hohen Respekt vor dem Alter, dürfte das bei den altgedienten Militärs nicht gerade für Begeisterung gesorgt haben.

Doch so unscheinbar und emotional angefasst sich der junge Kim damals der Weltöffentlichkeit präsentierte (bei der Aufbahrung seines Vaters brach er im Pjöngjanger Kumsusan-Palast in Tränen aus), so rabiat und entschlossen ging er die erste Phase seiner Regentschaft an, die Phase der Machtkonsolidierung. Noch am Leichenwagen ging sein mächtiger Onkel Jang Song-thaek hinter ihm her, der bereits ein wichtiger Mitarbeiter seines Vaters gewesen war und dem man nachsagte, als möglicher Nachfolger bereit zu stehen.

Ein Schauprozess für den Onkel

Kim Jong-un brauchte zwei Jahre, um ihn spektakulär aus seiner Sitzung abführen und wenig später nach einem kurzen Schauprozess hinrichten zu lassen. Seinen älteren Halbbruder Kim Yong-nam ließ er wohl am Flughafen in Kuala Lumpur, Malaysia, mit einer Giftattacke hinrichten. Er hatte sich mehrfach negativ über das Regime seines Bruder geäußert – und galt ursprünglich einmal als Nachfolgekandidat für Kim Jong-il. Doch Kim Jong-un wollte kein Exil-Kabinett im Ausland entstehen lassen.

Er beließ es aber nicht bei diesen typischen Methoden stalinistischer Terror-Regime, sondern bot neben der Peitsche auch Zuckerbrot: „Lasst uns weiter den Fortschritt unserer Revolution beschleunigen, indem wir alle unsere Anstrengungen in den sozialistischen wirtschaftlichen Aufbau stecken“, verkündete er im April gegenüber Parteikadern und bekräftigte damit seine mehrfach getätigten Ankündigungen, den Wohlstand seiner Bevölkerung heben zu wollen.

Die Bautätigkeiten in den Städten, allen voran in Pjöngjang, aber auch in Wonsan zum Beispiel, wo ein Tourismusprojekt vorangetrieben wird, die neu entstandene Mittelklasse, die sich Handys, Restaurantbesuche und teilweise sogar Autos leisten kann, legen Zeugnis ab von den verbesserten Lebensumständen. Wobei: Wer übers platte Land reist, erkennt, wie weit weg Nordkorea noch von Glitzermetropolen wie Singapur oder auch nur Dandong an der Grenze zwischen China und Nordkorea am Fluss Yalu ist.

Kim weiß, die Entwicklung seines Landes hat Grenzen, zumindest dann, wenn es ihm nicht gelingt, die Sanktionen loszuwerden und den internationalen Handel wieder anzukurbeln. Nordkorea verfügt über große Rohstoffvorkommen und eine erst recht im Vergleich zu anderen Entwicklungsländern hervorragend ausgebildete Bevölkerung – was daran liegt, dass Nordkorea einst ein Industriestaat war. Im Inneren hat der Diktator in den vergangenen Jahren vorsichtige marktwirtschaftliche Anreize gesetzt, zum Beispiel dürfen landwirtschaftliche Kooperativen einen Teil der Ernte behalten. Das ist noch keine Revolution, aber ein großer Schritt für ein Regime, das in der Vergangenheit mehrfach zurückgerudert war, weil sich plötzlich entfesselte marktwirtschaftliche Kräfte nicht mehr im Sinne der Regierung kontrollieren ließen.

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