https://www.faz.net/-gpf-9njbj

Rede in Harvard : So reagieren die Medien auf Merkels Auftritt

  • -Aktualisiert am

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am Donnerstag in der Harvard-Universität. Bild: AP

In den Vereinigten Staaten wird Angela Merkel für ihre kaum versteckte Kritik an Donald Trump gefeiert – ohne dass sie ihn dafür beim Namen nennen musste.

          1 Min.

          In einer Sache sind sich viele Zeitungen und Fernsehsender in den Vereinigten Staaten nach Angela Merkels Harvard-Rede einig: Die Kritik der Kanzlerin an Trump war kaum versteckt.

          Bloomberg schrieb, Merkel habe eine „forensische Analyse von Trumps Präsidentschaft“ geliefert. Die Aufforderung der Bundeskanzlerin, „Mauern der Ignoranz und Engstirnigkeit“ einzureißen, wurde als direkte Anspielung auf Trumps Wahlkampf-Spruch „Baut die Mauer!“ verstanden.

          Die Zeitung „The Boston Globe“ nannte die Rede eine „scharfe und nicht sehr versteckte Zurechtweisung“ Trumps. Von der „pointiertesten Kritik“ der Trump-Politik schrieb auch das „Wall Street Journal“. Ähnlich titelte auch die „New York Times“: „Merkel weist Trumps Weltbild zurück“.

          Dem rechtskonservativen Fernsehsender „Fox News“, von vielen als Sprachrohr des amerikanischen Präsidenten gesehen, war Merkels Rede nur eine kurze Zusammenfassung wert.

          Die „Deutsche Welle“ kommentierte, Merkels Hauptthema sei gewesen, dass nichts für immer gleich bleibe. Das gelte auch für die transatlantischen Beziehungen, für die sie kein flammendes Plädoyer gehalten habe.

          Auch in den deutschen Medien erhielt Merkel viel Anerkennung, einen „weltoffenen Abschiedsgruß“ nannte „Zeit Online“ ihre Rede. Ein „ungewohnt philosophischer“ Auftritt sei es gewesen, bemerkte die „Welt“.

          Die „Süddeutsche Zeitung“ vermutete, dass Merkel zwar nicht bei Trump, dafür aber „bei den denkenden Kreisen des politischen Establishments in Amerikas Hauptstadt“ Eindruck hinterlassen hätte, und zwar bei Republikanern und Demokraten. Es sei auch zu kurz gegriffen, diese grundsätzliche Rede nur als Spitze gegen Trump zu verstehen.

          Die „Bild“ schrieb in Anspielung auf die Begeisterung in den Vereinigten Staaten von „Merkelmania“ – die Veranstalter in Harvard hätten Merkel wie eine Legende gefeiert, „Spiegel Online“ verglich die Reaktionen mit denen auf einen „Popstar“.

          Vor ihrer Rede wurde Merkel für die Umsetzung von Mindestlohn, Ehe für alle und Atomausstieg gewürdigt. Auf Twitter wurde von vielen kritisch darauf hingewiesen, dass dies ursprünglich keine Ideen Merkels gewesen seien. Merkel wurde auch vorgeworfen, zwar das Abreißen von Mauern zu fordern, mit ihrer Flüchtlingspolitik aber selbst Mauern aufgebaut zu haben.

          Von amerikanischen Politikern wurden bisher kaum Reaktionen öffentlich. Das Spitzenpersonal der Demokraten äußerte sich nicht zur Rede und auch der sonst so mitteilungsfreudige Donald Trump hielt sich zurück.

          Weitere Themen

          Joe Biden will sich äußern Video-Seite öffnen

          Fall Khashoggi : Joe Biden will sich äußern

          Präsident Joe Biden will sich am Anfang der Woche zu den neuesten Entwicklungen im Fall des ermordeten saudischen Journalisten Jamal Khashoggi im Jahr 2018 äußern. Dabei werde es um den Umgang mit Saudi-Arabien im Allgemeinen gehen.

          Topmeldungen

          Menschen gehen am Sonntag bei Sonnenschein am Rheinufer in Düsseldorf spazieren.

          Vor Beratungen : Öffnen beim Anblick der dritten Welle?

          Deutschland steht vor einer neuen Pandemie-Welle. Die Politik sucht eine Gratwanderung zwischen Vorsicht und Lockerungen. Sind regionale Strategien und Schnelltests die Lösung?
          Einer Ärztin wird am Freitag in der Hauptstadt von Paraguay der russische Impfstoff Sputnik V verabreicht.

          Sputnik V : Einer der gefragtesten Impfstoffe der Welt

          Allein vergangene Woche haben fünf weitere Länder Russlands Corona-Impfstoff zugelassen. Auch ein EU-Land hat das Vakzin schon registriert. War die Skepsis des Westens unangebracht?
          Am Boden und vor dem Absturz: Schalke 04 zerstört sich selbst.

          Selbstzerstörung in Bundesliga : Vergifteter Boden bei Schalke 04

          Die Rauswurforgie ist die jüngste Wendung einer sagenhaften Geschichte der Selbstzerstörung. Dass drei Spieler, die erst kurz im Klub sind, so etwas anzetteln können, zeigt, wie kontaminiert die Schalker Erde ist.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.