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Skripal-Kommentar : Gezielte Verwirrung

Wenn Moskau wirklich an der Aufklärung des Falles Skripal interessiert wäre, könnte es durch Kooperation rasch zu seiner eigenen Entlastung beitragen. Stattdessen setzt Russland auf eine andere Strategie.

          Die Feststellung, dass britische Labore die russische Herkunft des beim Anschlag von Salisbury verwendeten Nervengifts nicht nachweisen können, ändert nichts an der Sachlage in diesem Fall. Sie ist nicht einmal eine echte Neuigkeit, denn ohne Vergleichsproben aus anderen Laboren kann das Herstellungslabor nicht bestimmt werden.

          Mit anderen Worten: Wenn Moskau unschuldig und wirklich an der Aufklärung des Falles Skripal interessiert wäre, könnte es durch vollständige Kooperation rasch zu seiner eigenen Entlastung beitragen. Stattdessen verbreitet die russische Führung in schneller Folge Halbwahrheiten und Insinuationen, die offensichtlich nur ein Ziel haben: Verwirrung zu stiften.

          Moskaus Behauptung, es besitze nichts mehr von dem in der Sowjetunion entwickelten Gift Nowitschok, ist vollkommen unglaubwürdig. Für sich genommen, würde der Besitz kleiner Mengen des Gifts nicht gegen die Übereinkunft zum Verbot chemischer Waffen verstoßen und auch nicht von bösen Absichten zeugen: Denn man benötigt es auch, wenn man erforschen will, wie mögliche Angriffe mit dem Gift abgewehrt werden können.

          Besäße Russland tatsächlich überhaupt nichts mehr von Nowitschok, müsste sich die Moskauer Führung eine geradezu sträfliche Vernachlässigung der Sicherheit ihres Landes vorwerfen lassen. Freilich muss sich auch die britische Regierung im Fall Skripal kritische Fragen gefallen lassen. Markige Worte ersetzen nicht eine sachliche Information der Öffentlichkeit. Außenminister Boris Johnson aber erweist sich ein weiteres Mal als jemand, dem scharfe Formulierungen mehr liegen als sachliche Korrektheit.

          Reinhard Veser

          Redakteur in der Politik.

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