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Skandal in Slowenien : Die Rache der missbrauchten Hunde

  • -Aktualisiert am

Pahor und auch Innenministerin Katarina Kresal müssen sich unangenehmen Fragen stellen Bild: AP

Ein bizarrer Skandal um den Tod eines transsexuellen Prominentenarztes erschüttert Slowenien. Saso Baricevic wurde Anfang Februar in Ljubljana von seinen beiden Kampfhunden zerfleischt. Nun steht auch der slowenische Ministerpräsident Borut Pahor unter massiven Druck.

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          Das Polizeifoto könnte aus einem Horror-Pornofilm stammen. Es zeigt den blutüberströmten und nackten Leichnam des slowenischen Prominentenarztes Saso Baricevic, der am 2. Februar in Laibach (Ljubljana) von seinen beiden Kampfhunden Atlas und Joy zerfleischt worden ist. Die Leiche liegt rücklings auf dem Klinkerfußboden einer Garage, umgeben von blutbefleckten Tüchern, einem blau-weiß gestreiften Bademantel und einem Umschnalldildo.

          Doktor Saso Baricevic war ein Transsexueller. Die Tochter einer Fernsehregisseurin und eines angesehenen Dermatologen hatte sich nach dem Medizinstudium einer Hormontherapie unterzogen und Geschlecht und Namen gewechselt. Ein chirurgischer Eingriff wurde nicht durchgeführt, auch das ist auf dem Foto zu erkennen.

          Generalstaatsanwältin muss sich erklären

          Wie es an die Boulevard-Presse gelangen konnte, ist Gegenstand staatsanwaltlicher Ermittlungen. Deren Verlauf könnte die slowenische Generalstaatsanwältin Barbara Brezigar das Amt kosten - falls der slowenische Ministerpräsident Borut Pahor dem massiven Druck von Innenministerin Katarina Kresal und Justizminister Ales Zalar von der kleinen Liberaldemokratischen Partei (LDS) nachgeben sollte.

          Der slowenische Ministerpräsident Borut Pahor
          Der slowenische Ministerpräsident Borut Pahor : Bild: dpa

          Frau Brezigar blickt auf eine tadellose dreißigjährige Tätigkeit als öffentliche Anklägerin zurück. 2002 war sie bei der Präsidentenwahl die Kandidatin der Konservativen, seit 2005 ist sie Generalstaatsanwältin. Die linke, aus der kommunistischen Partei hervorgegangene LDS wirft ihr vor, sich rechtswidrig in die Ermittlungen eingeschaltet zu haben. Frau Brezigar bestreitet das: Es sei ihre Pflicht, argumentiert sie, sich in solchen Fällen zu informieren und zu garantieren, dass die nötigen Ermittlungen auch tatsächlich durchgeführt würden.

          Auffällig viele Zufälle

          Die Generalstaatsanwältin hat Gründe, sich in diesem Fall, in dem es auffällig viele Zufälle gibt, Sorgen um die Professionalität und Unparteilichkeit der Ermittlungen zu machen. Das begann schon damit, dass - so behauptet jedenfalls die slowenische Opposition - der Polizeikommissar nach der Entdeckung des Leichnams nicht etwa zuerst die Staatsanwaltschaft und den Untersuchungsrichter verständigt haben soll, sondern Miro Senica, den prominenten Anwalt des getöteten Arztes, der - zufällig - auch der Lebensgefährte der liberaldemokratischen Innenministerin Katarina Kresal ist.

          Senica hatte für Baricevic die rechtswidrige Rückgabe der beiden Bullmastiffs aus einem Tierheim erwirkt, deren Einschläferung angeordnet worden war, weil sie mehrmals Personen angefallen und schwer verletzt hatten. Der Fachmann, der vor Gericht im Gegensatz zum Veterinäramt die Rückgabe der Kampfhunde an ihren Eigentümer für unbedenklich erklärte, ist zufällig ein Onkel der Innenministerin. Der Richter, der sich diese Auffassung zu eigen machte, ist zufällig ein Bruder des Justizministers Ales Zalar.

          Tierärzte vermuten Missbrauch

          Dass ein Plastik-Phallus mit Gürtel neben der Leiche gefunden wurde, dürften die ermittelnden Polizeibeamten damals entweder für normal oder ebenfalls für einen reinen Zufall gehalten haben. Erst das Veterinäramt erstattete Anzeige gegen Unbekannt wegen sexuellen Missbrauchs der beiden Bullmastiffs, als an ihren Kadavern dafür typische Verletzungen festgestellt wurden. Die Tierärzte nehmen an, dass die Hunde seit langem und möglicherweise von mehreren Personen missbraucht wurden.

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