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Vertrauen in Regierung sinkt : Warnsignale aus dem Irak

Basra im September: Demonstranten wollen den Sitz des Gouverneurs stürmen. Bild: dpa

Auch fünf Monate nach der Parlamentswahl im Irak brechen immer wieder Unruhen im Land aus. Das Vertrauen in die Regierung sinkt beträchtlich, während der Argwohn gegenüber dem Nachbar Iran steigt.

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          Der Irak bleibt unverändert instabil. In Bagdad hat es nach der Parlamentswahl fünf Monate gedauert, bis sich die Bildung einer neuen Regierung abzeichnet, und im Land brechen immer wieder Unruhen aus. In Basra, das seit Wochen von gewaltsamen Protesten erschüttert wird, haben die Vereinigten Staaten ihr Konsulat vorübergehend geschlossen. Grund waren Angriffe und Drohungen, als deren Urheber Außenminister Mike Pompeo Iran ausgemacht hat. Teheran hat die Vorwürfe zurückgewiesen, schließlich sei das iranische Konsulat in Basra selbst das Ziel von Angriffen gewesen. Aufgebrachte Iraker, die gegen die Vernachlässigung ihrer Stadt und gegen Irans Einfluss demonstrierten, hatten im September das Konsulat sowie irakische Regierungsgebäude und Parteibüros in Brand gesteckt.

          Christian Meier
          Politischer Korrespondent für den Nahen Osten und Nordostafrika.

          Der irakische Demoskop Munqith Dagher sieht in den Unruhen in Basra ein Warnsignal beziehungsweise eine „rote Flagge“, wie er bei einem Redaktionsbesuch in dieser Zeitung erläutert hat. Dagher, der bedeutendste Meinungsforscher des Landes, verfügt über ein auch im zeitlichen Längsschnitt einmaliges Korpus: Er und sein Team vom Institut IIACSS, das mit dem Meinungsforschungsinstitut Gallup zusammenarbeitet, erfragen seit 2003 regelmäßig die Einstellungen der Iraker. Begonnen haben sie damit kurz nach der amerikanischen Invasion, seither kamen mehr als zwei Millionen Interviews zusammen.

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