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Abgesetzter Präsident : Mugabe bekommt angeblich Millionen-Apanage

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Fallen weich: Zimbabwes ehemaliger Präsident Robert Mugabe mit seiner Frau Grace. Bild: Reuters

In 37 Jahren als Präsident hat Robert Mugabe Zimbabwe zu einem der ärmsten Länder der Welt heruntergewirtschaftet. Nach seiner Absetzung soll er straffrei bleiben und erhält auch noch eine großzügige Abfindung.

          Robert Mugabe wird offenbar auch nach seiner Absetzung als Präsident Zimbabwes weiterhin einen luxuriösen Lebensstil pflegen können. Die britische Zeitung „Guardian“ berichtete am Sonntag, die Führung der Regierungspartei Zanu-PF habe sich mit dem Diktator vor dessen offizieller Absetzung auf einen „Goldenen Handschlag“ geeinigt. Sie berief sich dabei auf führende Parteivertreter. Demzufolge erhalte Mugabe zunächst fünf Millionen Dollar. Weitere Zahlungen an den 93-Jährigen würden folgen, auch seine bisherigen Bezüge würden weiterhin ausgezahlt.

          Zuvor war Mugabe, der nach 37 Jahren Regierungszeit für schwere Menschenrechtsverletzungen, Hungersnöte und den generellen Verfall seines Landes verantwortlich ist, bereits Immunität garantiert worden. Auch seine weitverzweigten geschäftlichen Verbindungen sollen nicht angetastet werden. Mugabe war seit der Unabhängigkeit des einstigen Südrhodesiens von Großbritannien im Jahr 1980 an der Macht. Seine Herrschaft sicherte sich der einstige Nationalheld durch Wahlfälschung und brutale Gewalt gegen Oppositionelle, weiße Farmer und Journalisten.

          Das Militär hatte Mugabe in der Nacht vom 14. bis 15. November abgesetzt und die Kontrolle über das Land übernommen, nachdem der Präsident seinen Stellvertreter Emmerson Mnangagwa entlassen hatte, um seine Frau Grace zu seiner designierten Nachfolgerin zu machen. Mnangagwa hat nun das Amt des Präsidenten übernommen. Er ist 75 Jahre alt und hatte Mugabe einst im Kampf gegen die Kolonialmacht kennengelernt. Später diente er Mugabe viele Jahre als Minister in verschiedenen Funktionen.

          Grace Mugabe hatte ursprünglich als Sekretärin für den Diktator gearbeitet. Der Machtdrang der 52-Jährigen stand in großem Kontrast zu ihrem Ruf bei der Bevölkerung von Zimbabwe. Dieser wurde den Mugabes letztlich zum Verhängnis: Weil Grace zum Shopping rund um die Welt reiste, war sie in dem bitterarmen Land als „Gucci-Grace“ verschrien und sehr unbeliebt. Jüngst zog ihr 25 Jahre alter Sohn Bellarmine Chatunga den Volkszorn auf sich, als er bei Instagram ein Video hochlud, auf dem er 200 Dollar teuren Champagner über eine 45.000 Dollar teure Uhr kippte und ausrief, „Papi regiert das ganze Land“. Der Schritt, seine Mutter als dessen Nachfolgerin zu installieren, ging den Militärs zu weit. Nun hoffen viele Zimbabwer auf einen Wandel. Zehntausende jubelten in der Hauptstadt Harare, als Mnangagwa am Freitag seinen Amtseid ablegte. Mnangagwa versprach eine „neue Ära“, er werde für „alle Zimbabwer“ regieren. Doch auch der neue Präsident hat als Minister selbst Regimekritiker brutal unterdrückt und verfolgt.

          Oppositionelle kritisierten nun die Abmachung zwischen der Regierungspartei und dem abgesetzten Mugabe. „Wir sind nicht in einen Deal mit Mugabe eingeweiht worden und wenn es einen solchen Deal über Geld oder irgendetwas anderes gibt, dann ist das nicht verfassungsgemäß“, sagte Douglas Mwonzora, Generalsekretär der Bewegung für Demokratischen Wandel, der größten Oppositionspartei. Als zurückgetretenem Präsidenten stehe Mugabe laut der Verfassung auch keine Immunität zu, so Mwonzora.

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