https://www.faz.net/-gpf-975jy

Morgan Tsvangirai gestorben : Er gab nie auf

  • -Aktualisiert am

Vom Gewerkschaftsführer zum Ministerpräsidenten: Morgan Tsvangirai war das Gesicht der Opposition in Zimbabwe und ist nun mit 65 Jahren gestorben. Bild: dpa

Morgan Tsvangirai war jahrelang das Gesicht der Opposion in Zimbabwe. Immer wieder geriet er mit dem Regime aneinander, wurde gefoltert, geschlagen und eingeschüchtert. Nun ist er im Alter von 65 Jahren einem Krebsleiden erlegen.

          2 Min.

          Es sind turbulente Zeiten in Zimbabwe. Erst im November stürzte die herrschende Zanu-Pf den Langzeitdiktator Robert Mugabe. Nun sollen schon im Sommer Präsidentenwahlen stattfinden. Es könnten die ersten in der Geschichte eines Landes sein, das als Rhodesien lange Zeit von einer weißen Minderheit und als Zimbabwe von einer maoistischen Führungsclique geschunden wurde.

          Morgan Tsvangirai war einer derjenigen, die sich in den letzten Jahren wie kaum ein anderer für eine demokratische Erneuerung des darbenden Landes eingesetzt hatte. Er war das Gesicht der Opposition, und es ist eine besondere Tragödie, dass ausgerechnet er nicht mehr in der Lage sein wird, bei den nächsten Wahlen als Präsidentschaftskandidat anzutreten. Morgan Tsvangirai, Gründer der oppositionellen „Bewegung für Demokratischen Wandel“ (MDC), starb gestern Abend in einem Krankenhaus in Südafrika an einem Krebsleiden. Er wurde 65 Jahre alt.

          Tsvangirai stammte aus einer Arbeiterfamilie im Osten Zimbabwes. Sein Vater war Maurer. Er selbst verließ früh die Schule, um in einer Nickelmine zu arbeiten. Es dauerte nicht lange, da wurde er Gewerkschaftsführer. Er organisierte Streiks gegen geplante Steuererhöhungen. Er geriet mit der Staatsmacht aneinander. Doch er gab nie auf. Einmal drangen Schläger in sein Büro ein, schlugen ihn mit einer Metallstange nieder und versuchten ihn aus dem zehnten Stockwerk zu werfen. Immer wieder wurde er gefoltert, zusammengeschlagen und eingeschüchtert. Dennoch gründete Tsvangirai 1999 mit Mitstreitern das „Movement for Democratic Change“ (MDC), die einzige ernstzunehmende Oppositionspartei im Land.

          Bei der Präsidentenwahl Jahr 2002 kandidierte er als Spitzenkandidat. Doch es war ein Farce. Im Vorfeld der Wahlen waren über hundert Mitglieder der MDC ermordet und Morgan Tsvangirai war vor Gericht gestellt worden, weil er angeblich ein Attentat auf Mugabe geplant haben sollte. Zwar wurde Tsvangirai vom Verdacht des Hochverrats freigesprochen und entging damit einer Todesstrafe – doch der Terror nahm kein Ende. Eine Narbe an seinem Kopf zeugt von einem der vielen Überfälle auf ihn.

          Die Wahlen 2008 verliefen nicht sehr viel fairer als diejenigen zuvor. Dennoch konnte Mugabe nicht die absolute Mehrheit erringen. Unter Vermittlung des damaligen südafrikanischen Präsidenten Thabo Mbeki wurde Tsvangirai zum Ministerpräsidenten unter Robert Mugabe ernannt. Dafür wurde er auch von eigenen Parteigängern kritisiert, die ihm vorwarfen, mit dem Regime zu kollaborieren. Morgan Tsvangirai aber sah in dem Schritt eine Chance, die Macht der Zanu-PF, die Zimbabwe praktisch in einen Einparteienstaat verwandelt hatte, einzuschränken. Bei den Wahlen im Jahr 2013 verlor seine Partei allerdings massiv an Stimmen, und Tsvangirai ging in die Opposition. Seine Partei ist derzeit tief zerstritten. Diadochenkämpfe um die Nachfolge Tsvangirais brachen aus, als der Todkranke Zimbabwe verließ, um dort seine Darmkrebserkrankung behandelt zu lassen. Die Opposition hat nun nur noch wenige Monate Zeit, um sich zu sammeln und einen Nachfolger zu bestimmen.

          Weitere Themen

          Pekings Impfkampagne stockt

          Corona in China : Pekings Impfkampagne stockt

          China kommt beim Impfen deutlich langsamer voran als Amerika. Der Regierung scheint es wichtiger zu sein, ihr internationales Standing zu verbessern. Den Bürgern macht das nichts aus.

          Impfpass frühestens in drei Monaten

          EU-Gipfel zu Corona : Impfpass frühestens in drei Monaten

          Im Streit über die Reisefreiheit für Geimpfte haben sich in der EU zwei Lager gebildet. Charles Michel spricht nun von einer „wachsenden Annäherung“. Eine digitale Lösung soll es frühestens in drei Monaten geben.

          Topmeldungen

          Keine Vorverurteilungen: Georg Bätzing, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz

          Kirche und Missbrauch : Wenn Bischöfe herumdrucksen

          Welche Unbedachtheiten ist man bereit in Kauf zu nehmen, solange es gegen den Kölner Kardinal Woelki geht? Sein Amtsbruder Bätzing hält nichts davon, Woelki als Blitzableiter zu benutzen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.