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Silvio Berlusconi : Er war wieder da

Ein Aktivist am Tag nach der italienischen Parlamentswahl mit einer Berlusconi-Maske vor dem Kolosseum in Rom Bild: Reuters

Wer regiert künftig Italien? Heute hat Staatspräsident Mattarella formelle Gespräche über eine Regierungsbildung aufgenommen. Wie die ausgehen, wird wohl über das politische Schicksal des Forza-Italia-Chefs entscheiden.

          Er ist es nicht gewohnt, Zweiter zu werden. Silvio Berlusconi ist ein Gewinner-Typ, einer, der Strippen zieht und als Letzter lacht. Wie gut er dieses Spiel beherrscht, hat er im Wahlkampf gezeigt, als Dompteur des Mitte-rechts-Bündnisses, zwischen seiner Partei, Forza Italia, und den drei kleineren Partnern. Doch ausgerechnet einer dieser drei, nämlich die rechtsnationale Lega unter Matteo Salvini, zog bei der Wahl mit knapp 18 Prozent an Berlusconis Partei vorbei. Damit hatte der 81 Jahre alte Politiker nicht gerechnet. Doch dem Mailänder Unternehmer ist es nicht umsonst gelungen, ein Firmenimperium aufzubauen und vier Mal Ministerpräsident Italiens zu werden. Und so rückte Berlusconi nach der Wahl am 4. März sein maskenhaft anmutendes Lächeln zurecht und versuchte, aus seiner Niederlage das Beste herauszuholen.

          Anna-Lena Ripperger

          Redakteurin in der Politik.

          Er gab sich als fairer Verlierer, versicherte Salvini seiner Unterstützung und taktierte – durchaus mit Erfolg. Immerhin blieb das Mitte-rechts-Bündnis nach der Wahl geeint, ein Umstand, der angesichts der Fliehkräfte, die zwischen den vier Partnern wirkten, alles andere als selbstverständlich ist. Die christdemokratische Kraft Noi con l’Italia wurde von den Wählern zur Bedeutungslosigkeit verdammt. Die neofaschistischen Fratelli d’Italia wollten gerne zusammen mit der Lega regieren, notfalls auch ohne Berlusconi. Doch das Parteienbündnis blieb bestehen, auch wenn sich dessen Schwerpunkt verschob: Aus dem Mitte-rechts-Bündnis ist – mit der Lega als dominanter Partei – mittlerweile ein Rechtsbündnis geworden.

          Jetzt, mit dem Beginn der offiziellen Gespräche zur Regierungsbildung, steht das Bündnis allerdings vor einer neuen Zerreißprobe – die Silvio Berlusconi endgültig ins politische Abseits befördern könnte. Denn die Fünf Sterne, die bei der Wahl mit knapp 33 Prozent stärkste Einzelkraft geworden waren, schlossen eine Zusammenarbeit mit Berlusconis Forza Italia schon im Vorhinein aus. Luigi di Maio, Chef der Fünf-Sterne-Bewegung, stellte Lega-Chef Salvini am Dienstagabend in einem Fernsehinterview vor die Wahl: entweder „Berlusconi den Rücken kehren und Italien verändern“ oder „bei Berlusconi bleiben und nichts verändern“.

          Bündnis mit Berlusconi wird ausgeschlossen

          Mit dieser klaren Distanzierung von dem ehemaligen Ministerpräsidenten schärft di Maio das Profil seiner Partei, deren Energie sich von Beginn an aus dem Protest gegen das politische Establishment Italiens speiste. Die „Kaste“, wie die Fünf Sterne Politiker anderer Parteien gerne nennen, sei korrupt und vor allem an ihren hohen Gehältern interessiert, nicht am Wohl Italiens, so der Vorwurf. Sich selbst stellen die Fünf Sterne hingegen gern als Saubermänner der italienischen Politik dar. Ein Bündnis mit dem wegen Steuerhinterziehung rechtskräftig verurteilten Berlusconi müssen sie deshalb ihren Wählern gegenüber ausdrücklich ausschließen – selbst, wenn es am Ende vielleicht anders kommt.

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