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Silvio Berlusconi : Als schützte ihn eine Schicht Teflon

Silvio Berlusconi ist trotz seiner unzähligen Fehltritte politisch unangefochten Bild: REUTERS

Italiens Ministerpräsident leistet sich in seiner vierten Amtszeit fast wöchentlich neue Patzer. Dennoch ist Silvio Berlusconi in Italien politisch nahezu völlig unangefochten. Selbst die gehässigsten Kritiker sind am Ende seine Verbündeten.

          5 Min.

          Die Liste seiner Fehltritte ist schon unendlich lang, doch fast wöchentlich liefert der italienische Ministerpräsident Silvio Berlusconi neue misslungene Witze, rhetorische Patzer und Verstöße gegen die Etikette. Da waren der laute Zuruf an den amerikanischen Präsidenten beim G-20-Gipfel in London Anfang April (“Mister Obamaaaa!“), das Telefonat während des Gruppenfotos für den Nato-Gipfel, die Streifzüge durch Diskotheken. Sein Lebensstil stelle eine Beleidigung für den guten Ruf einer rechtschaffenen Ehefrau dar, begründete Ehefrau Veronica jüngst ihren Wunsch, sich scheiden zu lassen; da war ihr Gatte gerade auf der Geburtstagsfeier einer 18 Jahre jungen Neapolitanerin erschienen, die ihn, wie alsdann zu erfahren war, vertraut „Papa“ nennt. Entsprechend öffentlichkeitswirksam spielt sich nun die Scheidung ab.

          Tobias Piller

          Wirtschaftskorrespondent für Italien und Griechenland mit Sitz in Rom.

          Der Beliebtheit Berlusconis tut all das keinen Abbruch - auch wenn die Zustimmungsquote von 75 Prozent, die sich Berlusconi stolz zuschreibt, aus hausgemachten Meinungsumfragen stammt. Doch sogar die Gegner billigen dem Ministerpräsidenten zu, dass deutlich mehr als die Hälfte der italienischen Wähler seine Regierungsarbeit gutheiße. Im Moment scheint alle Kritik an dem 72 Jahre alten „Cavaliere“ abzuprallen, als schützte ihn eine Schicht Teflon. Dabei hat der Eifer früherer Amtszeiten einer bloßen Taktiererei Platz gemacht. 1994, in seiner ersten Amtsperiode als Ministerpräsident, hatte Berlusconi noch versucht, Italiens wirtschaftliche Probleme im Hauruck-Verfahren zu lösen, und damit heftige Proteste hervorgerufen. Daraus hat Berlusconi gelernt. Während seine Gegner im jüngsten Wahlkampf Barack Obamas „Yes we can“ ins Italienische übertrugen, versprach Berlusconi recht wenig: Von mehr Sicherheit für die Bürger war die Rede, die staatliche Fluggesellschaft Alitalia wollte er retten, Neapel vom Müll befreien. Alitalia fliegt nun als private Aktiengesellschaft, nachdem viel Geld aus dem Staatshaushalt für die Forderungen der Gewerkschaften zur Verfügung gestellt wurde, und in Neapel ist der Müll von den Straßen verschwunden.

          Seit 15 Jahren allgegenwärtig

          Grundsätzliche Reformen anzupacken, hat Berlusconi seit der Vereidigung seiner offiziell vierten Regierung im Mai 2008 nicht gewagt. In der Krise dürfe man nicht zusätzliche Unsicherheit schaffen, indem man Renten- oder Arbeitsrechtsreformen ankündige, rechtfertigt Sozialminister Maurizio Sacconi das zögerliche Vorgehen der Regierung. Vielleicht hätte es Berlusconi doch noch geschadet - der Bonus des Machers, der ihm als erfolgreichem Unternehmer stets zugutekam, nutzte sich seit etwa Anfang des Jahres ab. Doch dann bot das Erdbeben in den Abruzzen am 6. April Berlusconi die Gelegenheit, wieder einmal eine zupackende Präsenz zu zeigen, mit dem besonderen Coup, den G-8-Gipfel im Juli von Sardinien ins Erdbebengebiet von L'Aquila zu verlegen.

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