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Sicherheitskonferenz : Amerika und Iran an einem Tisch

Nur der Auftakt war öffentlich, dann ging es hinter verschlossenen Türen zur Sache Bild: AP

Hinter verschlossenen Türen lieferten sich die Delegationen Amerikas und Irans einen heftigen Schlagabtausch. Immerhin hat die Konferenz die Eiszeit zwischen beiden Staaten beendet, wenn auch bei weiter frostigen Temperaturen.

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          Die Begrüßung war freundlich, aber hinter verschlossenen Türen lieferten sich die Delegationen der Vereinigten Staaten und Irans einen heftigen Schlagabtausch. Immerhin sprachen Vertreter der beiden Länder zum ersten Mal seit dem Beginn des Irak-Kriegs direkt miteinander. Auf Farsi hatte Zalmay Khalilzad, der amerikanische Botschafter in Bagdad, den Chef der iranischen Delegation, den stellvertretenden Außenminister Abbas Aragchi, begrüßt.

          Rainer Hermann

          Redakteur in der Politik.

          Als die 16 Delegationen die Öffentlichkeit ausschlossen, zeigte der amerikanische Delegationsleiter Satterfield auf seine Aktentasche und sagte, darin befänden sich hinreichend Beweise dafür, dass Iran schiitische Milizen im Irak mit Waffen versorge. Das ließ Aragchi nicht auf sich sitzen und warf dem erfahrenen Nahost-Diplomaten aus dem State Department vor, die amerikanischen Anschuldigungen dienten nur dazu, das Scheitern Washingtons im Irak zu kaschieren.

          Nur „in Anwesenheit anderer“ habe man geredet

          Bei der Konferenz wurde der Graben zwischen Amerika und Iran nicht überbrückt. Teheran beharrt auf der Position, dass es im Irak vor einem Rückzug der amerikanischen Truppen keine Stabilität geben könne. Die Amerikaner dienten den Terrorgruppen als Vorwand, wie ein Magnet zögen sie Terroristen an, sagte Aragchi. Er forderte daher abermals einen Zeitplan für den Rückzug der Besatzungstruppen. Iran sei indes bereit, dem Irak alle Hilfe zu geben, die das Land brauche, fuhr er fort.

          Der Meinungsaustausch sei „konstruktiv und geschäftsmäßig“ gewesen, sagte der amerikanische Botschafter Khalilzad. „Direkt und in Anwesenheit anderer“ habe man miteinander geredet. Als gutes Zeichen wertete er, dass Iran und Syrien sich verpflichtet hätten, für einen stabilen Irak zu arbeiten und zur Versöhnung der Gruppen im Irak beizutragen.

          Es sei ein „gutes Treffen“ gewesen und ein „erster Schritt“, so Khalilzad. Auch die iranische Delegation lobte die Gespräche: Sie seien „sehr effizient“ gewesen. Doch hob Delegationsleiter Aragchi ähnlich wie Khalilzad hervor, gesprochen habe man mit den Amerikanern nur in Anwesenheit der anderen Delegationen.

          Sie erkannten, dass sie aufeinander angewiesen sind

          Sowohl Washington wie Teheran hatten lange kategorisch direkte Gespräche abgelehnt. Vor dem Irak-Krieg hatten sie indes zur Befriedung Afghanistans im beiderseitigen Interesse miteinander kooperiert. Washington und Teheran waren in den späten neunziger Jahren in der Arbeitsgruppe vertreten, die das Regime der Taliban unter die Lupe genommen hatte.

          Nach deren Sturz waren beide an der Schaffung der neuen Regierung Karzai beteiligt. In New York hatten im Jahr 2000 Kongressmitglieder mit dem damaligen iranischen Parlamentssprecher Karrubi gesprochen.

          Zu der Konferenz in Bagdad willigten beide Staaten ein, weil sie erkannten, dass sie aufeinander angewiesen sind. Washington kann nur mit Unterstützung Irans wirkungsvoll gegen die schiitischen Milizen vorgehen; Teheran fürchtet die sunnitischen Aufständischen im Irak, die nur mit amerikanischer Hilfe besiegt werden können. Vor allem ist Iran daran interessiert, dass im Rahmen des politischen Prozesses die Macht der schiitischen Mehrheit konsolidiert wird.

          Folgetreffen auf der Ebene von Außenminister

          Khalilzad warnte wie zuvor der irakische Ministerpräsident Maliki, dass die Stabilität der gesamten Region gefährdet sei, sollten die „inneren Konflikte des Iraks“ nicht gelöst werden. Alle Nachbarn sollten sich daher daran beteiligen, das Feuer zu löschen. Nur über den Irak habe man gesprochen, unterstrich Khalilzad.

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