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Trump in Japan : Treffen sich zwei Freunde auf dem Golfplatz

Die Kunst des Händeschüttelns: Trump und Abe in Tokio. Bild: dpa

Abe erwartet von Trump ein klares Bekenntnis zur Verteidigungsallianz und einen harten Kurs gegenüber Nordkorea. Ansonsten demonstrieren beide National-Konservative eine besonders gute Beziehung.

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          Donald und Shinzo machen die Allianz noch stärker – das stand auf den weißen Golfkappen, die der amerikanische Präsident Donald Trump und der japanische Ministerpräsident Shinzo Abe am Sonntag vor einer gemeinsamen Runde Golf signierten. Der Spruch wirkt als Erinnerung an Trumps Wahlkampfslogan etwas ungelenk, aber er macht unmissverständlich klar, was Abe von dem ersten Besuch Trumps in Japan erwartet: ein unmissverständliches Bekenntnis zur Verteidigungsallianz mit Japan und zum harten Kurs gegenüber Nordkorea sowie die Hoffnung, dass Trump die Unbill der Handelspolitik weitestgehend ruhen lässt.

          Patrick Welter

          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Zielstrebig hat Abe dazu eine persönliche Beziehung zu Trump aufgebaut und die Golfdiplomatie war von Anfang an dabei. Eilig besuchte Abe als erster ausländischer Regierungschef den frisch gewählten Präsidenten schon im November 2016 nur wenig Tage nach der Wahl und brachte als Gastgeschenk einen Golfschläger mit. Im Februar revanchierte Trump sich mit einer Runde Golf in Mar-a-Lago, nun lud Abe zum Spiel auf dem Golfplatz in der Nähe von Tokio, auf dem 2020 auch um Olympisches Gold gespielt wird. Der Japaner weiß dabei, wie er den Gast umgarnt. Als Mitspieler hatte er Hideki Matsuyama dazu gebeten, einen Profi in der amerikanischen PGA-Tour. „Zwei wunderbare Menschen“, twitterte Trump. Abe schwärmte auf Twitter von einem „wundervollen Freund“. Mit solchen Gesten hat Abe eine enge Beziehung zu Trump aufgebaut, die angesichts der vielen Vorbehalte gegen Trump etwa in Europa wohl einzigartig ist. Abe ist der Telefonkumpel Trumps. Seit Amtsantritt des Amerikaners haben die beiden schon 16 Mal miteinander telefoniert, öfter als Abe in den vier Jahren vor Trump mit Barack Obama sprach. Zum fünften Mal treffen sich Abe und Trump an diesem Montag schon zum bilateralen Gespräch.

          Die Vielzahl der Kontakte ergibt sich zum Teil aus der veränderten Weltlage einer größeren Bedrohung durch das Atom- und Raketenprogramm Nordkoreas. Dennoch ist die Abe-Trump-Beziehung besonders. Trump etwa spricht weitaus seltener mit Koreas Präsident Moon Jae-in. Zu der Diskrepanz trägt bei, dass Abe in Sachen Nordkorea Trump in seiner harten Haltung noch bekräftigt und daran erinnert, dass das Regime in Pjöngjang frühere Phasen der Diplomatie nutzte, um heimlich das Atomprogramm voranzutreiben. Moon dagegen geht zu Trump auch auf Distanz, sendet Pjöngjang das Signal eines möglichen Dialogs und beharrt auf einem Vetorecht Seouls vor einem kriegerischen Einsatz auf der Halbinsel. Die Männerfreundschaft zwischen Abe und Trump gründet nach Aussagen von Diplomaten aber auch in einer besonderen Chemie zwischen den beiden. Die intellektuelle Kühle Obamas war Abes Sache nicht. Mit der schulterklopfenden Diplomatie Trumps kann er sich eher anfreunden. Dabei mag helfen, dass beide eingefleischte National-Konservative sind.

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          „Ich denke, ich werde alle kränken, in dem ich weiter über Handel spreche“, sagte Trump halb scherzhaft vor dem informellen Abendessen mit Ehefrauen am Sonntagabend in einem feinen Restaurant in Tokios Ginza-Bezirk. Die Handelspolitik ist eines der größten Spannungsfelder zwischen beiden, weil Trump das amerikanische Handelsbilanzdefizit mit Japan stört und er zum Ärger Abes die Mitgliedschaft im multinationalen Transpazifischen Handelspakt TPP aufkündigte. Geschickt aber hat Abe einen wirtschaftlichen Dialog zwischen Amerika und Japan angeschoben, der in der Obhut von Vizepräsident Michael Pence und Japans Finanzminister Taro Aso liegt. Damit ist der Handelsstreit ein wenig der Unberechenbarkeit des Präsidenten entzogen.

          Mit der engen Kontaktsuche stellt Abe sich in Gegensatz zur japanischen Bevölkerung, die in den amerikanischen Präsidenten wenig Vertrauen hat. In einer Umfrage des amerikanischen Pew-Instituts aus dem Frühjahr glauben nur 24 Prozent der Japaner, dass Trump in der internationalen Politik die richtigen Entscheidungen treffen werde. Das steht im krassen Gegensatz zu den 78 Prozent, die ein Jahr zuvor Vertrauen in die internationalen Führungsqualitäten Obamas hatten. Als arrogant, intolerant und gefährlich sieht nach der Umfrage die Mehrheit der Japaner Trump. Abe, dessen Koalition gerade die Unterhauswahl gewonnen hat, hat die Freundschaft zu Trump in Japan aber offenbar noch nicht geschadet.

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