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Shakil Afridi : Held oder Hochverräter?

Bewacht: die Bin-Ladin-Villa Bild: AFP

Shakil Afridi half dem amerikanischen Geheimdienst, Usama Bin Ladin in Pakistan ausfindig zu machen. Damit ist der Arzt zum neuen Spielball im zerrütteten Verhältnis zwischen den Vereinigten Staaten und Pakistan geworden.

          2 Min.

          Was darf ein Mann erwarten, der sein Leben für das Ziel eingesetzt hat, Usama Bin Ladin aus dem Verkehr zu ziehen? Die amerikanische Staatsbürgerschaft, mindestens aber die Freiheit, heißt es in den Vereinigten Staaten. Den Tod, heißt es in Pakistan.

          Jochen Buchsteiner

          Politischer Korrespondent in London.

          Der Fall Shakil Afridi ist zum neuen Spielball im zerrütteten Verhältnis zwischen den Vereinigten Staaten und Pakistan geworden. Der Arzt aus Peshawar hatte dem amerikanischen Geheimdienst wertvolle Unterstützung beim Verifizieren des Terroristen-Unterschlupfs in Abbottabad geleistet. In den sechs Wochen vor dem Zugriff des amerikanischen Elitekommandos inszenierte Afridi eine Polio-Impf-Kampagne in Bilal Town, jenem Viertel, in dem der Chef von Al Qaida vermutet wurde. Afridis Auftrag war es, über heimlich genommene DNA-Proben Aufschluss über das unmittelbare Umfeld des Chefterroristen zu gewinnen. Er erhielt sogar Zugang zum Aufenthaltsort Bin Ladins, nicht aber zu dessen Familienmitgliedern.

          Vorwurf: Zusammenarbeit mit ausländischem Geheimdienst

          Keine drei Wochen nach dem Tod des Al-Qaida-Gründers tauchten Sicherheitskräfte in Afridis Haus auf und nahmen ihn fest. Der Vorwurf lautete: Zusammenarbeit mit einem ausländischen Geheimdienst. Wenig später gestand Afridi seine Operation vor den Mitgliedern der „Abbottabad-Kommission“, die das Parlament in Islamabad elf Tage nach dem - für Pakistan peinlichen - Einsatz der Navy Seals eingerichtet hatte. Demnächst soll der Kommissionsbericht über die Hintergründe der Nacht von Abbottabad öffentlich gemacht werden.

          Schon im vergangenen Jahr hatte sich die amerikanische Außenministerin Hillary Clinton beim pakistanischen Präsidenten Asif Zardari für die Freilassung Afridis eingesetzt; vergebens. Vor zehn Tagen unternahm der amerikanische Verteidigungsminister Panetta einen weiteren Versuch und forderte die Regierung in Pakistan in einem Fernsehinterview auf, Afridi auf freien Fuß zu setzen. Zugleich bestätigte Panetta, der im vergangenen Mai noch die CIA geleitet hatte, dass Afridi für den amerikanischen Geheimdienst tätig und für die Operation in Abbottabad „sehr hilfreich“ gewesen sei.

          Rache an der CIA?

          Auch Panettas Vorstoß scheint ins Leere gelaufen zu sein. Am Mittwoch berichten pakistanische Zeitungen, dass sich die Führung in Islamabad gegen eine Freilassung entschieden habe. Vorausgegangen seien ausführliche Beratungen, auch mit dem Militär. Insbesondere die „Abbottabad-Kommission“ habe sich dagegen ausgesprochen hieß es mit Verweis auf hohe Sicherheitsquellen. In diesem Zuge wurde auch bekannt, dass die Anklage verschärft werden soll. Afridi droht nun ein Verfahren wegen Hochverrats und damit die Todesstrafe, hieß es.

          Als Hintergrund der Eskalation wird vermutet, dass sich die Kommission an der CIA rächen will. Offenbar hat der amerikanische Geheimdienst bislang nichts zu den Untersuchungen beigesteuert; ein ausführlicher Fragebogen sei bis heute unbeantwortet, hieß es in pakistanischen Zeitungen. Wie nun eine Hochverratsklage gerechtfertig werden soll, bleibt ein Rätsel: „Die Eine-Million-Dollar-Frage lautet, wie Afridi die nationalen Interessen geschädigt haben soll, indem er beim Aufspüren des meistgesuchten Terroristen behilflich war, der den Tod von mehr als 3000 Zivilisten zu verantworten hat“, schrieb der Publizist Amir Mir am Mittwoch.

          Einige Kongress-abgeordnete haben inzwischen eine Vorlage eingebracht, der zufolge Afridi die amerikanische Staatsbürgerschaft verliehen werden soll. „Amerika lässt seine Freunde nicht fallen“, begründete der Abgeordnete Rep Rohrabacher die Initiative im Repräsentantenhaus. Ob Afridi eine solche Einbürgerung helfen würde, ist allerdings ungewiss. Seine Ehefrau, eine gebürtige Pakistanerin, ist schon länger amerikanische Staatsbürgerin. Von ihr und den Kindern fehle seit Monaten jede Spur, vertrauten Afridis Freunde pakistanischen Journalisten an.

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