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Serienmörder von Toulouse : Tod eines Terrorreisenden

Mohamed Merah: „Höflicher und netter Junge mit einer fragilen Persönlichkeitsstruktur“ - so beschrieb ihn sein Anwalt in früheren Verfahren vor Gericht Bild: dpa

„Salafistischer Autodidakt“, so beschreibt die französische Staatsanwaltschaft den mehrfachen Mörder von Toulouse. Mohamed Merah hatte sich wiederholt auf eigene Faust ins afghanisch-pakistanische Grenzgebiet aufgemacht. Der Geheimdienst wusste das. Sein Weg weckt böse Erinnerungen.

          An Vorzeichen hatte es nicht gefehlt. 15 Mal wurde Mohamed Merah wegen Diebstahls und Betrugs vor das Jugendgericht von Toulouse geladen, noch bevor er volljährig war. Der Pariser Staatsanwalt François Molins spricht von „frühen Verhaltensstörungen“, die im Einklang mit der „extremen Gewalt“ ständen, die er später entwickelte.

          Michaela Wiegel

          Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.

          Am 10. Oktober 1988 in der Cité du Mirail in Toulouse geboren, wuchs Mohamed im Sozialbauviertel Les Izards ohne Vater auf. Für seine Erziehung waren die beiden großen Schwestern zuständig, seine aus Algerien stammende Mutter galt bei den sozialen Dienststellen als überfordert. Auch der ältere Bruder von Mohamed, Abdelkader Merah, glitt als Jugendlicher in die Kriminalität ab. Nur der jüngste Bruder der fünf Kinder zählenden Familie soll nach Angaben des Innenministers bislang nicht in Konflikt mit der Justiz geraten sein.

          Der Anwalt Christian Etelin, der Mohamed Merah seit dessen 14. Lebensjahr ein Dutzend Mal vor Gericht verteidigte, bezeichnete seinen Mandanten als „höflichen und netten Jungen mit einer fragilen Persönlichkeitsstruktur“. In seinem Sozialbauviertel habe er den Spitznamen „Robin des Beurs“ getragen, als Verteidiger der Söhne der zweiten oder dritten Einwanderergeneration aus Nordafrika gegolten, sagte Anwalt Etelin.

          Beeinflusst vom salafistischen Bruder

          Der Schulabbrecher entkam einer Jugendhaft nur, weil er in eine Ausbildung zum Karosseriebauer einwilligte. Doch 2006 und 2007, er war inzwischen voll strafmündig, häuften sich seine Straftaten, insgesamt 18 Delikte. In einer Bank entriss er einer Kundin ihre Handtasche. Dieses Mal wurde Merah wegen Diebstahls unter Gewaltanwendung zu 18 Monaten Haft ohne Bewährung verurteilt. Im Gefängnis soll sich seine islamistische Radikalisierung vollzogen haben.

          Die französischen Haftanstalten sind seit langem als bevorzugte Orte der Ausbreitung eines islamischen Integrismus bekannt. Staatspräsident Nicolas Sarkozy hat daher am Donnerstag seinen Justizminister aufgefordert, einen Maßnahmenkatalog zu erarbeiten, mit dem die Verbreitung von extremistischer Hasspropaganda in den Haftanstalten unterbunden werden kann.

          Aber auch der ältere Bruder Abdelkader, in dessen Auto die Polizei Sprengstoff sicherstellte, soll Mohamed Merah beeinflusst haben. Er ist dem französischen Geheimdienst DCRI als einer salafistischen Gruppe zugehörig bekannt und hat sich längere Zeit in Ägypten aufgehalten. 2006 und 2007 ermittelte die Antiterroreinheit des Geheimdienstes gegen die „Gruppe von Toulouse“, ein Netz, das junge Leute für den Dschihad, den Heiligen Krieg im Irak anwarb. Abdelkader Merah soll der Gruppe angehört haben.

          Zwei Mitglieder der „Gruppe von Toulouse“ wurden in Syrien festgenommen, die anderen stehen seither unter Überwachung. Ausgangspunkt für die salafistische Propaganda soll die Moschee Bellefontaine in Toulouse gewesen sein. In Frankreich wird seit langem mit Sorge die Anziehungskraft salafistischer Prediger verfolgt, deren Propaganda besonders in den von Drogenkriminalität und Arbeitslosigkeit geprägten Vorstädten zieht. Die Polizei will mögliche Verbindungen Mohamed Merahs zu der Gruppe von Toulouse überprüfen. Abdelkader Merah befindet sich seit Mittwoch in Polizeigewahrsam.

          Reisen ins afghanisch-pakistanische Grenzgebiet

          Zwei Mal soll Mohamed Merah versucht haben, in die französische Armee aufgenommen zu werden. Seine Bewerbung beim Heer wurde mit Verweis auf sein Strafregister abgelehnt. Eine Aufnahmeprüfung bei der Fremdenlegion in Toulouse brach er im Juli 2010 auf eigenen Wunsch ab. Kurze Zeit später reiste der arbeitslose junge Mann zum ersten Mal nach Afghanistan.

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