https://www.faz.net/-gpf-71jeq

Serie von Attentaten : Mehr als 100 Tote bei Anschlägen im Irak

  • Aktualisiert am

Spuren der Zerstörung in der Stadt Kirkuk Bild: REUTERS

Bei der schlimmsten Anschlagsserie seit zwei Jahren sind in Bagdad und nördlich der irakischen Hauptstadt mehr als 100 Menschen getötet worden. Zu den Angriffen bekannte sich bisher niemand.

          1 Min.

          Der Irak ist am Montag mit einer offenbar koordinierten Anschlagsserie überzogen worden. Mindestens 107 Menschen wurden nach Behördenangaben vom Nachmittag bei Bombenanschlägen und Angriffen in mehr als einem Dutzend Städten getötet. Ziel waren vor allem die Sicherheitskräfte. In der Hauptstadt Bagdad explodierten Sprengsätze unter anderem im schiitischen Stadtteil Sadr City. Mindestens 15 Soldaten wurden getötet, als Bewaffnete am frühen Morgen eine Militärbasis etwa 90 Kilometer nördlich der Hauptstadt angriffen. Es war der blutigste Tag im Irak seit mehr als zwei Jahren.

          Zunächst bekannte sich niemand zu den Anschlägen. In den irakischen Sicherheitskräften wurden radikale Islamisten als Täter vermutet. Der Anführer des irakischen Arms des Terrornetzes Al Qaida, Abu Bakr al Baghdadi, hatte erst vor wenigen Tagen eine neue Offensive angekündigt. „Al Qaida versucht die Botschaft auszusenden, dass es weiterhin stark und in der Lage ist, Zeit und Orte für Anschläge auszuwählen“, sagte der schiitische Parlamentsabgeordnete Hakim al Samili. Die Unfähigkeit, Geheimdienstinformationen über Terrorpläne zu sammeln oder diese zu stoppen, habe gezeigt, wie hilflos die Regierung sei, wenn es darum gehe, die Menschen zu schützen, sagte al Samili, der dem Sicherheits- und Verteidigungsausschuss angehört. Beobachter vermuten, dass Al Qaida die Spannungen zwischen den Bevölkerungsgruppen verschärfen will, um das Land zu destabilisieren.

          Der UN-Sondergesandte für den Irak, Martin Kobler, sieht das Land trotz der Anschlagsserie nicht auseinanderfallen. Es gebe aber „zentrifugale Tendenzen“, und es sei nicht ausgeschlossen, dass sich sunnitische Provinzen nach dem Beispiel Kurdistans für autonom erklärten, sagte er am Montag in Berlin. Kobler kritisierte, dass die nach wie vor schwierige Sicherheitslage von den dortigen Akteuren weiterhin für „politische Grabenkämpfe“ entlang ethnischer und religiöser Linien genutzt werde. Die Gewalt im Irak war im Vergleich zu den blutigen Jahren 2006 und 2007 zurückgegangen, hat aber in den vergangenen Monaten wieder zugenommen.

          Weitere Themen

          Angriff als einzige Verteidigung

          Trump in Bedrängnis : Angriff als einzige Verteidigung

          Vier Monate vor der Wahl befindet sich Donald Trump am Tiefpunkt. Statt Amerika zu versöhnen, spaltet er – selbst am traditionell unpolitischen Unabhängigkeitstag. Zu einer Korrektur ist er nicht bereit.

          Hongkonger Behörden lassen Bücher aus Bibliotheken entfernen Video-Seite öffnen

          Gefährliche Werke : Hongkonger Behörden lassen Bücher aus Bibliotheken entfernen

          Nach Verabschiedung des Sicherheitsgesetzes für Hongkong werden in der Sonderverwaltungszone pro-demokratische Bücher zensiert. Werke des jungen Aktivisten Joshua Wong oder der Politikerin Tanya Chan sind in den Bibliotheken der Stadt nicht mehr erhältlich. Medienberichten zufolge wolle Hongkongs Kulturbehörde prüfen, ob die Bücher gegen das Gesetz verstoßen.

          Topmeldungen

          Werder Bremen: Pure Freude

          Werder bleibt in Bundesliga : Mit Ach und Krach

          „Scheiß Saison, gutes Ende“: Werder bleibt der Fußball-Bundesliga doch noch erhalten, Trainer Florian Kohfeldt ist einfach nur froh. Beim 1. FC Heidenheim genügt den Bremern ein 2:2-Remis, sie profitieren von einem kuriosen Eigentor.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.