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Gipfel in Indonesien : Baerbocks Antwort hört Lawrow sich nicht mehr an

Sergej Lawrow am Freitag auf Bali. Bild: dpa

Russlands Außenminister Sergej Lawrow bestreitet auf Bali jegliche Verantwortung für die weltweite Nahrungsmittelkrise. Dann gibt er bekannt, dass er nicht weiter an der Konferenz teilnehmen wird.

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          Der russische Außenminister Sergej Lawrow hat die Konferenz der G-20-Außenminister vorzeitig verlassen, nachdem er der Runde in einem kurzen Statement seine Version des Kriegs in der Ukraine und dessen weltweiter Folgen vorgetragen hatte. Lawrow war am Morgen von der Gastgeberin, der indonesischen Außenministerin Retno Marsudi, ohne Herzlichkeit im Foyer des Tagungshotels auf Bali begrüßt worden. Nach russischen Angaben traf er sich vor dem Beginn der Konferenz zu bilateralen Gesprächen mit seinem chinesischen Kollegen Wang Yi und mit dem türkischen Außenminister Mevlüt Cavusoglu.

          Johannes Leithäuser
          Politischer Korrespondent in Berlin.

          Indonesien führt in diesem Jahr den Vorsitz im Kreis der G20, welche die wichtigsten Industrie- und Schwellenländer versammeln. Der indonesische Staatspräsident Joko Widodo hatte in der vergangenen Woche durch Besuche in Kiew und Moskau versucht, ein Ende des russischen Angriffs zu erreichen. Seine Außenministerin sagte am Freitag zu Beginn der G-20-Konferenz, es sei „unser aller Verantwortung, den Krieg lieber früher als später zu beenden“. Die Streitigkeiten müssten am Verhandlungstisch beigelegt werden, „nicht auf dem Schlachtfeld“. Der Krieg in der Ukraine habe weltweite Folgen, welche die Schwellenländer und die ärmsten Länder am stärksten träfen.

          Lawrow entging Baerbock

          Marsudi hielt ein Plädoyer für die weltweite Kooperation im Geist des Multilateralismus und wandte sich gegen eine Welt, in der nur die großen und mächtigen Länder das Sagen hätten. Während ihre Kritik an Russland in dieser Weise allgemein blieb, wandte sich der amerikanische Außenminister Antony Blinken direkt an seinen russischen Kollegen und warf Moskau vor, durch die Offensive in der Ukraine zugleich einen Angriff auf die internationale Ordnung zu unternehmen.

          Lawrow, der im Saal zwischen den Repräsentanten Saudi Arabiens und Mexikos saß, reagierte mit Gegenvorwürfen an den Westen. Er bestritt, dass der Krieg Russlands in der Ukraine den weltweiten Mangel an Weizen verursache und sprach von einer künstlichen Knappheit von Nahrungsmitteln. Anschließend verließ Lawrow den Saal. Er entging auf diese Weise einer Entgegnung auf seine Äußerungen durch die deutsche Außenministerin Annalena Baerbock, die ihm in der Rednerliste der Teilnehmer folgte.

          Lawrows Sprecherin gab an, er nehme am weiteren Verlauf der Konferenz nicht teil, führe aber noch einzelne Gespräche mit anderen Teilnehmern. Nach seinem Abgang sagte Lawrow am Rande des Gipfels noch, Russland sei zu Verhandlungen mit der Ukraine über Getreideexporte bereit. Allerdings müsste diese zuerst ihre Häfen entminen oder sichere Durchfahrt durch Minenfelder sicherstellen. Russland und die Türkei könnten dann auf dem Schwarzen Meer für die Weiterfahrt der Frachtschiffe sorgen.

          Die Minister der G-20-Runde trafen sich nach ihrer ersten Arbeitssitzung, die dem Thema Multilateralismus galt, zu einem gemeinsamen Mittagessen und am Nachmittag zu einer zweiten Sitzung, die der Energie- und Nahrungsmittelsicherheit gewidmet war.

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