https://www.faz.net/-gpf-z7mw

Serbien : Nationalisten protestieren gegen Mladics Verhaftung

Friedlicher Protest: Anhänger Mladics in dessen bosnischem Geburtsort Kalinovik Bild: dapd

In Bosnien und Serbien haben am Sonntag Tausende gegen die Verhaftung Ratko Mladics protestiert. Zuvor hatte er seine Anhänger dazu aufgerufen, bei Demonstrationen gegen seine Verhaftung friedlich zu bleiben.

          2 Min.

          Tausende serbische Nationalisten haben am Sonntag in Belgrad gegen die Festnahme des mutmaßlichen Kriegsverbrechers Ratko Mladic protestiert. „Wir sind hier um diesen Verrätern zu zeigen, wie echte Serben einen serbischen Helden verteidigen“, sagte ein Teilnehmer. Auch in Mladics bosnischer Geburtsstadt Kalinovik gingen etwa tausend Menschen auf die Straße. „Er war und bleibt für uns ein Held, der Beschützer des serbischen Volks“, sagte ein junger Mann. Über der wichtigsten Straße des Orts hing ein Banner mit der Aufschrift „Willkommen in Mladics Stadt“.

          Michael Martens
          Korrespondent für südosteuropäische Länder mit Sitz in Wien.

          Zuvor hatte Mladic seine Anhänger laut Aussage seines Anwalts vom Gefängnis aus dazu aufgerufen, bei Demonstrationen gegen seine Verhaftung friedlich zu bleiben. Der vom UN-Kriegsverbrechertribunal angeklagte ehemalige General war am Donnerstag in einem etwa 30 Kilometer westlich der Grenze zu Rumänien gelegenen serbischen Dorf verhaftet worden. Serbiens Regierung hat seine rasche Überstellung an das Haager Tribunal angekündigt, jedoch bewusst kein genaues Datum für die Auslieferung genannt. Die oppositionelle „Serbische Radikale Partei“ (SRS), deren Vorsitzendem Vojislav Seselj ebenfalls vor dem Haager Tribunal der Prozess gemacht wird, hatte für den Sonntagabend zu einer ersten Protestveranstaltung gegen Mladiccs Verhaftung aufgerufen. Mladics Anwalt sagte, sein Mandant bedanke sich bei seinen Anhängern, rufe sie aber dazu auf, ihren Unmut friedlich zu bekunden. Es dürfe nicht zu Unruhen und Blutvergießen auf den Straßen Belgrads kommen, sagte Mladic nach den Worten seines Anwalts.

          Im Juli 2008 war es nach der Verhaftung des ehemaligen bosnischen Serbenführers Radovan Karadzic im Anschluss an eine Protestkundgebung, zu der ebenfalls Seseljs SRS aufgerufen hatte, im Zentrum Belgrads zu Straßenschlachten zwischen der Polizei und Randalieren gekommen, bei der mehrere Dutzend Personen verletzt und Teile der Innenstadt verwüstet wurden. Damals hatten etwa 15 000 Teilnehmer zunächst friedlich gegen die Auslieferung Karadzics, der nationalistischen Serben ebenso wie Mladic als Held gilt, protestiert. Demselben Milieu entstammende Gewalttäter hatten wenige Monate zuvor nach einer Demonstration gegen die Unabhängigkeit des Kosovos westliche Botschaften in Belgrad in Brand gesetzt. Serbiens Innenminister Dai hat die Polizeipräsenz in Belgrad erhöhen lassen und mitgeteilt, die Lage in den kommenden Tagen werde von den Sicherheitskräften „genau beobachtet“.

          Anwalt und Familie Mladics versuchten unterdessen, Mladics Überstellung nach Den Haag mit der Behauptung zu verhindern, dieser sei physisch wie psychisch krank und vernehmungsunfähig. „Es ist offensichtlich, dass er nicht fähig ist, die Lage, in der er sich befindet, völlig zu überblicken“, sagte sein Sohn. Nach den Aussagen der behandelnden Ärzte ist Mladic, der in seiner Zelle nach einem Fernseher, Erdbeeren und Büchern von Gogol, Turgenjew und Dostojewskij verlangte, jedoch durchaus fähig, einem Prozess zu folgen. Ob die serbischen Behörden Mladics Wunsch stattgeben, vor seiner Auslieferung noch einmal das Grab seiner durch Selbstmord aus dem Leben geschiedenen Tochter aufzusuchen, war am Wochenende laut Belgrader Medienberichten noch nicht entschieden.

          Der serbische Staatspräsident Boris Tadic hat am Wochenende angekündigt, dass Serbien entschlossen sei, auch den letzten noch flüchtigen Angeklagten vor dem UN-Kriegsverbrechertribunal, Goran Hadzic, aufzuspüren und an das Gericht zu überstellen. „Nach Mladics Verhaftung bin ich überzeugt davon, dass wir auch den Fall Hadic lösen werden“, so Tadic. Der serbische Sonderstaatsanwalt für die Verfolgung von Kriegsverbrechen, Vukevi, kündigte am Sonntag an, dass der Staat nach Mladics Fluchthelfern suchen und diese anklagen werde. „Wir werden alle verfolgen, die Mladic und anderen Flüchtigen geholfen haben, der Justiz zu entkommen“, so Vukevic. Mladics Helfer hätten Serbien „schweren Schaden“ zugefügt.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.