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Serbien nach der Wahl : „Niederträchtig und heimtückisch“

Einige kroatische Regierungspolitiker reagierten mit schärferen Aussagen. Kroatiens Außenministerin Vesna Pusic warnte Nikolic in einem Interview mit der Zagreber Zeitung „Jutarnji List“ (Morgenblatt), seine Worte künftig vorsichtiger zu wägen: „Die ersten Äußerungen des neu gewählten serbischen Präsidenten Nikolic im Gespräch mit der F.A.Z. sind ziemlich schockierend und für Kroatien zur Gänze unannehmbar. Wenn Kroatien und Serbien ihren Bürgern Gutes wollen, müssen sie als Nachbarstaaten in der Lage zur Zusammenarbeit sein. Dazu ist aber der Wille und die Fähigkeit beider Seiten nötig.“ Veteranenminister Predrag Matic , der aus Vukovar stammt und in serbischer Gefangenschaft war, kommentierte Nikolics unerfüllte großserbische Wunschträume mit der sarkastischen Bemerkung, auch er habe einst „von Claudia Schiffer geträumt“, dann aber einsehen müssen, dass seine Träume nicht erfüllbar seien.

Die frühere Regierungschefin Jadranka Kosor nannte Nikolics Äußerungen „skandalös“: „Vukovar ist eine kroatische Stadt, die am meisten unter der gnadenlosen und blutigen Aggression gegen Kroatien gelitten hat.“ Als selbst die kroatische Serbenpartei SDSS kritisierte, ein Präsident müsse „ein anderes Vokabular“ verwenden und gerade beim Sprechen über Vukovar mehr Verantwortung zeigen, reagierte das Büro der von Nikolic gegründeten „Serbischen Fortschrittspartei“ (SNS) in Belgrad: Man dementierte entschieden, „dass Präsident Nikolic gegenüber irgendeiner Zeitung... eine Aussage gemacht hat, in der er gesagt hat, dass Vukovar eine serbische Stadt ist und dass Kroaten keinen Grund haben, in sie zurückzukehren“. Die in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung verbreitete Aussage sei „eine niederträchtige und heimtückische Lüge“. Das scharfe Dementi rief kroatische Medien auf den Plan, die am Wochenende um den Tonmitschnitt des Interviews baten. Nachdem die entscheidenden Ausschnitte des auf Serbisch geführten Gesprächs auf den Internetseiten kroatischer Medien veröffentlicht worden waren und die Authentizität der Zitate damit belegt war, sagte Präsident Josipovic sinngemäß, Nikolics Dementi sei zwar begrüßenswert, aber die Aussage sei nun einmal in der Welt. Eine Zusammenarbeit sei weiterhin möglich, doch müsse Nikolic dazu seine Ansichten ändern: „Ich habe den Wunsch, die Überzeugung und die Hoffnung geäußert, dass er seine Ansichten ändert“, sagte Josipovic und fügte hinzu, unter dieser Bedingung sei auch eine Zusammenarbeit weiterhin möglich.

Putin die „höchste Autorität des serbischen Volkes“

Die SNS sprach nach der Veröffentlichung der Tonmitschnitte nicht mehr davon, dass es sich bei Nikolics Aussagen um Lügen handele. Ein Parteisprecher erklärte stattdessen knapp, Nikolic wünsche „die bestmöglichen Beziehungen“ zu Serbiens Nachbarstaaten. Nikolic selbst weilte zu diesem Zeitpunkt in Moskau, wo er auf der ersten Auslandsreise nach seinem Wahlsieg Gespräche mit Wladimir Putin führte. Russlands Präsident sagte Serbien nach seinem Treffen mit Nikolic einen Kredit von 800 Millionen Dollar zu, wofür Nikolic sich mit der Bemerkung bedankte, Putin sei die „höchste Autorität des serbischen Volkes“. Wäre Putin bei der Präsidentenwahl in Serbien angetreten, hätte er sicher gewonnen, so Nikolic. In Zagreb brachte Dinko Buric, Vorsitzender einer kleinen kroatischen Regionalpartei, die Debatte um Nikolics Äußerungen unterdessen auf den Punkt. Er wies darauf hin, dass Nikolic einmal gesagt habe, er besitze keine „genetische Prädisposition“ zum Hass auf Kroatien und die Kroaten. Mit seinem Interview habe Nikolic aber demonstriert, „dass er eine genetische Prädisposition für das Reden von Blödsinn hat“, stellte Buric fest.

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