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Mit Chinas Hilfe : Warum Serbien so erfolgreich impft

Ein Impfzentrum in der serbischen Hauptstadt Belgrad am 26. Januar Bild: Reuters

In Europa impft nach Großbritannien bisher niemand so viel wie Serbien – dank Hilfe aus Peking und Moskau. Kritiker werfen der Europäischen Union Versagen auf dem Balkan vor.

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          Im März vergangenen Jahres, als Serbiens Präsident Aleksandar Vučić anlässlich einer Lieferung von Schutzmasken und anderen damaligen Mangelwaren aus China am Belgrader Flughafen demonstrativ die chinesische Flagge küsste, rief das in Europa Verwunderung hervor. Ähnlich war die Reaktion, als bald darauf überall in der Belgrader Innenstadt riesige Plakate auftauchten, auf denen neben der Losung „Danke, Bruder Xi“ das Porträt des chinesischen Präsidenten zu sehen war. Dieser Tage ist jedoch selbst von vielen hartnäckigen Gegnern des serbischen Präsidenten die Ansicht zu hören, dass sich dessen Bemühungen um ein gutes Verhältnis zu Peking ausgezahlt haben. Denn auf dem europäischen Kontinent impft kein Staat seine Bevölkerung schneller als Serbien.

          Michael Martens
          Korrespondent für südosteuropäische Länder mit Sitz in Wien.

          Serbien liegt deutlich vor Deutschland, Frankreich und allen anderen Staaten der EU. Nur Großbritannien ist noch schneller. Wie ist das möglich? Serbiens Gesundheitsminister Zlatibor Lončar erklärt den bisherigen Erfolg im Gespräch mit der F.A.Z. unter anderem damit, dass sein Land sich anders als westliche Staaten um die Impfstoffe aller Anbieter bemüht hat. Deshalb stünden in Serbien neben dem Wirkstoff von Pfizer/Biontech schon seit Wochen auch das russische Vakzin „Sputnik V“ und der chinesische Impfstoff Sinopharm zur Verfügung. „Anders als in vielen anderen Ländern können die Bürgerinnen und Bürger Serbiens wählen, welche Impfung sie wollen. Sobald unsere nationale Kontrollbehörde einen Impfstoff nach der Prüfung als unbedenklich und effektiv freigegeben hat, ist er für alle zugänglich“, kommentiert Lončar Serbiens Beschaffungspolitik.

          Werbung für Chinas Impfstoff

          Im Fall Sinopharm habe er Zaudernde gleichsam durch Körpereinsatz zu überzeugen versucht, so der Minister: „Um noch die stursten Skeptiker zu erreichen, war ich der erste, der sich den chinesischen Wirkstoff hat spritzen lassen – nicht nur in Serbien, sondern in Europa.“ Der serbische Parlamentspräsident Ivica Dačić und Innenminister Aleksandar Vulin waren ihrerseits bereits am 6. Januar mit panslawischen Beispiel vorangegangen und hatten sich unter großer Medienaufmerksamkeit die erste Sputnik-Dosis geben lassen.

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          Der russische Wirkstoff ist laut Angaben von Mirsad Djerlek, Staatssekretär im Gesundheitsministerium, mit Abstand am beliebtesten in Serbien. Demnach haben sich bisher 40 Prozent unter den Impfwilligen für „Sputnik V“ entschieden, nur 28 Prozent für Pfizer. Ein Drittel habe angegeben, keine Präferenzen zu haben. „Sputnik“ ist deshalb derzeit auch noch eine Mangelware in Serbien. Anfang Januar berichteten serbische Medien, dass der 75 Jahre alte Vater des Staatspräsidenten eine Impfung mit dem Produkt von Pfizer/Biontech abgelehnt habe, da er nur das russische Vakzin akzeptiere. Kurz darauf wurde bekannt, dass er nach einer Corona-Infektion erkrankt und ins Krankenhaus eingeliefert worden sei. Es soll ihm nach kritischen Tagen inzwischen aber wieder besser gehen.

          Der entscheidende Grund für Serbiens momentane Spitzenposition im Impfwettlauf ist in China zu suchen, das bisher eine Million Dosen Sinopharm lieferte – ein beträchtlicher Umfang für den Balkanstaat von sieben Millionen Einwohnern. Als das erste Kontingent Mitte des Monats eintraf, nahm Vučić die Lieferung gemeinsam mit der chinesischen Botschafterin in Belgrad noch am Flughafen in Empfang. „Wir sind stolz auf unsere guten Beziehungen zu China“, kommentierte der Präsident die Zeremonie. Er hob hervor, dass er „mindestens 100 Tage“ gemeinsam mit der Botschafterin daran gearbeitet habe, um die Lieferung sicherzustellen.

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