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Mit Chinas Hilfe : Warum Serbien so erfolgreich impft

Der Gesundheitsminister stellt unterdessen klar, dass Serbien das bisherige Impftempo beibehalten wolle: „Unsere Strategie ist es, bis zum Sommer eine ,kollektive Immunität‘ zu erreichen. Obwohl wir auf dem besten Weg dahin sind, widmen wir auch dem Herbst schon besondere Aufmerksamkeit, denn dann wird es notwendig sein, sich angemessen auf den neuen Corona-Impfzyklus und auf die Grippesaison vorzubereiten.“ Die Regierung hat dabei den Vorteil, dass sie zwar nicht die sozialen, aber den größten Teil der serbischen Massenmedien weitgehend steuern kann. „Impfgegner“ werden zwar nicht völlig ausgeblendet, kommen aber mit ihren Behauptungen meist nur als jene obskuren Verschwörungstheoretiker vor, die sie in der Regel auch sind.

Mit Serbiens Vorsprung bei der Belieferung lässt sich zudem auch trefflich regionale Symbolpolitik betreiben. So durfte Nordmazedonien kürzlich 8000 Dosen Pfizer/Biontech aus Serbien kaufen, wie der mazedonische Ministerpräsident Zoran Zaev mitteilte. Geradezu genussvoll kündigte Vučić zudem die Möglichkeit weiterer Hilfen an: „Dies ist ein freundlicher und brüderlicher Schritt gegenüber den Menschen in Nordmazedonien. Wir haben auch keine Probleme damit, Albanien zu helfen. Wir sind ebenfalls bereit, den Albanern in Kosovo zu helfen?“

„Haben ja nicht Artillerie und Panzer geschickt“

Wie politisch aufgeladen solche Fragen sind, hatte sich schon im Dezember gezeigt, als Belgrad öffentlichkeitswirksam ein Minikontingent von 55 Impfdosen in den serbisch kontrollierten Norden des Kosovos übersandt hatte. Aus Prishtina war daraufhin von einer Einmischung in kosovarische Angelegenheiten die Rede, woraufhin Vučić erwiderte, man habe ja nicht Artillerie und Panzer geschickt, sondern nur Impfstoffe und Arznei.

Die Nachbarstaaten blicken derweil halb neidisch, halb zweifelnd auf Serbiens Erfolg. Nicht nur in Nordmazedonien wurde Kritik laut an der eigenen Regierung, die sich allzu vertrauensselig darauf verlassen habe, über die internationale Initiative Covax mit Impfstoffen versorgt zu werden. Dieses von der Weltgesundheitsorganisation betreute und maßgeblich aus EU-Mitteln finanzierte Programm soll auch wirtschaftlich schwachen Staaten unabhängig von ihren finanziellen Mitteln Zugang zu Impfstoffen gewährleisten. „Impfnationalismus“ und preistreibende Bieterwettkämpfe sollen so vermieden werden.

Doch statt allein auf Covax zu bauen, hätte man wie Serbien den Weg bilateraler Verhandlungen gehen sollen, sagen manche Kritiker in der Region. In Nordmazedonien hofft man nun, irgendwann im Februar mit dem Impfen beginnen zu können. Viel wäre gewonnen, wenn wenigstens Krankenhauspersonal geimpft werden könnte, ist zu hören. In Serbien begann das schon vor einem Monat.

Ein im Gesundheitssystem Beschäftigter wird am 25. Januar in den Belgrader Messehallen mit dem chinesischen Vakzin geimpft.
Ein im Gesundheitssystem Beschäftigter wird am 25. Januar in den Belgrader Messehallen mit dem chinesischen Vakzin geimpft. : Bild: AFP

Damit wird auch die geostrategische Komponente der jüngsten Entwicklungen deutlich, Motto: China als Retter, die EU als Versager in der Not. Aleksandar Vučić verglich die Lage der Balkanstaaten unlängst mit denen der ärmeren Passagiere der Titanic: Die Reisenden der ersten Klasse hätten sich einen Platz in den Rettungsbooten gesichert, „und jene von uns, die nicht reich sind, die klein sind, wie die Länder des Westlichen Balkans, wir gehen mit der Titanic unter“.

Sollte das zum regionalen Narrativ der Krise werden wäre der Schaden für die EU beträchtlich. Auch mit Blick auf solche Gefahren hatten die Außenminister von 13 Mitgliedstaaten Anfang Januar in einem gemeinsamen Brief dazu aufgerufen, eigene Vorräte mit den Nachbarn am Balkan zu teilen. Denn die EU werde nicht sicher sein, wenn es auch die Staaten in ihrer unmittelbaren Nachbarschaft nicht seien. Zu den Unterzeichnern gehörten außer direkten Nachbarstaaten wie Bulgarien, Kroatien, Ungarn und Rumänien auch Dänemark, Finnland und Schweden. Deutschland war nicht dabei.

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