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Prorussische Milizen : Wahn und Wirklichkeit in Donezk

Alexander Sachartschenko ist das selbsternannte „Oberhaupt“ der „Donezker Volksrepublik“. Bild: AFP

Der prorussische Separatistenführer Alexander Sachartschenko ruft über ein Video zur Eroberung von Kiew auf. Daneben will er auch Berlin und London unter russische Kontrolle bringen.

          Die prorussischen Milizen, die seit 2014 einen Teil des ostukrainischen Industriereviers Donbass besetzt halten, rufen dazu auf, neben der Hauptstadt Kiew auch Berlin und London zu erobern. Alexander Sachartschenko, das selbsternannte „Oberhaupt“ der „Donezker Volksrepublik“, die nach der proeuropäischen Wende der Ukraine mit Hilfe russischer Truppen im Donbass errichtet worden ist, sagte in einem über Youtube verbreiteten Interview, er spreche in Bezug auf die Zukunft „nicht nur von Kiew“. „Es geht sogar nicht einmal darum, nur Berlin zu nehmen. Man muss darüber hinausgehen und ganz Britannien als solches nehmen. Das ganze Unglück unseres Schicksals als Russen, das sind die Angelsachsen.“ Nach der Einnahme Großbritanniens aber werde das „goldene Zeitalter Russlands“ beginnen.

          Konrad Schuller

          Politischer Korrespondent der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Sachartschenko rief dazu auf, „das gesamte Territorium, welches das russische Reich verloren hat, unter Kontrolle“ zu bringen. Zu diesen Gebieten gehören neben den baltischen Staaten auch Finnland, ein Teil Polens, Moldau, Georgien, Armenien und Aserbaidschan sowie die zentralasiatischen Republiken. Weiterhin verlangte das „Staatsoberhaupt“, Moskau müsse sich all das „holen“, was es zu Beginn des Krimkriegs im 19. Jahrhundert hätte „bekommen sollen“. In diesem Krieg hatte Russland das heutige Rumänien besetzt und das Osmanische Reich aufgefordert, den russischen Zaren als Protektor anzuerkennen.

          Sachartschenkos Zukunftspläne stehen in einer langen Reihe von Einlassungen, in denen die von Moskau gestützten Führer der ostukrainischen „Volksrepubliken“ immer wieder gefordert haben, ihr Territorium auszudehnen. Dabei war allerdings bisher nur von Gebieten innerhalb der Ukraine die Rede – in manchen Fällen von den Regionen Saporischja und Cherson, welche die Landbrücke zwischen dem besetzten Donbass und der 2014 von Russland annektierten Halbinsel Krim darstellen würden, in anderen Fällen auch von den übrigen russophonen Gebieten der Ukraine, also der gesamten Schwarzmeerküste sowie den Großstädten Odessa, Dnipro (früher Dnipropetrowsk) und Charkiw.

          Für diese Territorien wurde der Begriff „Noworossja“ (Neurussland) geprägt, der aus dem 18. Jahrhundert stammt, als die russische Zarin Katharina die Große die heutige Südukraine eroberte. Auch der russische Präsident Wladimir Putin hat dieses Wort manchmal verwendet. Die bewaffneten Milizen, welche jetzt mit russischer Unterstützung in den besetzten Gebieten der Ostukraine kämpfen, bezeichnen sich bis heute als die „Vereinigten Streitkräfte Neurusslands“.

          Die „Donezker Volksrepublik“ ist neben ihrer „Luhansker“ Schwester das größere der beiden Gebiete, welche Russland in der Ostukraine besetzt hält. Ihr „Oberhaupt“ Sachartschenko ist immer wieder mit unverblümten Äußerungen aufgefallen. 2014 war er einer der ersten, die offen zugaben, dass im Donbass nicht nur lokale „Rebellen“ gegen die Westwendung der Ukraine kämpfen, sondern auch russische Soldaten – allerdings, wie er damals hinzufügte, nicht in dienstlichem Auftrag, sondern als Freiwillige auf Sommerurlaub. Der Krieg in der Ostukraine hat nach Angaben der Vereinten Nationen mehr als 9000 Menschen das Leben gekostet.

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