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Ukraine-Krieg : Separatisten kündigen Abzug an

  • Aktualisiert am

Ein OSZE-Beobachter begutachtet im Februar ein ukrainisches Geschütz. Bild: dpa

Die prorussischen Separatisten haben angekündigt, binnen Stunden ihre schweren Waffen von der Front abzuziehen. Russland drängt derweil auf einen Rückzug der ukrainischen Truppen aus den Krisenregionen.

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          Die prorussischen Separatisten im Kriegsgebiet Ostukraine haben den Abzug schwerer Waffen von der Frontlinie noch bis Sonntagabend angekündigt. In Abstimmung mit der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) würden Waffen mit einem Kaliber von 100 Millimetern mindestens drei Kilometer von der Front abgezogen. Das sagte der Separatistenführer Wladislaw Dejnego in Luhansk der Agentur Interfax zufolge. Die Region Donezk kündigte ebenfalls den Rückzug von Waffen an.

          Die Aufständischen betonten, sie wollten keine neuen Gewaltexzesse provozieren. „Das ist unser einseitiger Schritt Richtung Frieden. Wir zeigen der ganzen Welt, dass wir die Vereinbarungen von Minsk erfüllen“, sagte der Chef der Luhansker „Volksmiliz“, Sergej Koslow, lokalen Medien zufolge.

          Solche Ankündigungen hatte es von beiden Konfliktparteien jedoch schon im Februar und März gegeben. Auch damals sollte der Abzug von der OSZE überwacht werden. In den vergangenen Monaten hatte es jedoch immer wieder Scharmützel gegeben, die sich immer weiter verstärkt hatten.

          Der russische Außenminister Sergej Lawrow drängte derweil auf einen Rückzug der ukrainischen Truppen aus den Krisenregionen im Osten des Landes. Die ukrainische Armee müsse mit der Entmilitarisierung der umkämpften Ortschaft Schirokine beginnen, forderte Lawrow nach Angaben seines Ministeriums am Samstag in separat geführten Telefonaten mit den Außenministern aus den Vereinigten Staaten, Deutschland und der Ukraine.

          Russlands Außenminister Sergej Lawrow
          Russlands Außenminister Sergej Lawrow : Bild: dpa

          Lawrow begründete die Forderung gegenüber dem amerikanischen Außenminister John Kerry, dem ukrainischen Außenminister Pawlo Klimkin sowie dem deutschen Chefdiplomaten Frank-Walter Steinmeier (SPD) damit, dass sich die prorussischen Rebellen bereits aus der Region im Umkreis von zehn Kilometern um die Hafenstadt Mariupol zurückgezogen hätten.

          An Klimkin richtete Lawrow zudem die Forderung, die offenen Fragen bezüglich der geplanten Verfassungsreform und der darin vorgesehenen größeren Autonomie für die prorussischen Separatistengebiete zu klären. In seinem Gespräch mit Kerry kritisierte der russische Außenminister demnach zudem, dass Rebellenvertreter an der Reformdiskussion von der Ukraine nicht beteiligt würden. Ein direkter Dialog zwischen Kiew und Vertretern aus den betreffenden Regionen Donezk und Luhansk sei im Minsker Abkommen vereinbart worden.

          In dem Konflikt, der seit Frühjahr vergangenen Jahres andauert, stehen sich prorussische Kämpfer und ukrainische Regierungstruppen gegenüber. Der Westen beschuldigt Russland, die Aufständischen mit Kämpfern und Waffen zu unterstützen. Moskau weist dies zurück. In dem Krieg starben bereits mehr als 6500 Menschen. Im Februar wurden in dem mit deutscher und französischer Hilfe ausgehandelten Abkommen von Minsk vereinbart, dass schwere Waffen aus den umkämpften Gebieten abgezogen werden sollen. Die Kämpfe in der Ostukraine halten aber weiterhin an.

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