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Separatisten in der Ostukraine : Moskautreue gegen Oligarchenanhänger

Der Anführer der Separatisten in der „Volksrepublik Donezk“, Denis Puschilin (M.), strebt den Beitritt an Russland an Bild: dpa

Kiews Gegner im Osten der Ukraine sind uneins, ob sie sich Russland anschließen sollen. Zwischen den Rebellengruppen beginnt der Machtkampf.

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          Die Rebellen schienen sich ihrer Sache sicher: Die rege Teilnahme an ihren „Referenden“ über die „staatliche Eigenständigkeit“ des ostukrainischen Kohlereviers Donbass (der Gebiete Donezk und Luhansk) hatte am Sonntag trotz aller Zweifel an der Korrektheit dieses Plebiszits beträchtlichen Rückhalt in der Bevölkerung bewiesen, und das von ihnen verkündete Ergebnis – 89,7 beziehungsweise 96 Prozent für die Ablösung von der Ukraine – gab Grund zu Selbstbewusstsein.

          Konrad Schuller

          Politischer Korrespondent der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Denis Puschilin, der bekannteste Kopf ihrer kollektiven Führung, schraubte denn auch am Montag die Eskalationsspirale im Konflikt mit der Kiewer Zentralregierung gleich um mehrere Drehungen höher: „Wir bitten darum, die Frage des Beitritts der Volksrepublik Donezk zu Russland ins Auge zu fassen“, sagte er am frühen Abend.

          Ein Sinneswandel binnen weniger Stunden

          Auf den ersten Blick schien die Botschaft des Rebellenführers klar: Donezk und Luhansk folgen der Krim Richtung Russland. Bei näherem Hinsehen aber schien das Bild weniger eindeutig. Keine zwei Stunden früher nämlich hatte Puschilin ganz anders geklungen. Die „Volksrepublik Donezk“ sei jetzt „souverän“, hatte er da gesagt, und das reiche zunächst vollkommen. „Später erst werden wir uns entscheiden, ob wir einer Föderation beitreten, und welcher“.

          Wahlprotokoll: Separatistenführer Denis Puschilin und Wahlleiter Roman Ljagin präsentieren Ergebnisse am Montag in Donezk

          Auch bei Roman Ljagin, einem anderen Führer der Aufständischen, war im Laufe des Montags ein markanter Wandel zu beobachten. Am Vormittag sagte er noch, Donezk werde auch nach dem Referendum „nicht aufhören, ein Teil der Ukraine zu sein“. Die Region werde „nicht zu einem Teil Russlands werden“; die „Volksabstimmung“ vom Sonntag sei kein Signal der Sezession gewesen, sondern nur ein Hilferuf der Bevölkerung, die „Veränderung“ wolle. Wie sein Mitkämpfer Puschilin hat jedoch auch Ljagin im Laufe des Tages seine Ansicht ins Gegenteil verkehrt: „Als Bürger bin ich für die Vereinigung mit Russland“, sagte er gegen Abend.

          Ein „Putsch“ in der Führung?

          Was zwischen Aufgang und Untergang der Sonne mit Puschilin und Ljagin geschehen ist, lässt sich vorerst schwer erkennen. Gleich nach ihrer Kehrtwende aber verdichteten sich in Donezk Gerüchte der Kurswechsel hänge mit einem „Putsch“ in der Führung der Aufständischen zusammen. Der von Kiew eingesetzte Gouverneur von Donezk, Sergej Taruta, jedenfalls bestätigte diese Vermutung später mit der Mitteilung, im Lager der Separatisten habe es offenbar einen „Machtwechsel“ gegeben.

          Dass unter den zusammengewürfelten Haufen von Abenteurern, die seit Wochen die Ostukraine destabilisieren, nicht nur Eintracht herrscht, hatte sich schon vor einigen Tagen angedeutet. Der selbstausgerufene „Volksgouverneur“ Pawel Gubarew, einer ihrer populärsten Führer, erhob damals den Aufsehen erregenden Vorwurf, zwei Drittel der prorussischen Aktivisten in Donezk würden vom Multimilliardär Rinat Achmetow finanziert, dem bei weitem mächtigsten Oligarchen der Region.

          Spielt auch eine wichtige Rolle in der Ostukraine: Der selbst ausgerufene „Volksgouverneur“ Pawel Gubarew

          Dieser hat das sofort bestritten. Dennoch hat dieser Streit einen schwelenden Konflikt offengelegt. Weil der Revierkönig Achmetow offenbar keinesfalls unter die Knute des russischen Präsidenten Wladimir Putin geraten will, hat er jeden Gedanken an einen Beitritt zur Russischen Föderation immer wieder zurückgewiesen. Gubarew dagegen hat eine lupenreine Biographie in großrussisch gesinnten Organisationen, etwa bei den „progressiven Sozialisten“ der Ukraine, einer sowjetisch-nostalgischen Splittergruppe. Seine Behauptung, „zwei Drittel“ seiner Mitstreiter stünden im Solde eines Mannes, der eigentlich nicht zu Russland will, war damit nichts geringeres als der Vorwurf des Hochverrats.

          Tatsächlich bestätigen auch Insider der Rebellenführung, dass man sich intern „nicht einig“ sei. Beobachter unterscheiden dabei zwei Richtungen: eine, in welcher Russland das Sagen habe, und eine, welche der Oligarch Achmetow führe. Als Oberhaupt der Russen gilt der militärische „Oberbefehlshaber“ der Rebelleneinheiten, Igor Girkin, der gelegentlich mit dem Kampfnamen „Strelkow“ auftritt. Dieser Mann ist nach Ansicht der EU ein Oberst des russischen Militärgeheimdienstes GRU und wurde vor seinem Einsatz in der Ostukraine unter anderem schon auf der Krim gesichtet. Er gilt als Kommandant all der russischen Kämpfer, die das Donbass unsicher machen, und soll vor allem im Norden des Gebiets Donezk, in der von Rebellen besetzten Stadt Slawjansk fast unumschränkte Macht besitzen.

          Die andere Partei wird dem Oligarchen Achmetow zugeordnet. Insider sagen, er sei zwar nicht für den Anschluss an Russland, doch steuere er einige der Separatisten – erstens, um die „Antioligarchisch“ gesonnene Kiewer Zentralregierung unter Druck zu setzen, und zweitens, um statt der Sezession zumindest eine möglichst weitgehende Autonomie für „sein“ Donbass zu erreichen. In seiner Umgebung wurde am Dienstag bestritten, dass Achmetow unter den Aufständischen „eigene Leute“ habe. Richtig sei allerdings, dass er mit den Rebellen im „Dialog“ stehe, um sie zum Maßhalten zu bewegen.

          Multimilliardär Rinat Achmetow

          Die abrupten Meinungswechsel bei führenden Köpfen der neuen „Volksrepublik“ könnten nun darauf hindeuten, dass in diesem Konflikt zwischen „Russen“ und „Hiesigen“ die Moskauer Fraktion am Montag einen Sieg errungen hat. Dennoch schein für „die Hiesigen“ das Spiel noch nicht verloren zu sein. Wie es aussieht hat Achmetow nämlich in den letzten Tagen daran gearbeitet, analog zum „prorussischen“ Slawjansk im Norden eine eigene Hochburg im Süden zu schaffen – in der Industriestadt Mariupol, wo er zwei gewaltige Stahlwerke besitzt. Hier versuchen nach den blutigen Vorfälle der letzten Woche Arbeiterbrigaden seines Konzerns „Metinvest“ offenbar gerade, die Ordnung wieder herzustellen. Wie aus Mariupol gemeldet wird, nicht ohne Erfolg: aus der Stadt wird berichtet, Achmetows Leute hätten Barrikaden entfernt und den Busverkehr wieder in Gang gesetzt.

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