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Senegal : Youssou N’Dour, der Patriot

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Youssou N'Dour will Präsident im Senegal werden Bild: afp

Youssou N’Dour ist einer der bekanntesten afrikanischen Musiker. Nun hat er bekanntgegeben, dass er bei den Präsidentenwahlen in Senegal kandidieren werde.

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          Er ist neben dem Ivorer Alpha Blondi und dem Kameruner Manu Dibango einer der ganz großen Musiker aus Westafrika, und wenn es nach ihm geht, auch bald Präsident Senegals: Youssou N’Dour will im Alter von 52 Jahren in die Politik einsteigen und hat am Dienstag seine Kandidatur für die Präsidentenwahl im Februar angekündigt.

          Mit ihm bewerben sich 20 weitere Kandidaten um das höchste Amt im Staat, das seit elf Jahren von dem inzwischen 85 Jahre alten Aboulaye Wade bekleidet wird, der nach Jahren der Stagnation unter seinem Vorgänger Abdou Diouf bei seinem Amtsantritt als Heilsbringer bejubelt wurde, es aber versäumt hat, in Würden abzutreten und sich mittlerweile zu einer peinlichen Altlast entwickelte. Ob N’Dour, der seine Kandidatur als „patriotischen Akt“ bezeichnet, tatsächlich Chancen hat, muss sich erst noch zeigen.

          Fest steht allerdings, dass ihm die Sympathien der jungen Wähler sicher sind. Und in Senegal ist mehr als die Hälfte der Bevölkerung unter 25 Jahre alt. Völlig überraschend aber kommt N’Dours Kandidatur nicht. Bereits 2010 hatte er eine Bürgerbewegung namens „Fekke ma ci bollé“ („Ich bin hier, also gehöre ich dazu“ in Wolof) gegründet, deren einziger Zweck es war, einen Kandidaten für das Präsidentenamt öffentlich zu unterstützen.

          „Meine Schule war das Leben“

          Youssou N’Dour, der 1959 in Dakar geboren wurde und in bescheidenen Verhältnissen aufwuchs, gilt als der Erfinder der heutige Populärmusik in Senegal, die in der Landessprache Wolof „Mbalax“ heißt. Er mischt darin traditionelle Griot-Lobgesänge mit Perkussionsinstrumenten und afro-kubanischen Arrangements, was ihm den Weg auf alle Bühnen der Welt bereitete. N’Dour gilt als einer der einflussreichste Musiker seiner Epoche, hat mehr als 20 Alben veröffentlicht und ist zusammen mit den namhaftesten Musikern der Welt aufgetreten.

          Daneben ist er aber auch ein ausgesprochen geschickter Geschäftsmann, der sein Geld vorwiegend in seinem Heimatland investiert. Ihm gehören in Dakar ein Studio, eine Produktionsfirma, eine Bank für Mikrokredite, ein Fernsehsender und der legendäre Nachtclub „Thiossane“, wo er regelmäßig auftritt. Daneben unterstützt N’Dour zahlreiche karitative Vereinigungen und engagiert sich unter anderem im Kampf gegen Malaria. Kurzum: Ein „Selfmademan“, der seinen Erfolg einzig sich selbst zu verdanken hat.

          Er kokettierte sogar mit seiner mangelnden Bildung, als er bei der Bekanntgabe seiner Kandidatur zugab, „keinen Universitätsabschluss zu haben“. Um sich dann umgehend über die Diplomierten lustig zu machen: „Meine Schule war das Leben, und da habe ich mehr gelernt als aus Büchern.“ N’Dour fühlt sich deshalb für das Präsidentenamt bestens gerüstet. „Mein Leben besteht zu zehn Prozent aus Inspiration und zu 90 Prozent aus Schweiß. Ich weiß, was arbeiten bedeutet“, sagt er. Das ist weniger ein Seitenhieb auf den alten Wade, der im Greisenalter noch einmal kandidiert, als vielmehr auf dessen Kinder Karim und Sindjely, die sich in der senegalischen Politik breitmachen, als sei es ihr Erbhof, und die maßgeblich verantwortlich dafür sind, dass Senegal mit der „Ära Wade“ abschließen will.

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