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Senats-Wahl in Alabama : Amerika ist so gespalten wie nie zuvor

Eine Anhängerin von Roy Moore am Dienstagabend in Montgomery, Alabama. Bild: Reuters

In Alabama haben fast drei Viertel der weißen Männer und rund zwei Drittel der weißen Frauen für den umstrittenen Roy Moore gestimmt – die Afroamerikaner gaben zu 90 Prozent dem Demokraten Jones ihre Stimme. Nie war der Graben tiefer, der mitten durch Amerika geht.

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          „Sweet Home Alabama“, der Titel des Hits von Lynyrd Skynyrd, galt in den vergangenen Jahrzehnten vor allem für Republikaner. Das letzte Mal, dass ein Demokrat einen Senatssitz in dem Südstaat gewinnen konnte, war 1992 – und dieser Demokrat, Richard Shelby, wechselte nur zwei Jahre später die Seiten und sitzt heute noch als Republikaner im Kongress. Doug Jones hat dies nun geändert. Als erster Demokrat seit 25 Jahren zieht er aus dem tiefroten Alabama nach Washington.

          Oliver Kühn

          Redakteur in der Politik.

          Doch es ist nicht nur Jones` Sieg, sondern größtenteils eine krachende Niederlage für den republikanischen Kandidaten Roy Moore. Die Wahlkampagne des ehemaligen Richters war überschattet von Vorwürfen mehrerer Frauen, Moore habe versucht, romantische Beziehungen mit ihnen einzugehen, als sie minderjährig waren und er schon älter als 30 Jahre. Eine Frau sagte sogar, Moore habe sie als 14 Jahre altes Mädchen unsittlich berührt. Moore hat all diese Vorwürfe bestritten und immer erklärt, nichts dergleichen sei passiert.

          Selbst der eigenen Partei extrem unbeliebt

          Selbst in seiner eigenen Partei war Moore extrem unbeliebt. Schon ohne die Vorwürfe sexuellen Fehlverhaltens gab es viele Republikaner in Washington, die mit Moores äußerst konservativen Ansichten nichts anfangen konnten. Der Mehrheitsführer im Senat Mitch McConnell wird deshalb mehr als nur ein bisschen erleichtert sein, dass Moore nicht den Senatssitz von Jeff Sessions einnehmen wird, der frei wurde, weil Sessions Justizminister geworden ist.

          Ein weiterer Verlierer des Abends ist der amerikanische Präsident Donald Trump. In den Vorwahlen hatte er zwar noch auf die Schwergewichte in seiner Partei gehört, die ihm geraten hatten, sich im parteiinternen Ausscheidungswettkampf hinter Moores Kontrahent zu stellen. Im Wahlkampf scheint Trump dann aber mehr auf seinen früheren Berater Steve Bannon gehört zu haben, der seine nationalistischen Ideale von Moore verkörpert sah und ihn deshalb massiv unterstützte. Trump warb nicht nur auf Twitter für Moore, sondern nahm auch eine Nachricht für ihn auf, die Telefonanrufer den Wählern vorspielen konnten. Trump machte in seinen Nachrichten auf Twitter klar, dass Moore sein Mann sei, der ihn und seine Ziele im Senat unterstützen werde, ganz im Gegensatz zu Doug Jones, den er eine Marionette von Nancy Pelosi und Chuck Schumer, den beiden ranghöchsten Demokraten im Kongress, nannte.

          Nach der Bekanntgabe des Ergebnisses gratulierte Trump Jones auf Twitter, schrieb aber auch, dass die Wähler in sehr kurzer Zeit wieder über diesen Sitz abstimmen würden. Damit spielte er darauf an, dass Jones erst einmal nur für die verbleibenden drei Jahre von Sessions' Amtszeit gewählt wurde. 2020, wenn auch Donald Trump sich der Wiederwahl stellen muss, wird über die Besetzung des Sitzes neu entschieden.

          Die Wahl in Alabama zeigt aber auch, wie gespalten die Wählerschaft in den Vereinigten Staaten ist. Für Moore stimmten mehr als 48 Prozent der Wahlbeteiligten – trotz der Vorwürfe gegen ihn und trotz der umstrittenen Aussagen, die er im Wahlkampf getätigt hat. Für diese Menschen war es wichtiger, einen Republikaner in den Senat zu entsenden als einen Mann, dessen moralische Vorstellungen nicht in Zweifel gezogen werden. So sagten vor den Wahlen in Umfragen fast fünfzig Prozent der Befagten, dass es wichtigere Probleme gebe als die Vorwürfe gegen Moore.

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