https://www.faz.net/-gpf-aar1q

Selenskyjs Mahnung : Endlich die Gefahr erfassen

Emmanuel Macron und Wolodymyr Selenskyj begrüßen sich am 16. April vor dem Elysee-Palast mit den Ellbogen Bild: Reuters

Die Kritik des ukrainischen Präsidenten an Emmanuel Macron vor seinem Besuch in Paris war vielleicht undiplomatisch. Aber in der Sache hat Selenskyj recht.

          1 Min.

          Es ist anderthalb Jahre her, dass die Kanzlerin und die Präsidenten Frankreichs, der Ukraine und Russlands sich in Paris getroffen haben. Das Zustandekommen des Gipfels war damals ein kleiner Erfolg für den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj. Er hatte es geschafft, den Konflikt in seinem Land auf der internationalen Tagesordnung wieder einmal nach oben zu befördern. Mit dem Ergebnis des Treffens konnte indes nur der russische Präsident Wladimir Putin zufrieden sein.

          Er hatte für seine Gesprächsbereitschaft einen diplomatischen Preis gefordert und erhalten: In der Schlusserklärung des Gipfels wurde nicht etwa von Russland, dem Aggressor, etwas verlangt, sondern von der angegriffenen Ukraine. Selenskyj äußerte damals öffentlich seine Enttäuschung, während Gastgeber Macron von einem „extrem positiven Gipfelergebnis“ sprach.

          Es sind diplomatische Verbeugungen wie diese, die Putin ermutigen, immer wieder die Festigkeit des Westens zu testen. Der Konflikt in der Ukraine ist aus seiner Sicht dafür als Schauplatz ideal, weil das Land in absehbarer Zeit weder der EU noch der Nato angehören wird. Aber er hat dabei den globalen Konflikt im Blick, in dem er sich mit Amerika und der EU wähnt.

          Eine klare Parteinahme für die Ukraine ist deshalb auch kein selbstloser Akt der Solidarität, sondern im eigenen Interesse der Europäer. Selenskyjs Aufforderung an Macron, dieser solle die Gefahr endlich erfassen, war vielleicht undiplomatisch. Aber in der Sache richtig.

          Reinhard Veser
          (rve.), Politik

          Weitere Themen

          Immer Ärger mit Russland

          EU-Außenministertreffen : Immer Ärger mit Russland

          Putin hat eine Liste „unfreundlicher Staaten“ in Auftrag gegeben, deren Botschaften Moskau einschränken könnte. Die EU will sich von den Provokationen nicht spalten lassen. Doch was kann sie tun?

          Raketen- und Luftangriffe in Jerusalem Video-Seite öffnen

          „Die rote Linie“ überschritten : Raketen- und Luftangriffe in Jerusalem

          Bei Raketen- und Luftangriffen zwischen Palästinensern und Israel sollen mindestens 20 Palästinenser ums Leben gekommen sein. Wie das palästinensische Gesundheitsministerium am Montagabend mitteilte, befinden sich darunter auch Kinder. Berichte über Verletzte in Israel durch die Geschosse lagen nicht vor.

          Giffey soll angeblich Doktortitel verlieren

          Prüfung der Dissertation : Giffey soll angeblich Doktortitel verlieren

          Die mit der neuerlichen Prüfung ihrer Dissertation betraute Kommission plädiert laut einem Medienbericht dafür, Familienministerin Franziska Giffey den Titel zu entziehen. Eine offizielle Stellungnahme gibt es nicht – weil noch eine Frist läuft.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.