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Präsidentenwahl in der Ukraine : Der Komiker und sein Team

Wolodymyr Selenskyj am Freitag im Olympiastadion in Kiew Bild: dpa

In einer Fernsehsendung hat Wolodymyr Selenskyj seine „Mannschaft“ vorgestellt. Das Ende des Wahlkampfs brachte weitere Überraschungen – wie etwa ein russisches Exportverbot.

          Etwa 60 Stunden vor Öffnung der Wahllokale zur entscheidenden Stichwahl hat der Favorit für das Amt des ukrainischen Präsidenten, der Schauspieler und Medienmanager Wolodymyr Selenskyj, seine „Mannschaft“ vorgestellt. In einer Fernsehsendung präsentierte er 20 Personen und ihre Kompetenzen. Mit ihnen werde er „ins Präsidialamt gehen“, und wer sich dann als besonders gut erweise, werde „dieses oder jenes Amt übernehmen“. Mit ihnen wolle er „eine starke, mächtige, freie Ukraine aufbauen, die nicht die jüngere Schwester Russlands ist, die nicht ein korrupter Partner Europas ist, sondern unsere unabhängige Ukraine“, sagte Selenskyj.

          Gerhard Gnauck

          Politischer Korrespondent für Polen, die Ukraine, Estland, Lettland und Litauen mit Sitz in Warschau.

          Als Ersten nannte er den Juraprofessor Ruslan Stefantschuk. Der zeitweilige Prorektor einer juristischen Hochschule gilt als der Chefideologe des Wahlkämpfers Selenskyj. In einem Interview nannte er als seine politischen Leitwerte „Wohlstand“ und „Würde“ für die Ukrainer; zugleich bekannte er sich zu einer „liberalen“ Wirtschaftsordnung. 2016 war der Westukrainer Stefantschuk einem Medienbericht zufolge auch Berater der gegenwärtigen Regierung. Er soll für Reformen in Staat und Justizwesen zuständig sein.

          Ein neues Gesicht

          Außenpolitische Kompetenz ist laut der Vorstellung des Kandidaten bei zwei Personen vorhanden, darunter beim früheren Finanzminister Olexander Danyljuk. Er ist der einzige ehemalige Minister in der Riege und war, nachdem der Schauspieler in der Silvesternacht seine Präsidentschaftskandidatur erklärt hatte, bald zu seinem Lager hinzugestoßen.

          Ein neues Gesicht ist Iwan Aparschyn, der für Sicherheit und Verteidigung zuständig sein soll. Der 1956 in Berlin geborene Oberst der Reserve hatte seit 2005 hohe Ämter in Generalstab und Regierungsapparat der Ukraine inne. Bis in diesen Wahlkampf hinein war er Mitstreiter des früheren Verteidigungsministers Anatoli Hryzenko, der selbst kandidierte und im ersten Wahlgang knapp sieben Prozent der Stimmen bekam.

          Selenskyj sagte, dieser habe ihm danach als Verteidigungsexperten Aparschyn empfohlen. Aparschyn war als besonnen argumentierender Kommentator des russisch-ukrainischen Konflikts aufgetreten. Sein Anliegen war, die Soldaten sollten besser „bewaffnet, motiviert und vorbereitet“ und entsprechend besser bezahlt sein. Das Wichtigste sei es, auf dem Schlachtfeld „das Leben der Soldaten zu bewahren“. Ebenfalls in der Mannschaft sind langjährige Mitarbeiter Selenskyjs aus dem Showgeschäft, Juristen, Antikorruptionsaktivisten und zwei Vertreter des prowestlichen „Ukrainischen Instituts für die Zukunft“.

          Der frühere Wirtschaftsminister Aivaras Abromavicius, der sich im Wahlkampf früh auf die Seite Selenskyjs gestellt hatte, bestätigte, dass er nicht in der Mannschaft sei. Es sei nicht sein Ziel gewesen, im Präsidialamt zu arbeiten, sagte Abromavicius dieser Zeitung: „Ich bin weiterhin zu Selenskyjs Verfügung, um ihn wirtschaftlich und außenpolitisch zu beraten.“ Am Freitagabend wollte der frühere Minister zum Debattenduell vor der Stichwahl ins Kiewer Olympiastadion gehen, um Selenskyj gegen Amtsinhaber Petro Poroschenko die Daumen zu drücken.

          Überraschungen im Wahlkampf-Endspurt

          Das Ende des Wahlkampfs brachte weitere Überraschungen. Ein Gericht in Kiew erklärte die Verstaatlichung der „Privatbank“ im Jahr 2016 in erster Instanz für rechtswidrig; größter Anteilseigner dieser Großbank war damals der mit Selenskyj sympathisierende Oligarch Ihor Kolomojskij gewesen, der auf eine milliardenschwere Entschädigung hofft.

          Verhandlungen über eine Waffenruhe zwischen den Konfliktparteien in der Ostukraine scheiterten, wie die beteiligte Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa am Freitag mitteilte. Etwa zur gleichen Zeit sagte der umstrittene Kiewer Politiker und enge Vertraute des russischen Präsidenten Wladimir Putin, Viktor Medwedtschuk, wenn man sich nur hinsetze und verhandele, könne man „binnen einiger Monate“ einen Frieden für die Ostukraine abschließen.

          Am Donnerstag verhängte Russland ein Exportverbot für Erdöl, Erdölprodukte und offenbar auch für Kohle für das Nachbarland. Es soll vom 1. Juni an gelten. Zuletzt wurden 31 Prozent aller Erdölprodukte, die in die Ukraine gelangten, aus Russland importiert.

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