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Die Nacht in der Ukraine : Selenskyj bezeichnet Entlassungswelle als notwendig

  • Aktualisiert am

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj Bild: Reuters

Der ukrainische Präsident verteidigt die Entlassung mehrerer Vize-Minister und Gouverneure. Nach der Debatte um Panzer rückt auch die Forderung nach Kampfflugzeugen in den Fokus. Der Überblick.

          2 Min.

          Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat die Entlassung ranghoher Regierungsvertreter infolge eines mutmaßlichen Korruptionsskandals in der Armee als „notwendig“ verteidigt. „Wir brauchen einen starken Staat“, sagte er am Dienstagabend in seiner täglichen Videoansprache. Die Entlassungen seien „notwendig für unsere Verteidigung – und es hilft unserer Annäherung an die europäischen Institutionen“.

          „Alle internen Probleme, welche die Stärkung des Staates verhindern, werden gerade geregelt – und sie werden auch künftig geregelt“, sagte der Präsident weiter. Am Dienstag waren infolge eines mutmaßlichen Korruptionsskandals in der ukrainischen Armee mehrere Vize-Minister, Gouverneure und ranghohe Beamte zurückgetreten oder entlassen worden.

          Zuvor waren Berichte veröffentlicht worden, in denen das Verteidigungsministerium beschuldigt wurde, bei der Beschaffung von Lebensmitteln einen Vertrag zu überhöhten Preisen abgeschlossen zu haben. Sie sollen zwei bis drei Mal höher gelegen haben als die üblichen Einkaufspreise. Sollten sich die Berichte bewahrheiten, wäre dies der erste derart große Korruptionsskandal in der Ukraine seit Beginn der russischen Invasion. Das Verteidigungsministerium hatte die Vorwürfe zurückgewiesen.

          Zurückhaltende Reaktion auf Panzerlieferungen

          Zu Berichten über die Freigabe aus Berlin zur Lieferung von Leopard-Kampfpanzern an sein Land äußerte sich Selenskyj zurückhaltend. Er sei dankbar, doch gehe es nicht um 15 Panzer, der Bedarf sei viel größer, sagte er. Sein Kanzleichef Andrij Jermak freute sich dagegen erkennbar. Außenminister Dmytro Kuleba deutete die nächste große Diskussion an – nämlich über den Wunsch der Ukraine nach modernen Kampfflugzeugen aus westlicher Produktion.

          Nach Angaben aus Koalitionskreisen will die Bundesregierung Leopard-2-Panzer in die Ukraine liefern und dies auch Bündnispartnern erlauben. Das Kanzleramt äußerte sich bisher nicht dazu. Geplant ist laut „Spiegel“, mindestens eine Kompanie mit der Version Leopard 2A6 aus Beständen der Bundeswehr auszustatten. Dafür wären 14 der Waffensysteme nötig.

          Zudem wurde durch US-Medien bekannt, dass nun doch auch die USA Abrams-Kampfpanzer an die Ukraine liefern wollen. Das berichtete die „New York Times“ am Dienstagabend (Ortszeit) unter Berufung auf Insider. Eine offizielle Bestätigung könne es der Zeitung zufolge bereits an diesem Mittwoch geben. Es könne sich um 30 bis 50 Panzern handeln. Zuvor hatte bereits Polen die Lieferung einer Leopard-Kompanie an Kiew angekündigt. Auch Finnland und andere Länder sind bereit, die Ukraine mit Leoparden zu beliefern.

          Freude in Selenskyjs Büro über Lieferung von Kampfpanzern

          „Wir werden alles haben, alles für die Rückeroberung unserer Gebiete und für die Gegenoffensive“, schrieb Selenskyjs Kanzleichef Andrij Jermak. „Panzerfahrer werden sich freuen, ebenso wie Artilleristen und später auch Piloten.“ Bald werde „alles wieder Ukraine“ sein.

          Mit dem Hinweis auf Piloten nahm der Kanzleichef eine neue Diskussion vorweg, die Außenminister Dmytro Kuleba wenige Minuten zuvor angedeutet hatte. „Jetzt F-16? Ja!, ich übernehme das“, schrieb er auf Facebook über ein Gespräch mit einem nicht genannten europäischen Kollegen. Damit legte er den nächsten Schritt der ukrainischen Führung offen, die sich nun auch um die baldige Lieferung von Kampfflugzeugen bemühen will. Das ukrainische Militär hat mehrfach darauf hingewiesen, dass es auch Kampfflugzeuge benötige, um seine Kampfkraft zu erhöhen.

          Auch der frühere ukrainische Botschafter in Deutschland, Andrij Melnyk, bejubelte die geplante Lieferung an sein Land – und stellte sogleich weitergehende Forderungen nach modernen Kampfjets. „Halleluja! Jesus Christus!“, schrieb er auf Twitter, „Und nun, liebe Verbündete, lasst uns eine starke Kampfjet-Koalition für die Ukraine auf die Beine stellen, mit F-16 und F-35, Eurofightern und Tornados, Rafale und Gripen-Jets – und allem, was ihr der Ukraine liefern könnt.“ Melnyk ist inzwischen stellvertretender Außenminister seines Landes.

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