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Selbstmordanschlag : Mehr als 40 Bedürftige in Pakistan getötet

  • Aktualisiert am

Ein beim Bombenattentat verletzter junger Mann wird ins Krankenhaus nach Peshawar gebracht. Bild: dpa

Vor einem Versorgungszentrum für Flüchtlinge im Nordwesten Pakistans hat eine Selbstmordattentäterin mehr als 40 Personen mit in den Tod gerissen und weitere gut 70 Personen verletzt. In Afghanistan wurde ein deutscher Entwicklungshelfer Opfer eines Anschlags.

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          Vor einem Versorgungszentrum für Flüchtlinge im Nordwesten Pakistans hat eine Selbstmordattentäterin am Samstag mehr als 40 Personen mit in den Tod gerissen und weitere gut 70 Personen verletzt. Das teilten die Behörden der Stammesregion Bajur im Grenzgebiet zu Afghanistan mit.

          Der amerikanische Präsident Obama verurteilte den Angriff. Unschuldige Menschen an einer Essensausgabe zu töten sei „ein Affront gegen das Volk Pakistans und gegen die ganze Menschheit“. Weiter hieß es in der am Samstagabend vom Weißen Haus verbreiteten Erklärung: „Die Vereinigten Staaten stehen in diesen schwierigen Zeiten an der Seite Pakistans und werden die Anstrengungen des Landes für mehr Frieden, Sicherheit und Gerechtigkeit für sein Volk unterstützen.“

          Ein Vergeltungsakt der Taliban

          Die pakistanischen Taliban hatten sich der Tat bezichtigt, der sich gegen Flüchtlinge wandte, die sich vor Kämpfen zwischen Sicherheitskräften und Extremisten in Sicherheit bringen wollten. Ein Taliban-Sprecher sprach von einem Vergeltungsakt gegen den Volksstamm der Salarzai bezeichneten. Die Salarzai haben die pakistanische Armee in ihrem Kampf gegen die radikal-islamistischen Aufständischen maßgeblich unterstützt; schon im Jahr 2008 stellte der Stamm eine Miliz im Kampf gegen die Taliban auf. Der Taliban-Sprecher sagte, die Taliban würden alle angreifen, die gegen die Islamisten kämpften, unabhängig davon, ob es sich um Sicherheitskräfte oder um Stammesmilizen handle.

          Die Attentäterin hatte sich nach Behördenangaben unter die Bedürftigen in der Stadt Khar gemischt; sie trug eine Burka. Als die Polizei die Frau aufgefordert habe, sich auszuweisen, habe sie zunächst Handgranaten gezündet und daraufhin ihren Sprengstoffgürtel zur Detonation gebracht. Sechs Polizisten zählten zu den Todesopfern.

          Die Ausgabestation für Lebensmittel hatte das Welternährungsprogramm (WFP) der Vereinten Nationen betrieben. Sie blieb ebenso wie drei andere Lebensmittelausgabestellen des WFP in der Region am Sonntag bis auf weiteres geschlossen. Nach dem Selbstmordanschlag habe die Regionalregierung die vorübergehende Schließung der vier Zentren in Nordwestpakistan angeordnet, sagte ein WFP-Sprecher. Das WFP gibt Nahrungsmittel an Tausende Menschen in Bajur aus, die vor Kämpfen zwischen Aufständischen und Streitkräften in der Region Anfang vergangenen Jahres geflüchtet waren. Die staatlichen Sicherheitskräfte haben in Bajur bereits zwei Mal den Sieg über die Taliban und das mit ihnen verbündete Terrornetz Al Qaida erklärt, zuletzt Anfang dieses Jahres. Dennoch kommt es in dem Gebiet immer wieder zu Gewalttaten.

          Bei zweitägigen Kämpfen in der benachbarten Stammesregion Mohmand wurden nach Militärangaben am Freitag und Samstag mehr als 60 militante Islamisten getötet. Die Gefechte begannen am Freitagabend, als 150 Bewaffnete bei koordinierten Angriffen fünf Kontrollposten in Mohmand überfielen und elf Soldaten töteten.

          Deutscher Entwicklungshelfer in Afghanistan getötet

          Nach einem Anschlag in Afghanistan ist ein deutscher Entwicklungshelfer seinen schweren Verletzungen erlegen. Wie das Entwicklungsministerium in Berlin mitteilte, war im nordafghanischen Qhashqargan an Heiligabend ein mit vier Personen besetztes Fahrzeug der deutschen Entwicklungszusammenarbeit beschossen worden. Unter den Insassen war auch der getötete deutsche Berater der KfW-Entwicklungsbank. Ein afghanischer Mitarbeiter wurde leicht verletzt. Die Opfer des Anschlags waren Mitarbeiter eines Projekts, das den Bau einer Straße zwischen Kholm und Kundus koordiniert.

          Bundesentwicklungsminister Dirk Niebel (FDP) sprach der Familie des Getöteten sein „tief empfundenes Mitgefühl“ aus. „Der feige Anschlag, der sich gegen die Interessen der lokalen Bevölkerung richtet, zeigt einmal mehr die Gefahren auch des zivilen Wiederaufbaus in Afghanistan“, sagte Niebel.

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