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Seeräuber nehmen Kurs auf Somalia : Saudischer Super-Tanker entführt

  • Aktualisiert am

Der entführte Supertanker „Sirius Star” (Archivaufnahme) Bild: AP

Somalische Piraten haben vor der kenianischen Küste einen saudi-arabischen Öltanker entführt - es ist das bislang größte gekaperte Schiff am Horn von Afrika. Noch nie haben Piraten so weit auf offenem Meer zugeschlagen.

          Somalische Seeräuber haben einen 330 Meter langen saudischen Öltanker vor der kenianischen Küste gekapert - das größte Schiff, das sie in den letzten Monaten in ihre Gewalt brachten. An Bord der bereits am Wochenende entführten „Sirius Star“ seien 25 Besatzungsmitglieder, teilte die amerikanische Botschaft in Nairobi mit. Erstmals schlugen die somalischen Seeräuber damit weit außerhalb ihres üblichen Operationsgebietes zu.

          Der Super-Tanker von der Größe eines Flugzeugträgers sei etwa 800 Kilometer südöstlich der kenianischen Hafenstadt Mombasa gekapert worden. Der Supertanker ist am Dienstag vor der somalischen Hafenstadt Harardere vor Anker gegangen. in der selbsterklärten halbautonomen Region Puntland im Norden Somalias. Über genaue Forderungen der Entführer wurde zunächst nichts bekannt.

          Zwei Millionen Barrel Öl, Marktwert: knapp 80 Millionen Euro

          Lösegeldforderungen variieren derzeit zwischen 500.000 und zwei Millionen Dollar. Diesmal dürfte die Forderung jedoch höher liegen: Der Tanker hat nach Angaben aus Saudi-Arabien zwei Millionen Barrel Öl mit einem Marktwert von etwa 79 Millionen Euro geladen.

          Somalische Piraten, nachdem sie ein mit Panzern beladenes Frachtschiff gekapert haben

          Städte wie Harardere und Eyl gelten als Hochburgen der Piraten in Somalia, zahlreiche andere gekaperten Schiffe liegen dort vor Anker. Die Piraten, zum Teil verarmte Fischer, greifen in der Regel mit kleinen Schnellbooten an und sind mit Maschinengewehren, Granaten und Panzerfäusten ausgestattet. Eine funktionierende Küstenwache gibt es in Somalia nicht.

          Zur Mannschaft gehören auch Briten, Polen, Italiener, Kroaten und Philippiner

          Nach Angaben des Außenministeriums in London sind auch zwei Briten an Bord des erst im März fertig gestellten Schiffes, das unter liberianischer Flagge fährt. Zudem sollen Kroaten, Polen, Philippiner, Italiener und Saudis zur Mannschaft gehören. Die philippinische Regierung forderte verstärkte Sicherheitsmaßnahmen in der Region. Eine Sprecherin verwies am Montag auf die mehr als 90 philippinischen Seeleute, die sich zum Teil seit Monaten in der Gewalt von Piraten befänden.

          Allein bis Ende September gab es mehr als 60 Piratenüberfälle vor der somalischen Küste. Insgesamt wurden seit Jahresbeginn 63 Zwischenfälle gemeldet. Erst in der vergangenen Woche kaperten somalische Piraten im Golf von Aden ein philippinisches Frachtschiff mit 23 Besatzungsmitgliedern an Bord. Einen zweiten Piratenangriff im Golf von Aden konnte die indische Kriegsmarine verhindern, als ein indisches Kriegsschiff einen Notruf des indischen Handelsschiffes „MV Jag Arnav“ empfing.

          Die EU will Mitte Dezember Kriegsschiffe in den Golf von Aden schicken

          Der Golf von Aden gilt als der gefährlichste Seeweg für Handelsschiffe überhaupt, weil dort Seeräuber aus dem Bürgerkriegsland Somalia ihr Unwesen treiben. Ziel der Piraten ist es meist, Lösegelder in Millionenhöhe zu erpressen. Mindestens zwölf Schiffe und rund 250 Besatzungsmitglieder sollen sich noch in der Hand der Seeräuber befinden, darunter auch der ukrainische Frachter „Faina“ mit 33 Kampfpanzern an Bord.

          Der Vorfall ereignete sich fernab der Präsenz der drei Nato-Schiffe, die die Sicherheit rund um den Golf von Aden verbessern sollen. Die EU will von Mitte Dezember an fünf bis sieben Schiffe in den Einsatz gegen die Seeräuber schicken.

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