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Migranten auf „Alan Kurdi“ : Seenotretter werfen maltesischer Regierung Erpressung vor

  • Aktualisiert am

Ein tunesischer Migrant wird am Montag von Bord der Alan Kurdi gebracht. Bild: Reuters

Eine Hängepartie ist beendet – auch der letzte Migrant darf von der „Alan Kurdi“ in Malta an Land gehen. Nun erheben die Seenotretter schwere Vorwürfe gegen die Regierung.

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          Für die auf dem deutschen Rettungsschiff „Alan Kurdi“ verbliebenen Migranten gibt es nach tagelanger Blockade auf dem Mittelmeer eine Lösung. Zwei EU-Länder hätten sich zur Aufnahme der fünf verbleibenden Migranten bereit erklärt, teilte die maltesische Regierung am Dienstag mit. Die Migranten sollten nicht in Malta bleiben.

          Die Organisation für Seenotrettung „Sea-Eye“ kritisierte, die maltesische Regierung habe sie unter Druck gesetzt, ihren gerichtlichen Protest aufzugeben. „Malta hat uns erpresst“, sagte Gorden Isler, Sprecher der Organisation, gegenüber dem „Spiegel“, „wir hätten unseren gerichtlichen Protest nicht zurückgezogen, wären die Migranten nicht evakuiert worden. Die maltesische Regierung entfernt sich damit weiter von etablierten rechtsstaatlichen Grundsätzen“.

          Die Organisation „Sea-Eye“ wollte gerichtlich entscheiden lassen, ob Malta für die „Alan Kurdi“ und die aus dem Mittelmeer geretteten Flüchtlinge zuständig ist. „Hätte und das Gericht Recht gegeben, wäre klar geworden, dass Malta Hilfe zu Unrecht verweigert hat“, sagte Isler weiter.

          Auch Italien kritisierte Isler. Die italienische Politik habe sich gegenüber Seenotrettern auch nach dem Ausscheiden der fremdenfeindlichen Lega aus der Regierung nicht geändert. Italien hatte der „Alan Kurdi“ die Einfahrt in einen italienischen Hafen verwehrt. 

          Auf der Suche nach einer Lösung

          Das Schiff der Regensburger Organisation „Sea-Eye“ hatte vor etwa zehn Tagen 13 Migranten auf dem Mittelmeer aufgenommen, die meisten wurden schon zuvor als Notfälle an Land gebracht. Die Menschen kommen nach Angaben der NGO aus Tunesien. Sie werden nun von maltesischen Armeeschiffen an Land gebracht.

          Nun ist noch das Rettungsschiff „Ocean Viking“ mit 84 Bootsflüchtlingen auf dem Meer blockiert. Das Boot darf – wie so viele andere Schiffe zuvor – bisher weder in Malta noch in Italien anlegen.

          Auf der Suche nach einer Lösung, wie Bootsflüchtlinge innerhalb der EU verteilt werden sollen, könnte es jedoch bald Fortschritte geben. Am 23. September hat Malta Vertreter Deutschlands, Frankreichs, Italiens, des EU-Ratsvorsitzenden Finnland sowie der EU-Kommission in die maltesische Stadt Vittoriosa eingeladen, wie eine Sprecherin des maltesischen Innenministeriums bestätigte. Das ursprünglich für den 19. September vorgesehene Treffen hatte zunächst wegen Terminproblemen verschoben werden müssen.

          Die Übergangsregelung soll verhindern, dass Italien und Malta Schiffen mit geretteten Migranten an Bord weiter die Einfahrt in ihre Häfen versagen. Beide Länder hatten dies zuletzt mehrfach getan und gefordert, dass andere EU-Staaten vorher zusagen, alle Migranten an Bord der Schiffe aufzunehmen. Die Menschen mussten daraufhin oft für mehrere Wochen auf den Schiffen ausharren.

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