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Seenotretter im Mittelmeer : Gefangen auf offener See

Das deutsche Schiff „Lifeline“ darf weiter nicht an einem italienischen HAaen anlegen. Bild: AP

Italien bleibt unerbittlich gegenüber ausländischen Rettungsschiffen mit Migranten an Bord. Für Innenminister Salvini sind sie Helfershelfer der Schlepper. Auch ein deutsches Schiff ist von der Blockade betroffen.

          Im Streit der italienischen Regierung mit Rettungsschiffen internationaler Hilfsorganisationen im Mittelmeer setzen beide Seiten die Politik der Zuspitzung fort. Der Kapitän des Schiffes „Lifeline“ der Dresdner Organisation Mission Lifeline, Claus-Peter Reisch, wurde am Sonntag von der italienischen Tageszeitung „Corriere della Sera“ mit den Worten zitiert: „Wenn mich der Minister Salvini festnehmen will, dann soll er mich persönlich holen kommen.“ Innenminister Matteo Salvini von der rechtsnationalistischen Lega hatte am Freitag die maltesische Regierung aufgefordert, Rettungsschiffe ausländischer Hilfsorganisationen zu beschlagnahmen und deren Besatzungen festzunehmen.

          Matthias Rüb

          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          „Italien anlaufen? Das können sie vergessen!“, schrieb Salvini am Samstag auf Facebook und fügte hinzu, er werde im Mittelmeer „den Schleppern und der Mafia das Handwerk legen“. Salvini hat ein allgemeines Hafenverbot für ausländische Rettungsschiffe mit Migranten an Bord verhängt.

          Die „Lifeline“ befand sich am Sonntag mit mehr als 230 Migranten an Bord südlich von Malta im Mittelmeer und wartete auf die Genehmigung zum Einlaufen in einen nahe gelegenen Hafen. Das Schiff ist nur für die Aufnahme von etwa 50 Geretteten ausgelegt. Die Regierung in Rom beschuldigt die Besatzungen der „Lifeline“ sowie auch der „Seefuchs“ der Hilfsorganisation Sea-Eye aus Regensburg, ohne rechtliche Grundlage unter niederländischer Flagge zu fahren. Die deutschen Organisationen weisen dies zurück. Zudem wirft die neue populistische Koalitionsregierung in Rom ausländischen Hilfsorganisationen im Mittelmeer vor, Helfershelferdienste für Schlepperbanden und Menschenhändler zu verrichten. Sowohl Italien wie Malta bezichtigen die Besatzung der „Lifeline“, gegen internationales Recht verstoßen zu haben, als sie vor der libyschen Küste Migranten an Bord nahm, obwohl die libysche Küstenwache bereits im Einsatz gewesen sei.

          Nur fünf Flüchtlinge durften an Land

          Am Sonntag erwartete die „Lifeline“ Versorgungslieferungen aus Malta mit Decken, Medikamenten und Nahrung, unter anderem von der Hilfsorganisation Sea-Eye. Man hoffe auf eine diplomatische Lösung, sagte Axel Steier von Mission Lifeline am Samstag in Dresden. Auf der Suche nach einem Hafen liefen Gespräche mit mehreren Staaten.

          Vor einer Woche hatte das Rettungsschiff „Aquarius“ der Hilfsorganisationen Ärzte ohne Grenzen und SOS Méditerranée mit 630 Flüchtlingen an Bord tagelang im Mittelmeer ausgeharrt, nachdem Italien seine Häfen gesperrt hatte. Auch das dänische Containerschiff „Alexander Maersk“, das am frühen Mittwochmorgen bei der gemeinsamen Rettungsaktion mit der „Lifeline“ 113 Migranten von Schlauchbooten an Bord genommen hatte, wartete am Sonntag noch auf Erlaubnis zum Einfahren in den südsizilianischen Hafen Pozzallo. Am Samstag erlaubten die italienischen Behörden nur fünf sudanesischen Flüchtlingen, unter ihnen eine hochschwangere Frau und ihr Ehemann sowie ein stark dehydriertes acht Jahre altes Kind, von der „Alexander Maersk“ an Land zu gehen.

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