https://www.faz.net/-gpf-14wad

Sebastián Piñera : Der Berlusconi Chiles?

  • -Aktualisiert am

Sebastián Piñera Bild: dpa

Rastlosigkeit und Umtriebigkeit des nun gewählten chilenischen Präsidenten Sebastián Piñera sind sprichwörtlich. Dass er auch Anteile am privaten Sender „Chilevisión“ und am Fußballclub „Colo Colo“ hält, brachte ihm den Ruf ein, der Berlusconi Chiles zu sein.

          2 Min.

          In seiner künftigen Regierung dürfe keine Minute verloren werden, mahnte er seine Leute in einer Rede am Abend nach der Stichwahl, in der er pausenlos Satz auf Satz folgen ließ. Rastlosigkeit und Umtriebigkeit des nun gewählten chilenischen Präsidenten Sebastián Piñera sind sprichwörtlich. Gegenüber der Behäbigkeit des ihm unterlegenen Konkurrenten Eduardo Frei wirkt die rhetorische Motorik Piñeras sogar atemraubend. Sie erklärt zu einem guten Teil, weshalb ihm mehr als die Hälfte der wahlberechtigten Chilenen trotz aller Vorbehalte ihre Stimme gegeben haben: Er war in den beiden Wahlkämpfen einfach gewiefter und alerter.

          Mit den Pfunden seiner Agilität und Geschäftstüchtigkeit weiß Piñera gut zu wuchern. Das hat ihn zu einem der reichsten Männer Chiles werden lassen, mit einem geschätzten Vermögen von mehr als einer Milliarde Dollar. Mit geschickten finanziellen Aktionen wie etwa der Einführung von Kreditkarten in Chile - und nicht „durch seiner Hände Arbeit“, wie manche seiner Landsleute bemängeln - hat er die Grundlage zu seinem Reichtum gelegt. Das war in der Zeit der Pinochet-Diktatur. Da Piñera aber auch über politischen Spürsinn verfügt, hat er sich frühzeitig von Pinochet losgesagt und bei der Volksabstimmung über den weiteren Verbleib des Diktators im Präsidentenamt 1989 nach eigenem Bekenntnis mit „Nein“ gestimmt.

          Bester seines Jahrgangs

          Miguel Juan Sebastián Piñera Echeñique wurde am 1. Dezember 1949 in Santiago geboren, er ist also vor kurzem 60 Jahre alt geworden. Sein Vater war Botschafter in Belgien und bei den Vereinten Nationen. Piñeras Bruder José war Arbeitsminister unter Pinochet. Sebastián studierte von 1968 an Wirtschaftswissenschaften an der Katholischen Universität von Chile und beendete das Studium als Bester seines Jahrgangs, so dass er ein Stipendium für die Harvard University in Boston bekam. Dort promovierte er auch. 1976, also mitten in der Pinochet-Diktatur, kehrte er nach Chile zurück. Er war danach bei der Wirtschaftskommission für Lateinamerika und die Karibik tätig und lehrte an der Katholischen Universität in Santiago.

          Dass Piñera ein Haupt-Eigner der größten chilenischen Fluggesellschaft ist sowie Anteile am privaten Fernsehsender „Chilevisión“ und am populären chilenischen Fußballclub „Colo Colo“ hält, brachte ihm den Ruf ein, der Berlusconi Chiles zu sein. Mit der Frivolität und Abgebrühtheit des italienischen Staatspräsidenten kann es Piñera aber nicht ganz aufnehmen. Am Wahlabend trat er vor seinen enthusiastisch ihm zujubelnden Landsleuten zusammen mit seiner Ehefrau Cecilia Morel Montes und seinen vier Kindern auf - und beschwor emphatisch die Treue zu seiner Familie.

          Während des Wahlkampfs zum Stichentscheid hatte Piñera von unerwarteter Seite Schützenhilfe erhalten. Der peruanische Literat Mario Vargas Llosa lobte ihn überschwenglich. „Er repräsentiert den Idealismus, er ist großzügig, Lateinamerika braucht Führungspersönlichkeiten wie ihn“, hatte der Schriftsteller während seines Besuchs in Santiago gesagt, wo er an der Einweihung eines Museums zur Erinnerung an die Opfer der Militärregierung von Augusto Pinochet teilzunehmen gedachte.

          Weitere Themen

          Thailands König entzweit Familien

          Proteste gegen Rama X. : Thailands König entzweit Familien

          Die junge Thailänderin Nan demonstriert in Bangkok für eine Einschränkung der königlichen Rechte. Sie will nicht vom reichsten Monarchen der Erde regiert werden. Ihre Eltern aber wollen nicht an den Traditionen rütteln.

          Topmeldungen

          Zwischen Angst und Wut: Unter den Demonstranten in Thailand sind viele junge Frauen, die sich von den Traditionen ihrer Eltern abwenden.

          Proteste gegen Rama X. : Thailands König entzweit Familien

          Die junge Thailänderin Nan demonstriert in Bangkok für eine Einschränkung der königlichen Rechte. Sie will nicht vom reichsten Monarchen der Erde regiert werden. Ihre Eltern aber wollen nicht an den Traditionen rütteln.
          Schwierige Partner: Polens Ministerpräsident Mateusz Morawiecki und EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen

          Polens Außenminister : Die EU-Verträge sind heilig

          In Europa gilt das Einstimmigkeitsprinzip. In den Regelungen für die Corona-Hilfe soll das nun rechtswidrig umgangen werden. Polen muss mit einem Veto drohen, um einen drohenden Vertragsbruch abzuwenden. Ein Gastbeitrag.
          Lange Schlangen vor den Supermärkten sind auch vor Weihnachten wieder zu erwarten.

          So reagiert der Handel : Lange Schlangen und gähnende Leere befürchtet

          Wenige Wochen vor dem Weihnachtsfest hat die Bundesregierung die Corona-Maßnahmen noch einmal verschärft – sehr zum Ärger des hiesigen Handels. Gerade Supermärkte haben für die Regeln nur wenig Verständnis.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.