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„Sea Watch 3“-Kapitänin : „Machen können wir im Zweifelsfall ohnehin nichts“

  • Aktualisiert am

Carola Rackete will Italien derzeit nicht verlassen und hält sich an einem geheimen Ort auf Sizilien auf. Bild: AFP

Weil sie noch einmal vernommen werden soll, hält Carola Rackete es derzeit für unsinnig, Italien zu verlassen. Das erklärte der Vater der freigelassenen „Sea Watch“-Kapitänin. Seine Tochter sei jedoch trotz allem „guter Dinge“.

          Carola Rackete will nach Angaben ihres Vaters auf jeden Fall bis zur zweiten Vernehmung am kommenden Dienstag in Italien bleiben. Sie vermeide es aus Überzeugung zu fliegen. Deshalb sei es aus ihrer Sicht unsinnig, Italien jetzt zu verlassen, sagte Ekkehart Rackete aus dem niedersächsischen Hambühren in einem Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst. „Und ich halte es auch nicht für sinnvoll.“ Sie sei an einem geheimen Ort auf Sizilien gut untergebracht und stimme sich eng mit den Anwälten von Sea-Watch ab. „Sie ist nach wie vor lustig und guter Dinge.“

          Bei der Vernehmung werde es um den Vorwurf der Beihilfe zur illegalen Einwanderung gehen, sagte der 74-Jährige, der noch am Mittwoch mit seiner Tochter telefoniert hat. Dabei könne möglicherweise positiv für sie gewertet werden, dass sie mit der „Sea-Watch 3“ bereits auf hoher See gewesen sei, als Italien am 11. Juni das entsprechende Dekret über Strafbarkeit von Seenotrettung verabschiedet habe. „Ich weiß nicht, ob ihr das Dekret bekannt war.“

          „Erst Mal nach Chile oder an den Baikalsee“

          Er gehe aber auf jeden Fall davon aus, dass seine Tochter auf freiem Fuß bleiben werde, sagte Rackete. Bis es zu einem Prozess komme, werde es vermutlich noch Monate oder Jahre dauern. Was Carola vorhabe, wisse er nicht. Natürlich hoffe er, sie bald wiederzusehen. „Aber wenn sie sagen würde, sie will erst Mal nach Chile oder an den Baikalsee fahren, wo sie weitab vom Schuss ist, könnte ich es verstehen.“

          Der Medienrummel um ihre Person habe seine Tochter überrascht, berichtete der pensionierte Elektroingenieur. Auch wenn sie als Kapitänin sicher nach reiflicher Überlegung und nicht blauäugig mit den Flüchtlingen an Bord in den Hafen auf Lampedusa eingefahren sei: „In der Öffentlichkeit stehen, nach dem Motto Deutschland sucht den Superstar, davor hat sie einen Horror.“ Ob sie Anfragen für Talkshows, die er ihr weitergeleitet habe, annehmen werde, wolle sie erst noch überlegen. „Das wird sie nur machen, wenn sie der Meinung ist, dass es der Sache dient.“

          Sorgen machten er und seine Frau sich nach wie vor nicht, sagte Rackete, der 13 Jahre bei der Bundeswehr war und Oberstleutnant der Reserve ist. Auch Drohungen, die bei Sea-Watch eingegangen seien, beunruhigten sie nicht allzu sehr. Ihre Tochter sei unter ihrem Namen nirgendwo zu finden. Sie habe keinen Account bei Facebook oder anderswo.

          Außerdem sei ihre Tochter schon immer in der ganzen Welt unterwegs gewesen, auf Schiffen, aber oft auch alleine. „Sie ist durch Südamerika getrampt und mit dem Mountainbike um den Baikalsee gefahren.“ Wenn es ihr möglich sei, melde sie sich – auch schon Mal per Satellitentelefon von einem Forschungsschiff aus der Antarktis. Carola habe sie gebeten, sich keine Sorgen zu machen. Solange sie nichts von ihr hörten, sei alles in Ordnung, sagte Rackete. „Machen können wir im Zweifelsfall ohnehin nichts. Man kann nur beten und hoffen, dass das hilft.“

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