https://www.faz.net/-gpf-14ufg

Scott Brown : Kennedys Erbe

  • -Aktualisiert am

Scott Brown Bild: REUTERS

Scott Brown hat den Senatssitz erobert, den die Kennedy-Dynastie Jahrzehnte lang in Besitz hatte. Buchstäblich über Nacht gelang dem 50 Jahre alten Republikaner der Aufstieg vom Provinzpolitiker zur nationalen politischen Größe.

          2 Min.

          Vor wenigen Wochen kannte kaum jemand Scott Brown. Am ersten Jahrestag von Barack Obamas Amtseinführung aber bestimmte nicht der Präsident der Demokraten die politische Debatte, sondern ein 50 Jahre alter Republikaner aus dem erzliberalen Neuenglandstaat Massachusetts, dem buchstäblich über Nacht der Aufstieg vom Provinzpolitiker zur nationalen politischen Größe gelang.

          Matthias Rüb

          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Als Scott Brown am 12. September 1959 in Wakefield bei Boston geboren wurde, hatte die Kennedy-Dynastie den Sitz im Washingtoner Senat, den Brown jetzt eroberte, längst in Besitz genommen; und sie hielt an ihm bis zum Tod Senator Edward Kennedys im August 2009 fest. Der spätere Präsident John F. Kennedy hatte den Sitz erstmals 1952 errungen, und als er 1960 zum Präsidenten gewählt wurde, fand sich ein Platzhalter mit dem passenden Allerweltsnamen Ben Smith, um den Sitz so lange für die Demokraten warm zu halten, bis Edward - der jüngste der Kennedy-Brüder - das erforderliche Mindestalter von 30 Jahren erreicht haben würde. Prompt wurde „Ted“ 1962 erstmals zum Senator gewählt - und danach immer wieder.

          Eine persönliche Niederlage Obamas

          Ohne sich sonderlich um die Auswahl von Kandidaten zu kümmern, wurde vom verkrusteten Parteiapparat der Demokraten in Massachusetts die wackere, aber blasse Justizministerin Martha Coakley ins Rennen um den Sitz der Kennedys geschickt. Dass Brown ein starker, eloquenter und gutaussehender Gegner war, merkten die Demokraten erst, als es zu spät war.

          Vor der Wahl war Brown praktisch unbekannt

          Präsident Obama stürzte sich am Wochenende noch selbst in den Wahlkampf, doch wie zuvor schon bei den Gouverneurswahlen in Virginia und New Jersey konnte er eine abermalige Niederlage nicht verhindern. Der Republikaner Brown siegte in einem Bundesstaat, dessen komplette Vertretung im Kongress - die beiden Senatoren und die acht Abgeordneten im Repräsentantenhaus - von den Demokraten kontrolliert wird. Zudem halten die Demokraten alle wichtigen Posten in Massachusetts selbst - von Gouverneur Deval Patrick bis zu Hauptstadtbürgermeister Thomas Menino. Deshalb ist der Sieg Browns für sich genommen schon ein historisches Ereignis. Und er ist die Strafe der Wähler für eine „Staatspartei“, die das Volk von Massachusetts zuletzt nur noch als ihr Stimmvieh betrachtet hatte.

          Vor allem aber ist Scott Browns Sieg eine Niederlage für den Präsidenten. Der hatte die Gesundheitsreform zu seinem innenpolitischen Hauptanliegen erkoren, und Brown hatte in seiner klugen und energischen Kampagne die Senatswahl zum Referendum über die Gesundheitsreform gemacht. Neben den Republikanern wollen vor allem die unabhängigen Wähler die billionenteure Gesundheitsreform nicht und beraubten die Demokraten ihrer bisherigen Dreifünftelmehrheit im Senat.

          Scott Brown studierte an der Tufts- Universität und an der Boston College Law School die Rechte und ist Rechtsanwalt für Familienrecht. Mit 19 Jahren trat er der Nationalgarde bei. Seine politische Laufbahn begann 1998 mit der Wahl in das Repräsentantenhaus von Massachusetts.

          Weitere Themen

          Die Sehnsüchte sind vom Tisch Video-Seite öffnen

          „Get Brexit done“ : Die Sehnsüchte sind vom Tisch

          Großbritannien hat sich entschieden: Boris Johnson bleibt Premierminister – und soll das endlose Brexit-Thema schnell beenden. F.A.Z.-Außenpolitikchef Klaus-Dieter Frankenberger ordnet im Video das Labour-Desaster und den großen Sieg der Konservativen ein.

          Topmeldungen

          Stuttgarter Neuzugang: Silas Wamangituka kam von Paris FC in die zweite Bundesliga

          VfB-Profi Silas Wamangituka : Ein zweiter „Fall Jatta“?

          Einem Medienbericht zufolge soll der Stuttgarter Königstransfer Silas Wamangituka unter falschem Namen spielen und auch bei seinem Alter falsche Angaben gemacht haben. Gegenüber der F.A.Z. hat der VfB Stuttgart nun Stellung bezogen.

          Neue Häuser : Holz trifft Beton

          Der Baustoff aus dem Wald ist flexibel und ökologisch. Doch manchmal braucht er eine harte Gründung, wie dieser Bau in Brandenburg zeigt.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.