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Papst-Besuch auf Zypern : Der Stacheldraht glitzert in der Sonne

Papst Franziskus während der Heiligen Messe im GSP-Stadion in Nikosia auf Zypern. Bild: dpa

In Astromeritis wird anschaulich, wie schwierig die Mission von Papst Franziskus auf Zypern ist. Denn Nikosia lässt wieder Zäune bauen. Nicht, um sich an der Demarkationslinie gegen den Norden abzusichern. Sondern um Migranten abzuhalten.

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          Astromeritis stand nicht auf dem Besuchsprogramm der Zypern-Reise von Papst Franziskus. Das Städtchen mit gut 2300 Einwohnern liegt rund dreißig Kilometer westlich der Hauptstadt Nikosia in einer kargen Landschaft. In Astromeritis gibt es einen von sechs Übergängen zwischen dem griechischen Südteil und dem türkischen Norden der geteilten Insel. Die Pufferzone entlang der Waffenstillstandslinie von 1974 wird seit fast fünf Jahrzehnten von UN-Blauhelmen gesichert und überwacht. Die Friedensmission auf Zypern ist eine der ältesten und „langlebigsten“ der UN.

          Matthias Rüb
          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          In und um Astromeritis steht entlang der Demarkationslinie ein inzwischen gut elf Kilometer langer Verhau aus doppelten Stacheldrahtrollen. Zwar gibt es Stacheldrahtzäune auch anderswo entlang der insgesamt 180 Kilometer langen „grünen Linie“. Aber dabei handelt es sich meistens um gewissermaßen historischen Stacheldraht, der schon vor Jahr und Tag von griechischen, türkischen oder UN-Truppen zur Sicherung der Front- und Demarkationslinie angebracht wurde und längst korrodiert ist.

          Viel mehr Migranten als im Vorjahr

          Der Stacheldraht von Astromeritis aber glitzert hell in der Sonne. Denn er ist neu. Er dient nicht der Sicherung eines längst nicht mehr labilen Waffenstillstands zwischen türkischen und griechischen Truppen. Sondern er soll illegale Migranten vom Übertritt über die faktisch offene „grüne Linie“ abhalten. Innenminister Nicos Nouris begründete den Bau des Grenzzauns mit dem fortgesetzten Zustrom von Migranten. Die Republik Zypern sei dadurch in einen Notstand geraten.

          Im griechischen Teil der Insel sind bis Ende Oktober fast 11.000 Migranten angekommen, gut 38 Prozent mehr als im gesamten Vorjahr. Mehr als 9000 von ihnen kamen über die „grüne Zone“ aus dem türkisch besetzten Drittel im Norden der geteilten Insel. Nach Nordzypern waren die Migranten nach Überzeugung der Regierung in Nikosia mit Duldung und Wissen Ankaras vom türkischen Festland gekommen, ehe sie beim Übertritt über die „grüne Linie“ in den griechischen Süden der Insel erstmals EU-Territorium betraten und dort ihren Asylantrag stellten. De jure ist ganz Zypern seit 2004 EU-Mitglied, de facto ist es aber nur der griechische Südteil mit seinen etwa 850.000 Einwohnern, die zu 93 Prozent zur autokephalen zyprisch-orthodoxen Kirche gehören.

          Stacheldraht entlang der Demarkationslinie zwischen Nord- und Südzypern nahe Astromeritis im März 2021
          Stacheldraht entlang der Demarkationslinie zwischen Nord- und Südzypern nahe Astromeritis im März 2021 : Bild: AP

          In der „Türkischen Republik Nordzypern“, die nur von Ankara anerkannt wird, leben rund 320.000 einheimische und zugewanderte Türken, ganz überwiegend sunnitische Muslime. Derzeit sind etwa 47.000 türkische Truppen in Nordzypern stationiert. Die Migranten werden beim Übertritt vom Norden in den Süden Zyperns weder von den türkischen Truppen noch von den UN-Soldaten gehindert. Zypern verzeichnet unter allen EU-Staaten den höchsten Anteil an Migranten im Verhältnis zur Einwohnerzahl. Um die „grüne Linie“ auf ihrer ganzen Länge zu sichern, hat die Regierung in Nikosia nach Presseberichten jetzt ein israelisches Unternehmen mit der Errichtung eines Überwachungssystems beauftragt. Bis dahin werde man bekannte Fluchtrouten aus dem Norden mit weiteren Kilometern Stacheldrahtrollen blockieren, versichert Innenminister Nouris.

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