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Schwester Leonella : Tod einer Nonne

  • -Aktualisiert am

Letztes Geleit für die ermordete Schwester Leonella Bild: AFP

Die in Mogadischu erschossene Ordensschwester ist am Donnerstag beigesetzt worden. Die engagierte Frau kannte die Gefahr ihr Leben lang. Trotzdem ließ sie sich bis zu ihrem gewaltsamen Tod nicht von ihrer Arbeit abbringen.

          Sie habe immer gewußt, daß es irgendwo in Somalia eine Kugel gebe, auf der ihr Name stehe. Doch für Schwester Leonella Sgorbati vom Orden der Consolata-Missionarinnen war das kein Grund zur Verzweiflung. „Sie war ein fröhlicher Mensch und hat stets versucht, das Leben mit Humor zu nehmen, auch wenn das nicht immer einfach war“, sagt Schwester Josephine, Oberin des Ordens in Ostafrika und seit fast 30 Jahren eng mit Schwester Leonella befreundet.

          Am Donnerstag ist die vergangenen Sonntag in Mogadischu auf offener Straße erschossene katholische Ordensschwester in der kenianischen Hauptstadt Nairobi beigesetzt worden. Ihre Mörder waren allem Anschein nach fanatische Muslime, die sich so für die vermeintlich islamkritischen Äußerungen Papst Benedikts XVI. rächen wollten, die dieser während seines Besuchs in Deutschland gemacht hatte. Einen Tag vor dem Mord hatte ein Prediger in Mogadischu gesagt, wer auch immer den Propheten Mohammed beleidige, müsse vom dem Muslim getötet werden, der sich in der Nähe befinde.

          Nicht ohne bewaffnete Begleiter

          Der Islam ist in Somalia Staatsreligion, 99,8 Prozent der Bevölkerung sind sunnitische Muslime, nur 0,1 Prozent Christen. Das Land am Horn von Afrika gehört zu den ärmsten und am wenigsten entwickelten Staaten der Welt. Nirgendwo sonst haben Kinder so schlechte Chancen, das Erwachsenenalter zu erreichen. Es gibt kaum sauberes Wasser, Krankheiten wie Cholera und Malaria sind weit verbreitet. Mehr als zwei Drittel der Somalis können weder lesen noch schreiben. Seit vor 15 Jahren lokale Kriegsherren den Militärdiktator Siad Barre stürzten, herrschen dort Chaos und Anarchie. Bis heute gibt es keine funktionsfähige Regierung. Seit Mai wird die Hauptstadt Mogadischu von einem Rat aus Scharia-Richtern kontrolliert.

          „Voller Begeisterung für diese Aufgabe”: Mordopfer Schwester Leonella

          Schwester Leonella, eine große, robuste Frau, war sich der Gefahr bewußt, in der sie in Somalia lebte und arbeitete. Das SOS-Kinderdorf mit der dazugehörigen Kinderklinik, in der die Missionarinnen als Krankenschwestern tätig sind, wird ebenso wie das Wohnhaus der Ordensfrauen schon seit Jahren streng bewacht. Nach dem Mord sind die drei verbliebenen Schwestern nach Nairobi ausgeflogen worden. Nicht einmal über die Straße gingen die vier Schwestern ohne bewaffnete Begleiter.

          Lebenslange Armut, Keuschheit und Gehorsam

          Trotzdem geriet eine der Schwestern 2001 für mehrere Tage in die Gewalt von Entführern, wurde aber schließlich ohne Lösegeldzahlung freigelassen. Eine andere überlebte im April 2005 nur knapp einen Bombenanschlag. Andere Ausländer hatten weniger Glück: Im Februar vergangenen Jahres wurde eine britische Journalistin erschossen, im Juni dieses Jahres ein schwedischer Kameramann. „Jedes Mal, wenn mich Leonella in unserem Ordenshaus in Nairobi besuchte“, erinnert sich Schwester Josephine, „kam sie darauf zu sprechen, wie gefährlich es in Mogadischu sei. Doch dann pflegte sie zu sagen: ,Dort gehöre ich hin. Das ist es, was Gott von mir will.' Sie war erfüllt von dem Wunsch, ihr Leben und ihre Kraft in den Dienst Gottes zu stellen. Deshalb ist sie Missionarin geworden.“

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