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Schwere Gefechte bei Kundus : Drei deutsche Soldaten in Afghanistan gefallen

Kämpfende Taliban und Zivilisten zeigen sich vor einem ausgebrannten Bundeswehrfahrzeug in Char Dara nahe Kundus, wo am Tag zuvor schwere Gefechte stattfanden Bild: REUTERS

Während schwerer Gefechte mit den Taliban sind am Freitag drei Bundeswehrsoldaten gefallen. Fünf Soldaten wurden schwer verletzt.

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          In der nordafghanischen Provinz Kundus sind an diesem Karfreitag drei Bundeswehrsoldaten in einem Gefecht mit Taliban-Kämpfern gefallen. Das teilte das Einsatzführungskommando in Potsdam mit. Fünf Soldaten seien zudem schwer verwundet worden. Mithin haben 39 Soldaten der Bundeswehr im Afghanistaneinsatz seit 2001 ihr Leben gelassen.

          Stephan Löwenstein

          Politischer Korrespondent mit Sitz in Wien.

          Wie es in der Bundeswehr hieß, sei eine Patrouille im Distrikt Chardara gegen 13 Uhr mit Gewehrfeuer und Panzerfäusten angegriffen worden. Die Soldaten erwiderten das Feuer und versuchten später auszuweichen. Dabei seien sie abermals durch eine Sprengfalle gestoppt worden, die ein Fahrzeug zerstörte.

          Ausgeklügelte militärische Hinterhalte, wie es dieser offenbar war, waren durch Aufständische in der Nordregion, wo die Bundeswehr ihren Einsatzschwerpunkt hat, vor einem Jahr erstmals gelegt worden. Seither hatte es zahlreiche, teils intensive Gefechte gegeben, in denen im vergangenen Jahr insgesamt vier deutsche Soldaten gefallen sind.

          Überfall auf eine Patrouille

          Seitdem am 4. September 2009 Taliban-Kämpfer, die zwei Tanklastwagen entführt hatten, aber offenbar auch Zivilisten durch einen Luftschlag im Kundus-Fluss getötet wurden, waren zunächst keine Gefechte mehr vorgefallen. Das wurde durch Beobachter teils dadurch erklärt, dass die Taliban durch den Luftangriff auch in ihren örtlichen Führungsstrukturen geschwächt worden seien; teils auch durch eine verminderte Operationstätigkeit der deutschen Soldaten der Afghanistanschutztruppe Isaf von Kundus aus. In der ersten Märzhälfte gab es allerdings im Zuge einer umfangreicheren Aufklärungsoperation Feuergefechte, die sich über nahezu eine Woche hinzogen.

          Diesmal handelte es sich nicht um eine vergleichbare Operation, sondern um eine Patrouille. Nachdem sie angegriffen wurde, sei schnell Verstärkung herbeigeführt worden, hieß es. Kampfflugzeuge der Afghanistanschutztruppe Isaf flogen Unterstützung durch Tiefflüge, doch seien zunächst keine Bordwaffen eingesetzt worden. Das Feuergefecht dauerte bis in den Abend an, nahm aber in der Dunkelheit an Intensität ab. Kampfhubschrauber wurden - entgegen anderslautenden Medienberichten - nicht eingesetzt; die amerikanischen Isaf-Kräfte bauen derzeit ein Hubschraubergeschwader in der Nordregion auf. Doch seien die Verwundeten durch Hubschrauber in Sicherheit gebracht worden.

          Vom Spätsommer dieses Jahres an will die Bundeswehr ein neues Konzept in die Tat umsetzen. Es zielt darauf, nicht mehr kurzfristig Präsenz in bestimmten Gebieten zu zeigen, sondern eine begrenzte Fläche zunächst - stets im Zusammenwirken mit afghanischen Sicherheitskräften, die zugleich ausgebildet werden sollen - freizukämpfen und dann zu halten, um der Bevölkerung dauerhaft Sicherheit zu geben. Zugleich soll die zivile Aufbauhilfe verstärkt werden.

          Anteilnahme von Merkel, Guttenberg und Westerwelle

          Bundesentwicklungsminister Niebel (FDP) befindet sich derzeit in Afghanistan, um sich von der Situation ein Bild zu machen. Es ist aber an diesem Freitag nicht in Kundus gewesen, sondern in Mazar-i-Scharif, dem logistischen Hauptstützpunkt der Bundeswehr am Hindukusch.

          Es handele sich um einen „verabscheuungswürdigen und hinterhältigen Angriff“, sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in Berlin. „Mein Mitgefühl gilt in diesen schweren Stunden vor allem den Angehörigen der ums Leben gekommenen und verwundeten Soldaten. Ich trauere mit ihnen um die Opfer.“ Merkel wünschte den verwundeten Soldaten rasche und vollständige Genesung. Mithin haben 39 Soldaten der Bundeswehr im Afghanistaneinsatz seit 2001 ihr Leben gelassen.

          „Mit großer Betroffenheit habe ich heute von den gefallenen und verwundeten deutschen Soldaten in Afghanistan erfahren müssen“, heißt es in einer schriftlichen Stellungnahme des Verteidigungsministers Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU). „Ich bin in Gedanken und Gebeten bei den Soldaten und ihren Familien. Angesichts von Gefechten dieses Ausmaßes wird deutlich, wie gefährlich der gleichwohl notwendige Einsatz in Afghanistan ist.“ Guttenberg unterbrach seinen Osterurlaub. Er wird nach Angaben seines Ministeriums früher nach Deutschland zurückkehren.

          Auch Außenminister Guido Westerwelle (FDP) hat den Angehörigen seine Anteilnahme ausgesprochen. „Ich verurteile diesen hinterhältigen Angriff, der sich nicht nur gegen deutsche Soldaten richtete, sondern auch gegen das ganze afghanische Volk“, sagte Westerwelle an diesem Freitag nach Angaben des Auswärtigen Amtes. „In diesem schweren Moment sind unsere Gedanken bei den Familien und Angehörigen der Opfer. Ihnen gilt unsere tief empfundene Anteilnahme.“

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