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Ausschreitungen in Israel : „Es geht ihnen nicht um Koexistenz“

Israelische Polizisten bei einer Demonstration am 12. Mai in Lod Bild: AP

Nach den Unruhen in Jerusalem ist die Gewalt in vielen gemischten Orten in Israel eskaliert. Besonders schlimm war es in Lod, einer Achtzigtausend-Einwohner-Stadt, in der jeder Dritte einen arabischen Hintergrund hat.

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          Hinter dem Kreisverkehr, in der Peripherie des internationalen Flughafens Ben Gurion, beginnt die Stadt Lod. Eingeschmissene Fenster an der Bushaltestelle. Ein ausgebranntes Auto auf dem Parkplatz. Verkohlte Reste einer Barrikade. Dann kommt die Maoz-Thoraschule neben einer Akademie, die auf den Wehrdienst vorbereitet. Um die Fenster im ersten Stock ist die blaue Farbe rußgeschwärzt. Sicherheitskräfte der paramilitärischen Grenzpolizei stehen vor dem Zaun neben ihren gepanzerten Fahrzeugen. Die Akademie liegt in einem palästinensischen Wohngebiet, in das in den vergangenen Jahren aus ideologischen Gründen vermehrt Juden gezogen sind. Siebzig Prozent der Einwohner haben im altstadtnahen Viertel Ramat Eschkol heute noch arabischen Hintergrund.

          Jochen Stahnke
          Politischer Korrespondent für Israel, die Palästinensergebiete und Jordanien mit Sitz in Tel Aviv.

          Im Hof findet heute ein Familienfest statt. Kinder rutschen eine aufblasbare Rutsche herunter, es gibt ein Buffet mit Gebäck, dazu Plastikbecher und Softdrinks vor dem Eingang, aus dem Männer mit gehäkelter Kippa und Pistolen am Gürtel ein und aus gehen. „Wir können nicht schlafen, es wird immer geschossen um uns herum“, sagt Tsofia Dreyfuss, 37, am Tisch vor der Rutsche. „Meine Nachbarn auf demselben Stockwerk sind Araber, wir haben denen nie etwas getan“, sagt sie, während um sie herum einige ihrer sieben Kinder spielen. „Wir haben in dem Glauben gelebt, dass die Araber uns mögen“, sagt Dreyfuss, „aber jetzt nicht mehr so richtig.“

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