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Hochrisikogebiet : Schweiz zieht Zügel im Kampf gegen Corona an

Alain Berset, Gesundheitsminister der Schweiz, bei der Pressekonferenz am Freitag Bild: dpa

Die Schweiz hinkt beim Impfen weit hinterher. Die Intensivstationen laufen voll. Nun kommt der Wechsel zu 2 G.

          2 Min.

          Deutlich später als die Nachbarländer Deutschland und Österreich verschärft nun auch die Schweiz die Maßnahmen im Kampf gegen die Corona-Pandemie. Wer Zugang zu Restaurants, Museen, Kinos und Veranstaltungen in Innenräumen bekommen will, muss künftig geimpft oder genesen sein (2 G). Bisher gilt noch die 3-G-Regel.

          Johannes Ritter
          Korrespondent für Politik und Wirtschaft in der Schweiz.

          An privaten Treffen in Innenräumen dürfen maximal zehn Personen teilnehmen, falls jemand dabei ist, der nicht geimpft oder genesen ist. Künftig gilt zudem wieder eine Homeoffice-Pflicht. Die Testpflicht bei der Einreise in die Schweiz wird hingegen gelockert. Neben PCR-Tests werden fortan auch Antigen-Schnelltests akzeptiert, die nicht älter als 24 Stunden sind. Geimpfte und genesene Personen müssen sich in den Tagen nach der Einreise kein zweites Mal mehr testen lassen.

          Schweizer „Booster-Blamage“

          Dies hat die Regierung in Bern am Freitag beschlossen. Vorangegangen waren Konsultationen mit den Kantonen. Diese sprachen sich mehrheitlich gegen noch schärfere Einschränkungen aus, die der Bundesrat zur Diskussion gestellt hatte. Aus Sicht vieler Epidemiologen gehen die jetzt beschlossenen Maßnahmen nicht weit genug. Schließlich ist die Sieben-Tage-Inzidenz in der Schweiz mehr als doppelt so hoch wie in Deutschland und dreimal so hoch wie in Österreich. Am Freitag lag der Wert bei 734 Neuinfektionen je 100.000 Einwohner binnen Wochenfrist.

          Deutschland stuft die Schweiz seit Anfang Dezember als Hochrisikogebiet ein. Besonders stark ist das Infektionsgeschehen in ländlichen Deutschschweizer Kantonen wie Obwalden, Schwyz und Appenzell Ausserrhoden, wo viele Impfskeptiker wohnen. Im Durchschnitt des gesamten Landes beträgt die Quote der vollständig geimpften Einwohner gut 66 Prozent. Damit zählt die Schweiz zu den Schlusslichtern in Westeuropa. Sie liegt auch hinter Deutschland und Österreich (jeweils 69 Prozent) und weit hinter Italien (74).

          Auch bei den Auffrischimpfungen hinkt die Eidgenossenschaft mit einer Quote von nur 14,5 Prozent weit hinterher. Während andernorts schon im September mit dem Boostern begonnen wurde, ging das in der Schweiz erst vor wenigen Wochen richtig los. Zur „Booster-Blamage“ (NZZ) hat auch die Zulassungsbehörde Swissmedic beigetragen, die den Stoff für die dritte Impfung viel zu spät freigegeben hat.

          Zudem sah die Eidgenössische Kommission für Impffragen lange keinen Nutzen in der Auffrischimpfung für die breite Bevölkerung. Dies trug mit dazu bei, dass viele Kantone trotz wiederholter Warnungen aus der Wissenschaft unvorbereitet in die nächste Welle schlitterten. Nun rächt es sich, dass zu Herbstbeginn Impfzentren geschlossen wurden. In ihrer Not haben einzelne Kantone jetzt sogar die Armee zu Hilfe geholt, um mit den Booster-Impfungen voranzukommen.

          Schon jetzt sind die Intensivstationen wegen der – ganz überwiegend ungeimpften – Covid-Patienten im Durchschnitt zu mehr als 80 Prozent ausgelastet. Das ist der höchste Stand seit Beginn der Pandemie, wobei aufgrund von Personalmangel heute weniger Stationen betrieben werden können als 2020. Immer mehr Krankenhäuser schlagen Alarm, weil sie wichtige Operationen wegen des Platzmangels auf den Intensivstationen verschieben oder Intensivpatienten in andere Spitäler verlegen müssen.

          Nach Einschätzung der wissenschaftlichen Covid-19 Task Force kann die gewohnte Behandlungsqualität mit der nun erreichten Zahl von Corona-Patienten auf den Intensivstationen nicht mehr aufrechterhalten werden. Folglich finde eine implizite Triage statt. Das würde zum Beispiel bedeuten, dass Erkrankte im Altersheim bleiben müssten, statt ins Krankenhaus gebracht zu werden.

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