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Schweiz : Nicht mehr das, was sie mal war

  • -Aktualisiert am

Insel inmitten verschlossener Schränke: In der Zücher Kantonalbank Bild: REUTERS

In der Schweiz hat sich bei der Vermögensversteuerung viel getan: Das Ausland kommt nun leichter an Daten von Bankkunden, und die Banken selbst greifen härter durch.

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          Die Schweizer sind derzeit in einer ungewohnten Lage: Beim Thema Steueroasen spielen sie erstmals seit langem nur eine Nebenrolle. In der Datenflut der „Offshore-Leaks“ tauchen 70 Gesellschaften aus der Schweiz sowie 300 Personen auf - ein Klacks verglichen mit den bisher genannten 122.000 Trusts und anderen Vermögensvehikeln, auch wenn mit dem verstorbenen Industrie-Erben Gunter Sachs sowie Carmen Thyssen-Bornemisza, der Witwe des Thyssen-Sprosses Hans-Heinrich, zwei prominente Geldanleger auf der Liste der Eidgenossenschaft erscheinen. Daneben könnte die Verstrickung von Schweizer Banken und Treuhändern in die Finanzkonstruktionen an exotischen Plätzen noch manchen Zündstoff bieten. Aber vorerst sagt Finanzministerin Eveline Widmer-Schlumpf erleichtert: „Ich bin froh, dass für einmal auch über andere Finanzplätze diskutiert wird.“ Die Schweiz habe nämlich in den vergangenen Jahren viel gegen Steuerhinterzieher und Betrüger unternommen.

          Die Eidgenossenschaft hat einen weiten Weg hinter sich. Im März 2008 hatte der damalige Finanzminister Hans-Rudolf Merz an die Adresse des Auslands gesagt, am Schweizer Bankgeheimnis „werdet ihr euch noch die Zähne ausbeißen“. Ein Jahr später knickte Merz ein und hob die Unterscheidung zwischen Steuerhinterziehung und Steuerbetrug auf. Die Schweiz erklärte sich nun auch beim Verdacht auf reine Steuerverkürzung ohne größere Betrugsmanöver bereit, dem Ausland auf begründete Anfrage Bankunterlagen zu liefern. Angesichts der hohen Verschuldung in vielen Industrieländern hatte die Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) in Paris mächtig Druck gemacht. In Deutschland jubelte Bundesfinanzminister Peer Steinbrück: „Die Kavallerie in Yuma muss nicht unbedingt ausreiten. Die Indianer müssen nur wissen, dass es sie gibt“ - und bestätigte im Nebeneffekt in Schweizer Augen das Klischee des überheblichen Deutschen.

          Den größten Druck bauten allerdings die Vereinigten Staaten auf. Ihre Strafverfolger enttarnten schon 2007 das Netzwerk, das Manager der Großbank UBS für Steuerflüchtlinge aus ihrem Land errichtet hatten. Am Ende standen 2009 eine Strafzahlung über 780 Millionen Dollar und die Weitergabe von knapp 5000 Kundendaten, abgesichert durch einen Staatsvertrag zwischen beiden Ländern. Im Zuge der weiteren Nachforschungen geriet gut ein Dutzend Schweizer Geldhäuser auf die Verdachtsliste der Amerikaner. Das Ende ist offen, aber der Untergang der Privatbank Wegelin Anfang 2012 stellt eine unmissverständliche Warnung dar.

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