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Nach Terror in Stockholm : „Ich fühle große Trauer und Leere – aber trotzdem Stärke“

  • Aktualisiert am

Passanten in Stockholm legen Blumen am Ort des Anschlags nieder Bild: Reuters

Am Tag nach dem Lastwagen-Attentat in Schwedens Hauptstadt besucht die Kronprinzessin den Anschlagsort. Unterdessen ist sich die schwedische Polizei sicher, dass der festgenommene Mann der Fahrer gewesen ist – und wirft ihm „terroristische Tötung“ vor.

          Schwedens Kronprinzessin Victoria (39) und ihr Mann Prinz Daniel (43) haben am Tag nach dem Anschlag mit einem Lastwagen in Stockholm in der Nähe des Tatorts rote Rosen niedergelegt. „Ich fühle große Trauer und Leere“, sagte die Thronfolgerin laut der Boulevardzeitung „Aftonbladet“ am Samstag. „Aber ich fühle trotzdem eine Stärke, denn die Gesellschaft hat mit enormer Kraft gezeigt, dass wir uns dem hier entgegensetzen.“ Auf die Frage eines Reporters, wie das Land durch diese schwere Zeit kommen solle, antwortete Victoria demnach: „Zusammen.“ Zuvor hatte ihre jüngere Schwester Prinzessin Madeleine (34) auf Facebook geschrieben: „Meine Gedanken sind bei meinem geliebten Stockholm und den Betroffenen und ihren Familien.“ Madeleine lebt mit ihrem Mann Chris O'Neill und ihren beiden Kindern in London.

          Unterdessen hat der nach dem Anschlag in Stockholm festgenommene Mann nach Polizeiangaben „wahrscheinlich“ den Lastwagen gesteuert, der am Freitag in eine Menschenmenge gelenkt worden war. Das sagte ein Polizeisprecher am Samstagmorgen dem schwedischen Radiosender SR. „Wir haben den Verdacht, dass der Mann, der festgenommen wurde, der Angreifer ist.“

          Kronprinzessin Victoria und ihr Ehemann Daniel besuchen den Ort des Anschlags in Stockholm

          Der Mann steht unter Terrorverdacht. Die Sprecherin der Staatsanwaltschaft, Karin Rosander, sagte der Nachrichtenagentur AFP, dem Mann würden „terroristische Tötungen“ zur Last gelegt. Sie führte aus, dass das schwedische Strafrecht mehrere Verdachtsstufen vorsehe und dass für den Verdächtigen die höchste Verdachtsstufe gelte.

          Nach dem Anschlag waren insgesamt zwei Männer festgenommen worden. Einer von ihnen wurde nach Angaben der Staatsanwaltschaft am Freitagabend in Märsta im Norden von Stockholm wegen des Verdachts eines „Terroraktes“ festgesetzt. Dieser Mann soll nach Aussage des Polizeisprechers die Tat begangen haben. Nach Informationen mehrerer schwedischer Medien handelt es sich um einen 39 Jahre alten Usbeken, der ein Anhänger der Dschihadistenmiliz „Islamischer Staat“ (IS) sei. Die Staatsanwaltschaft wollte sich nicht zur Identität des Verdächtigen äußern.

          Über den zweiten Festgenommenen ist bislang nichts offiziell bekannt. Der schwedische Fernsehsender SVT berichtete unter Berufung auf Polizeikreise, der Mann sei im nördlichen Vorort Hjulsta festgesetzt worden. Er soll eine Verbindung zum zuvor inhaftierten Mann haben.

          Angeblich Sprengstoff im Lastwagen

          Das schwedische Fernsehen berichtete zudem unter Berufung auf Polizeiquellen, dass eine explosive Flüssigkeit in dem Lastwagen gefunden wurde. Die Polizei hat auch diese Information bislang nicht offiziell bestätigt.

          „Wir können nicht ausschließen, dass weitere Personen festgenommen werden, aber wir sehen keine Hinweise darauf, dass eine Gefahr für die Allgemeinheit besteht“, sagte der Polizeisprecher weiter. Bei dem mutmaßlichen Terroranschlag in der schwedischen Hauptstadt waren vier Menschen getötet und 15 verletzt worden. Unter den Verletzten sind nach schwedischen Behördenangaben auch Kinder sowie neun Schwerverletzte. Der Anschlag ereignete sich gegen 15 Uhr an der Drottninggatan, der wichtigsten Einkaufsmeile Stockholms. Der Lastwagen raste die Fußgängerzone entlang und krachte schließlich in das Kaufhaus „Ahlens“.

          Die schwedischen Behörden sind unterdessen weiter in Alarmbereitschaft. Zehn Tage lang sollen alle Ausreisenden an den Grenzen kontrolliert werden, sagte Ministerpräsident Stefan Löfven. Innenminister Anders Ygeman sagte dem schwedischen Rundfunk, die Kontrollen könnten um weitere 20 Tage verlängert werden. „Das ist natürlich wichtig, um einen Täter oder eventuelle Helfer daran zu hindern, das Land zu verlassen und sich einer Festnahme der Polizei zu entziehen.“

          Politiker aus mehreren Ländern reagierten mit Bestürzung auf die Ereignisse. So verurteilte Bundeskanzlerin Angela Merkel den Anschlag und sprach den Angehörigen der Opfer und Verletzten ihr Mitgefühl aus: „Unsere Gedanken gehen zu den Menschen in Stockholm, zu Verletzten, Angehörigen, Rettern und Polizisten. Meine tiefe Trauer gilt den Unschuldigen, die ihr Leben verloren haben. Wir stehen zusammen gegen den Terror“, wurde Merkel im Twitteraccount der CDU zitiert.

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