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Schwedens Rechtspopulisten : Stockholm ist ganz weit weg

Jimmie Akesson, der Parteivorsitzende der Schwedendemokraten. Bild: AFP

Wenn Schweden in gut einer Woche gewählt hat, könnten die rechtspopulistischen „Schwedendemokraten“ in den Reichstag ziehen. In Landskrona sind sie schon lange stark. Die Konkurrenz ringt mit ihren Tabus.

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          Als es den Bürgern in Landskrona irgendwann recht gut ging, die Stadt wuchs und die Industrie florierte, da bauten sie sich ein Ausrufezeichen. Gut 60 Meter hoch, weit über allen Dächern der Stadt, ragte der neue Wasserturm am Hafeneingang, dort wo er Touristen beeindrucken und die Schiffe nach Dänemark begleiten sollte. Selbstbewusst war sie, die kleine Stadt am Öresund. Das war 1968.

          Matthias Wyssuwa

          Politischer Korrespondent für Norddeutschland und Skandinavien mit Sitz in Hamburg.

          Dann brach die Textilindustrie zusammen und im Hafen war immer weniger los. Lange hatten sie Wohnungen gebaut für all die neuen Arbeiter. Nun standen sie leer. Heute ist Landskrona nicht mehr die Stadt des Riesenwasserturms. Heute ist Landskrona die Chiffre für ein neues Phänomen: den Rechtspopulismus der Sverigedemokraterna.

          Als 2006 das Kommunalparlament in Landskrona und zugleich der Reichstag in Stockholm gewählt wurden, schafften es die „Schwedendemokraten“ zwar nicht in die Hauptstadt. Landskrona aber nahmen sie mit fliegenden Fahnen ein. 22 Prozent der Wähler stimmten für sie. In gut einer Woche wird wieder gewählt. Diesmal scheint auch Stockholm nicht mehr uneinnehmbar. Die Umfragen sehen die Schwedendemokraten zwischen gut drei und mehr als sechs Prozent. Wer mehr als vier Prozent der Stimmen bekommt, zieht in Schweden ins Parlament ein.

          Ministerpräsident Fredrik Reinfeldt warnt vor den Rechtspopulisten aus Südschweden.
          Ministerpräsident Fredrik Reinfeldt warnt vor den Rechtspopulisten aus Südschweden. : Bild: dpa

          „Die Einwohner haben es satt, dass es so viele Einwanderer in der Stadt gibt“

          Lennart Söderberg sollte dem Rest der Welt den Erfolg der Populisten in Landskrona erklären. Doch der Bürgermeister der konservativen „Moderaten“ sitzt heute noch im spröden Stadshus am Stadthafen und sagt: „Wir haben sicher Fehler gemacht, doch dafür gibt es keine einfachen Erklärungen.“ Der damalige Sprecher der lokalen Schwedendemokraten hatte hingegen schon 2006 eine recht schlichte parat. Der Zeitung „Sydsvenskan“ sagte er gleich nach der Wahl: „Wir hatten Erfolg, weil die Einwohner es satt haben, dass es so viele Einwanderer in dieser Stadt gibt.“

          Freilich hatten die Schwedendemokraten in ganz Schonen Mandate hinzugewonnen. In den größeren Städten der südschwedischen Gegend, in Malmö, Helsingborg und Ystad vervielfachten sie ihre Ergebnisse. Nirgendwo sonst in Schweden sind sie so erfolgreich, wie in dem flachen Land, dessen karge Schönheit Henning Mankell seinen Kommissar Wallanderer mürrisch durchstreifen lässt. Wenig Wald, weite Felder, nie ist das Meer weit. Gleich in Wallanders erstem Mordfall waren Einwanderer die Tatverdächtigen. Aus Rache stand bald ein Asylheim in Flammen. Das Buch erschien vor fast zwanzig Jahren.

          Damals gründeten sich auch die Schwedendemokraten. Mitte der Neunziger zogen sie dann in die ersten kommunalen Parlamente ein - und veränderten sich, zumindest an der Oberfläche. Wurden sie bei ihrer Gründung noch im rassistischen Milieu verortet, versuchten sie über die Jahre, ihre extremistischen Kanten abzuhobeln. Dass dies bis heute nicht splitterfrei gelungen ist, zeigte erst jüngst der Fall eines Lokalpolitikers in Landskrona.

          In seinem Internetblog wurde ein Eintrag gefunden, in dem er darüber sinniert, wie leicht es Tausende Jahre lang „der Neger“ doch gehabt habe, „er konnte in der Hitze entspannen, Bananen essen, ein paar vorbeikommende Frauen oder Kinder vergewaltigen, andere schwarze Männer verprügeln und essen“, und so weiter. Er verteidigte seinen Eintrag erst als Ironie und trat dann aus der Partei aus. Er sagte, er wolle ihr nicht schaden.

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