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Wahl in Schweden : Die Wandlung des Ulf Kristersson

Ulf Kristersson bei der Wahlparty seiner Partei in der Nacht vom 11. auf den 12. September Bild: Bloomberg

Ulf Kristersson dürfte neuer Ministerpräsident in Schweden werden. Dafür ist er auch bereit, die Unterstützung der Schwedendemokraten in Anspruch zu nehmen.

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          Vor der Wahl 2018 soll Ulf Kristersson ein Versprechen abgegeben haben. Der Vorsitzende der bürgerlichen Moderaten besuchte wie andere schwedische Spitzenpolitiker damals auch die Holocaust-Überlebende Hédi Fried, eine moralische Instanz im Land. Fried warnte vor der Bedrohung der Demokratie, die sie aufziehen sah. Dabei habe Kristersson, so erzählte sie später, versprochen, einer Zusammenarbeit mit den Schwedendemokraten nicht zuzustimmen. Nun, nach der Wahl am Sonntag, spricht alles dafür, dass Ulf Kristersson neuer Ministerpräsident wird – und viel dafür, dass seine Regierung von der Unterstützung der Rechtspopulisten abhängig sein wird.

          Matthias Wyssuwa
          Politischer Korrespondent für Norddeutschland und Skandinavien mit Sitz in Hamburg.

          Kristersson wurde im Dezember 1963 in Lund geboren und wuchs in der Nähe von Eskilstuna auf, gut 100 Kilometer westlich von Stockholm. Schon seit er Ende 2017 die Führung der Moderaten übernommen hat, begleitete ihn die Frage, wie die Partei mit den Schwedendemokraten umgehen soll.

          Lange wurden die Rechtspopulisten im Parlament isoliert. Kristerssons Vorgängerin im Parteivorsitz war noch ins Stolpern geraten, als sie die Möglichkeit einer Zusammenarbeit mal angesprochen hatte. Nach der Wahl 2018 versuchte Kristersson sich im Parlament als Ministerpräsident bestätigen zu lassen, aber zwei bürgerliche Parteien versagten ihm die Unterstützung – sie wollten jeglichen Einfluss der Schwedendemokraten verhindern.

          Abkehr von vergangenen Schwüren

          Eine der beiden, die Liberalen, hat diese Entscheidung revidiert. Sie sind zurückgekehrt ins bürgerliche Lager und haben wie Kristersson vor der Wahl deutlich gemacht, dass sie bereit sind, sich von den Schwedendemokraten unterstützen zu lassen. So wird es nun kommen.

          Kristersson, der verheiratet ist und mit seiner Frau drei Mädchen aus China adoptiert hat, fiel früh auf in seiner Partei. Der Wirtschaftswissenschaftler zog 1991 in den Reichstag ein und war bis 1992 Vorsitzender des Jugendverbandes – bis er bei der Vorstandswahl gegen Fredrik Reinfeldt verlor. Reinfeldt zählte zum konservativen Flügel, Kristersson zum liberalen. Reinfeldt war von 2006 bis 2014 Ministerpräsident, Kristersson diente ihm vier Jahre als Minister. Nach seiner Wahlniederlage schrieb Reinfeldt ein Buch.

          Die Schwedendemokraten bezeichnete er darin als eine Partei, die im Kern Rassisten und Fremdenfeinde vereine und Wähler anziehe, die unzufrieden seien mit ihrem Leben und der Gegend, in der sie wohnten. Kristersson aber hat Jimmie Åkesson, den Vorsitzenden dieser Partei, gut ein Jahr nach dem Treffen mit Hédi Fried zum ersten Mal offiziell empfangen.

          Nun muss er mit Åkesson den Preis für die Unterstützung der Rechtspopulisten aushandeln. Leicht dürfte das nicht werden, die Schwedendemokraten sind zur zweitstärksten Kraft im Parlament aufgestiegen – die Moderaten von Kristersson liegen nur noch auf dem dritten Platz.

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