https://www.faz.net/-gpf-15t9l

„Schwarze Witwen“ : Rächerinnen oder Werkzeuge?

Oktober 2002: Tschetschenische Terroristinnen im Musical-Theater „Nordost”; an ihrem Körper hatten sie sich Sprengstoff gebunden Bild: picture-alliance/ dpa

Der Terror in der Moskauer Metro ist offenbar wieder untrennbar mit dem Phänomen der „Schwarzen Witwen“ verbunden. Erstmals traten sie im Oktober 2002 beim Überfall auf das Musical-Theater „Nordost“ in Erscheinung.

          Die Welle des Terrors, die zwischen 2002 und 2004 über Moskau hereingebrochen war, ist untrennbar mit dem Phänomen der „Schwarzen Witwen“ verbunden. Sie erregten erstmals Aufsehen als Teilnehmerinnen des tschetschenischen Terrorkommandos, das im Oktober 2002 im Musical-Theater „Nordost“ etwa 800 Zuschauer als Geiseln nahm und mit deren Ermordung drohte.

          Reinhard Veser

          Redakteur in der Politik.

          Danach waren in den folgenden beiden Jahren an fast allen Anschlägen, die islamistische Untergrundkämpfer aus dem Nordkaukasus außerhalb ihrer Heimatregion verübten, Frauen beteiligt - meist als Selbstmordattentäterinnen. Auch der bis zum Montag schlimmste Anschlag auf die Moskauer Metro, bei dem am 6. Februar 2004 im Berufsverkehr auf einer der Hauptlinien 39 Personen ermordet wurden, wurde von einer Selbstmordattentäterin verübt.

          Hinter der Rekrutierung dieser Frauen und der Planung ihrer Anschläge wurde der Terroristenführer Schamil Bassajew vermutet, der sich selbst bezichtigte, die Geiselnahmen im Moskauer Musical-Theater und in der Schule von Beslan im September 2004 organisiert zu haben. Auch zu dem Terrorkommando in Beslan gehörten nach offiziellen Angaben zwei Frauen.

          Darüber, was die „Schwarzen Witwen“ zu ihren Taten trieb, wurde viel spekuliert. Eine Vermutung war, dass diese Frauen Rache für Verwandte - Väter, Brüder, Ehemänner - üben wollten, die von russischen Sicherheitskräften getötet wurden. Eine andere Vermutung lautete, dass die Frauen einem zynischen Kalkül Bassajews zum Opfer gefallen seien, der sie einsetzte, weil er die Frauen leichter als die - in den Augen der Sicherheitskräfte unter einem Generalverdacht stehenden - Männer aus dem Nordkaukasus nach Moskau bringen konnte. Die Frauen seien einer Gehirnwäsche unterzogen und vor ihren Anschlägen mit Rauschgiften gefügig gemacht worden, behauptete etwa der russische Geheimdienst.

          Diese Ansicht wurde allerdings auch von kritischen Beobachtern gestützt, etwa der russischen Autorin Julia Jusik, die in einem Buch die Lebensläufe mehrerer „Schwarzer Witwen“ nachvollzogen hatte.

          Weitere Themen

          Die erste weibliche EU-Kommissionspräsidentin Video-Seite öffnen

          Von der Leyen gewählt : Die erste weibliche EU-Kommissionspräsidentin

          Es war knapp, aber am Ende hat es gereicht: Ursula von der Leyen erhielt mit 383 von 747 Stimmen äußerst knapp die notwendige Mehrheit im Europaparlament. Dadurch wird sie ab dem 01. November Jean-Claude Juncker als Kommissionspräsident ablösen.

          Topmeldungen

          Wahl von der Leyens : Eine pragmatische Lösung

          Das Europäische Parlament ist über seinen Schatten gesprungen und vermeidet mit der Wahl von der Leyens den Machtkampf mit dem Europäischen Rat. Der Erfolg der CDU-Politikerin sichert auch das Überleben der großen Koalition – fürs Erste.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.